18.01.2010 · Das britische Pfund zählte in den vergangenen drei Jahren zu den schwächsten Währungen weltweit, scheint in den vergangenen Tagen aber den mittelfristigen Abwertungstrend gegen den Euro überwunden zu haben. Fragt sich nur, wie lange.
Das britische Pfund zählte in den vergangenen drei Jahren zu den schwächsten Währungen weltweit und verlor gegen den Euro bis zu 32 Prozent seines Wertes. Im vergangenen Jahr hat es allerdings aus technischer Sicht so etwas wie einen Kursboden ausgebildet.
In den vergangenen Tagen scheint es den mittelfristigen Abwertungstrend sogar überwunden zu haben. Am Montag sind 87,96 britische Pence nötig, um im professionellen Handel einen Euro erwerben zu können. So wenig also, wie zuletzt im September des vergangenen Jahres.
Zunehmende Wetten gegen Euro ...
Dafür sind einerseits zunehmende Wetten gegen den Euro an sich verantwortlich. Sie gehen aus von den strukturellen Schwächen der Währung, die auf einen „nicht optimalen Währungsraum“ zurückzuführen sind. Denn in Europa besteht ein Problem darin, dass man zwar einen einheitlichen Währungsraum mit gemeinsamer Geld- und Währungspolitik hat. Auf der anderen Seite verfolgen die einzelnen Staaten unterschiedliche Wirtschafts- und Fiskalpolitiken.
Die Folgen zeigen sich in Form deutlich divergierender Wettbewerbsfähigkeiten und vor allem auch in Form großer Finanzprobleme wie in Griechenland. Es ist faktisch noch ungeklärt, wie solche Probleme ultimativ gelöst werden könnten beziehungsweise wie effektiv Sanktionsmechanismen sind, die dagegen vorbeugen könnten und sollten.
Auf der anderen Seite nehmen trotzt der strukturellen Schwächen der britischen Wirtschaft zumindest kurzfristig die Wetten auf eine Erholung zu. Dafür ist einerseits die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Handel verantwortlich, die von der massiven kompetitiven Abwertung der vergangenen Jahre ausgeht. Auf der anderen Seite scheinen kurzfristig die sehr tiefen Zinsen in Großbritannien den Immobilienmarkt wieder anzuheizen. Nach Informationen von Rightmove sind die Hauspreise in Großbritannien im Januar im Vergleich mit dem Vorjahr um 4,1 Prozent gestiegen.
... und auf das Pfund
Der von Markit und dem Chartered Institute of Purchasing and Supply zusammen ermittelte Index zur Stimmung der Einkäufer im britischen Dienstleistungssektor erholte sich im vergangenen Jahr vom massiven Rückschlag der Jahre 2007 und 2008. Er stieg von einem Tief von 40 Prozent im November des Jahres 2008 auf 56,8 Prozent im Dezember des vergangenen Jahres. Das dürfte mit der Erholung der Finanzunternehmen aus der Krise zusammenhängen. Aufgrund der Staatshilfen, der tiefen Zinsen, der quantitativen Maßnahmen der Zentralbanken, der Erholung der Finanzmärkte und nicht zuletzt auch der gelockerten Bilanzierungsrichtlinien verdienen sie inzwischen zumindest optisch wieder gutes Geld.
Gleichzeitig wird ihr Geschäftsgebaren bisher regulatorisch trotz gegenteiliger rhetorischer Äußerungen bisher nicht nachhaltig beeinflusst. Aus diesem Grund verhalten sie sich inzwischen wieder weitgehend so, als ob es nie eine Krise gegeben hätte. Kurzfristig gehen so alleine vom Finanzsektor wieder gewisse Wachstumsimpulse aus. Ob sie nachhaltig sein werden, mag bezweifelt werden. So etwas hält jedoch kurzfristig orientierte Anleger nicht davon ab, darauf zu wetten. Aus diesem Grund kann sich das britische Pfund kurzfristig möglicherweise stärker entwickeln, als bisher erwartet. Mittel- und längerfristig gibt es jedoch starke strukturelle Gegenargumente.
Der Abwertungstrend gehört zum Euro wie unsere deutsche Regierung zu uns.
norbert doerre (ndoerre)
- 18.01.2010, 14:32 Uhr
Nicht das Pfund stieg, sondern der Euro fiel
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 18.01.2010, 18:38 Uhr
@doerre: Zu kurz gedacht ..
Alex Merck (AlexM3)
- 18.01.2010, 20:10 Uhr
@Alex Merck - Die FAZ sollte für Wirtschaftskommentare mehr Worte freigeben.
norbert doerre (ndoerre)
- 19.01.2010, 00:15 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |