08.08.2008 · Die schwindende Aussicht auf steigende Leitzinsen im Euro-Raum hat den Euro mit Kursen von nur noch knapp über 1,51 Dollar kräftig unter Druck gebracht. Mitte Juli hatte die europäische Einheitswährung noch an der Marke von 1,60 Dollar gekratzt.
Von Jürgen BüttnerEinen kräftigen Satz nach oben hat von Donnerstag auf Freitag der Dollar gemacht. Im Verhältnis zum Euro markiert er ein Fünfmonatshoch und gegenüber dem britischen Pfund klettert er sogar auf ein 17-Monatshoch. Auch der breite Dollar-Index, der die Entwicklung der amerikanischen Devise gegenüber vielen Weltwährungen nachzeichnet, stieg auf den höchsten Stand seit fünf Monaten.
Im Handelsverlauf touchierte der Dollar gegenüber dem Euro mit einem bisherigen Tagestief von 1,5103 Dollar fast die Marke von 1,51 Dollar. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass der Dollar Mitte Juli noch an der Marke von 1,60 Dollar kratzte. Doch inzwischen hat sich der Wind merklich zugunsten der zuvor lange Zeit angeschlagenen amerikanischen Währung gedreht.
Schwindende Aussicht auf höhere Leitzinsen belastet
Händler machten für die Verluste des Euros die am Donnerstag ausgesprochenen Warnungen der Europäischen Zentralbank (EZB) vor einer zunehmenden Konjunkturschwäche im Euro-Raum verantwortlich. Nach den Aussagen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet werde den Anlegern zunehmend klar, dass die EZB den Leitzins in Euroland auf längere Zeit nicht anheben werde. Die Spekulation auf weitere mögliche Zinserhöhungen der EZB hatte den Euro zuvor noch gestützt.
Die angepassten Erwartungen werden nun in die Devisenkurse eingepreist, sagt eine Händlerin. Nicht zuletzt aufgrund des in Euroland trüberen Konjunkturhimmels gebe es keinen Grund mehr für eine „Long-Position“ im Euro, ergänzt ein Händler aus London. Denn wie es mittlerweile aussieht, könnte der Euro-Raum im Zuge der Kreditkrise konjunkturell sogar stärkere Bremsspuren aufweisen als die amerikanische Wirtschaft, obwohl von dort die Krise eigentlich ausging.
Als Vorteil für den Dollar erweisen sich außerdem die jüngsten Rückgänge beim Ölpreis. Nach Daten von Bloomberg wiesen der Ölpreis und der Dollarkurs zuletzt eine sehr hohe Korrelation von 0,9 auf. Zum Verständnis: Eine Korrelation von eins würde einen kompletten Gleichlauf von Dollar und Ölpreis bedeuten.
Dollar hat wichtige Chartmarken erobert
Dank der jüngsten Kursgewinne hat der Dollar gegenüber dem Euro wichtigen charttechnischen Boden gut gemacht. Der Euro hat dabei markante Unterstützungen durchbrochen und ein Test der Marke von 1,50 Dollar scheint jetzt nur noch eine Frage der zeit zu sein. Charttechnische Bedeutung kommt der etwas tiefer gelegenen Marke von 1,4965 Dollar größere Bedeutung zu. Sollte dieses Niveau unterschritten werden, würde dies laut Charttechnikern sogar den Weg frei machen bis in den Bereich von 1,46 Dollar.
An einen erneuten Angriff auf das Rekordhoch bei rund 1,60 Dollar ist derzeit jedenfalls nicht mehr zu denken. Vielmehr deutet vieles darauf hin, dass der Euro seine Hochpunkte zunächst gesehen hat. Das Chartbild der Parität Euro-Dollar gestaltet sich neuerdings zumindest eindeutig zugunsten des Greenbacks.
Fundamental betrachtet bleibt es aber angesichts der gravierenden volkswirtschaftlichen Ungleichgewichte, mit denen sich die Vereinigten Staaten vermutlich noch längere Zeit herumschlagen müssen, aber fraglich, ob der Dollar tatsächlich zu einer nachhaltigen Stärke zurückfinden kann. Kurzfristig sollten die eindeutigen Chartsignale zugunsten der amerikanischen Landeswährung aber nicht ignoriert werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |