Über das Wochenende hat der Dollar einen erneuten Schwächeanfall erlitten. Im Verhältnis zum Euro ist die amerikanische Währung zum Wochenauftakt dadurch auf Notierungen von fast 1,28 Dollar abgerutscht und zum Yen ist er auf Kurse von etwas über 106 Yen gesunken.
Dabei schürt die ungebrochene Rekordjagd des Ölpreises nach Einschätzung von Händlern die Sorge vor einer spürbaren Wachstumsabschwächung der amerikanischen Wirtschaft. Dies belaste den Dollar. Der Ölpreis hatte am Montag im asiatischen Handel einen neuen Rekordstand erreicht.
Etliche Belastungsfaktoren
„Man redet derzeit über alle möglichen Sachen, die negativ für den Dollar sind", faßte Mitsuo Imaizumi die Stimmung auf dem Parkett zusammen. Neben dem Ölpreis verweist er auf das Zwillingsdefizit im Staatshaushalt und in der Leistungsbilanz. Zudem laste das voraussichtlich enge Rennen um die Präsidentschaft am 2. November auf den Dollar-Kurs.
Derzeit ist nach Einschätzung der National Australia Bank nicht auszumachen, was die Dollarschwäche zum Stillstand bringen könnte. Einige Devisenanalysten halten einen Anstieg des Eurokurses über die Marke von 1,30 Dollar für möglich.
Das Chartbild hat sich deutlich eingetrübt
Wie sehr sich die Lage für den Dollar inzwischen zugespitzt hat, läßt sich auch sehr gut am Dollar-Index ablesen. Dieser zeigt die Wertentwicklung des Dollars gegenüber den sechs wichtigsten Handelswährungen, und wie aus dem Chart hervorgeht (siehe Grafik), hat die amerikanische Landeswährung seit Ende Mai kräftig an Boden verloren.
Wie die Analysten bei HSBC Trinkaus konstatieren, bewegt sich der Dollar-Index derzeit in einem intakten Abwärtstrend in Richtung Süden. Nach einer kurzzeitigen Erholung im Sommer ist der Future im Rahmen der jüngsten Abwärtsbewegung sogar unter das zyklische Tief vom 19. Juli bei 87,20 Punkten gefallen. Demnach drohen perspektivisch weitere Kursverluste.
Die nächste wichtige Unterstützung findet sich laut HSBC Trinkaus dabei allerdings erst wieder in Form des Jahrestiefs vom 18. Februar bei 84,77 Punkten. Dieser Bereich wird durch die Parallele des angeführten Abwärtstrends (aktuell bei 84,76 Zählern) verstärkt.
Weitere Kursverluste müssen einkalkuliert werden
Die insgesamt pessimistische Einschätzung werde durch die Lage bei den technischen Indikatoren bestätigt, die durchweg Verkaufssignale aufwiesen. Zudem notiere der ADX wieder in der Nähe seines Schwellenwertes von 25 Punkten, was die zunehmende Dynamik der aktuellen Bewegung verdeutlicht. Einziger Hoffnungsschimmer für eine kurzfristige Stabilisierung ist die Tatsache, daß der Stochastik mittlerweile in den überverkauften Bereich vorgedrungen ist.
Aufgrund der beschriebenen technischen Situation neige der Dollar-Index weiterhin zur Schwäche. Weitere Kursverluste sollten daher einkalkuliert werden, so die Warnung von HSBC Trinkaus. Aufhellen würde sich die Lage oberhalb des zyklischen Tiefs vom Juli. Von einer Trendwende könne aber frühestens bei einem Bruch des aktuell bei 88,67 Zählern verlaufenden Abwärtstrends gesprochen werden.