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Devisenmarkt Der Aufwärtstrend des Zloty hat einen Knacks bekommen

24.08.2008 ·  Die polnische Landeswährung demonstriert seit Jahren Stärke gegenüber dem Euro. Doch zuletzt hat der Zloty an Wert verloren. Erklären lässt sich das primär mit nachlassenden Zinserhöhungsängsten.

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Wie andere osteuropäische Währungen hat auch der Zloty in den vergangenen Jahren deutlich gegenüber dem Euro zugelegt. Mit dem am 25. Juli 2008 markierten Rekordhoch von 3,2047 Zloty für einen Euro betrug der Wertzuwachs für die polnische Landeswährung seit dem 19. Februar 2004 fast 35 Prozent. Alleine in diesem Jahr belief sich das Plus in der Spitze auf gut elf Prozent.

Getragen wurde die Aufwertung dabei von einem strammen Wirtschaftswachstum, hohen ausländischen Direktinvestitionen und zuletzt auch durch einen wachsenden Zinsvorsprung gegenüber der Eurozone. Doch in den vergangenen Wochen hat der Schwung nachgelassen. Statt weitere Kursgewinne zu verbuchen, hat die Notiz in vier Wochen rund vier Prozent auf aktuell knapp 3,30 Zloty verloren.

Experten zeigen sich zunehmend skeptischer

Nicht wenige Experten sehen diese Kursbewegung als Ernst zu nehmenden Hinweis auf ein dauerhaftes Ende der Zloty-Stärke. „Der Zloty ist überbewertet“, sagt etwa Marcin Bilbin von der Bank Pekao, die mit einem Kurs von 3,45 Zloty zum Jahresende rechnet. Falls der Dollar gegenüber dem Euro weiter an Stärke gewinne und deshalb Kapital aus der EU nach Amerika abfließe, könne die polnische Landeswährung sogar noch deutlicher an Wert verlieren, meint Janusz Jankowiak, Chef-Ökonom des Rates der polnischen Wirtschaft.

Nach Ansicht von Marian Noga, Mitglied im Rat für Währungspolitik der Nationalbank, bestimmt auch die Entwicklung der Währungen in anderen mittel- und osteuropäischen Ländern über den Kurs des Zloty. „Er ist untrennbar mit der tschechischen und der slowakischen Krone sowie mit dem ungarischen Forint verbunden“, so Noga. Auch die tschechische Krone hat in der jüngsten Zeit deutlich nachgegeben.

Die Analysten der Unicredit sind neuerdings gleichfalls skeptischer gegenüber dem Zloty. Während sie die meisten Marktteilnehmer noch stark in der polnischen Währung investiert sehen, glauben sie, dass die zuvor den Zloty stützenden Faktoren derzeit an Bedeutung verlieren. Vor allem glauben sie, dass mittelfristig der Inflationsdruck nachlässt und damit die Gefahr einer weiteren Zinserhöhung abnimmt. Gestützt wird diese These auch von den Plänen der Regierung, Einsparungen vorzunehmen.

Nachhaltige Kursschwäche eher unwahrscheinlich

Allerdings steht die Nagelprobe in Sachen Inflation erst noch aus. Die meisten Beobachter rechnen damit, dass die Notenbank auf ihrer nächsten Zinssitzung am 27. August keine Änderung des Leitzins beschließen wird. Jedoch ist das Leistungsbilanzdefizit im Juni von 1,18 Milliarden auf 2,29 Milliarden Euro gestiegen. Die Inflationsrate lag im Juli mit 4,8 Prozent nahe an einem Siebenjahreshoch und die Löhne weisen zweistellige Wachstumsraten auf.

Daher bleibt abzuwarten, wie sich Inflation und damit die Leitzinsen tatsächlich weiter entwickeln werden. Für August wird mit einer Teuerungsrate von rund fünf Prozent gerechnet. Sollte sich dies als zutreffend erweisen, dürfte dies eine Senkung der Leitzinsen, die sich nach vier Anhebungen in diesem Jahr mit sechs Prozent auf einem Dreijahreshoch bewegen, bis auf weiteres verhindern.

Da außerdem in der Eurozone wegen der zuletzt schwachen Wirtschaftsdaten eher Zinssenkungs- als Zinserhöhungsdruck besteht, dürfte die positive Zinsdifferenz zugunsten des Zloty selbst bei einer gleichzeitigen Wachstumsabschwächung in Polen erhalten bleiben. Mit einer ausgeprägten Zloty-Schwäche ist deswegen nicht unbedingt zu rechnen. Nachdem sich die Notiz im Zuge der noch bis Mitte Juli zu beobachtenden Aufwertung sehr weit von der gleitenden 200-Tage-Durschnittslinie entfernt hatte, sind aber im überschaubaren Rahmen weitere temporäre Einbußen nicht auszuschließen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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