Home
http://www.faz.net/-gvz-uv27
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Devisenmarkt China, Taiwan und Indonesien halten Währungen schwach

06.07.2007 ·  Die Währungen vieler Schwellenländer sind bei den Anlegern begehrt. Allerdings sollte man sie nicht über einen Kamm scheren, zeigt eine Analyse der Bank Sarasin. Denn die Staaten können unterschiedliche Wechselkursstrategien verfolgen.

Artikel Bilder (11) Lesermeinungen (0)

Die Währungen vieler Schwellenländer sind bei den Anlegern begehrt. Das zeigt die Tatsache, dass sie sich zumindest bisher immer wieder von Rückschlägen rasch erholen. Allerdings sollte man sie nicht über einen Kamm scheren. Denn die Staaten können in Abhängigkeit von ihrer volkswirtschaftlichen Lage unterschiedliche Wechselkursstrategien verfolgen.

Entsprechend unterschiedlich sind grundsätzlich und unter normalen Umständen auch die Auf- oder Abwertungswahrscheinlichkeiten. Im gegenwärtigen Umfeld des weit verbreiteten Optimismus mögen aufgrund des wenig differenzierenden Risikoappetits diese Argumente etwas in den Hintergrund treten. Allerdings dürfte es ratsam sein, sich zumindest einmal die Argumentationsketten zu Gemüte zu führen, die Jan Amrit Poser von der Bank Sarasin im Folgenden abgeleitet hat.

Währungen sind keine Aktien

Zehn Jahre nach der Krise in Asien und in Russland in den Jahren 1997 und 1998 hat sich die Zurückhaltung der Anleger im Verhältnis zu Schwellenländern und ihren Währungen verflüchtigt. Die Staaten wuchsen im letzten Jahrzehnt laut Angaben des Internationale Währungsfonds durchschnittlich um 6,4 Prozent. Aus diesem Grund liegt es nicht fern, den entsprechenden Währungen großes Aufwertungspotential zu unterstellen.

Dabei wird jedoch oft vergessen, dass Währungen keine Aktien sind, die vom Wachstum des Unternehmens profitieren. Ob ein Land stark wächst, sagt noch nichts über seine Währung aus. Profitiert es von einem hohen Wachstum im Konsumbereich, wird sich dies auch in steigenden Importen widerspiegeln. Das daraus folgende Außenhandelsdefizit kann jedoch nur durch eine Abwertung der heimischen Währung bereinigt werden. Nur wenn das Wirtschaftswachstum von den Exporten getrieben ist, lässt sich auf einen steigenden Wechselkurs spekulieren.

Exportüberschuss ist ein Kriterium, jedoch…

Für die Zukunft einer Währung ist grundsätzlich also die Handelsbilanz und weniger das Wachstum entscheidend. Während die meisten Schwellenländer starkes Wachstum aufweisen, fallen bei der Analyse der Leistungsbilanzen einige wichtige Währungen heraus. Die meisten Tigerstaaten Südostasiens - also Staaten wie Thailand, Malaysia, Indonesien und Philippinen - sind zwar abgefedert und auch China, Hongkong, Singapur und Taiwan haben Handelsüberschüsse. Doch Indien und Südkorea scheinen einen konsumgetriebenen Boom aufzuweisen.

Auch die meisten Schwellenländer der europäischen Zeitzone haben hohe Leistungsbilanzdefizite, wie zum Beispiel die Tschechische Republik, Ungarn, die Türkei und auch Südafrika, im Gegensatz zu Staaten wie Polen und Russland. In Lateinamerika weisen nur Brasilien und Argentinien Überschüsse auf.

…nur im Zusammenhang mit der Binnennachfrage

Ein Exportüberschuss allein ist jedoch ebenfalls nicht ausreichend, um eine Aufwertung zu rechtfertigen. Zwar deutet er auf ein außenwirtschaftliches Ungleichgewicht hin. Doch vielleicht bedarf es gerade dieser Asymmetrie, um ein inländisches Ungleichgewicht auszugleichen. Hat das Land eine hohe Arbeitslosigkeit und eine niedrige Kapazitätsauslastung, deutet dies auf ein Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage nach inländischen Gütern hin, das durch eine schwache Währung kompensiert werden muss.

Insbesondere China mit seinem riesigen Reservoir an unterbeschäftigten Landarbeitern scheint ein solcher Fall zu sein. Demnach wäre die chinesische Valuta - so unterbewertet sie auch erscheinen mag - gesamtwirtschaftlich gesehen korrekt bewertet. Doch auch das von Krisen gebeutelte Argentinien und das noch immer mit hoher Arbeitslosigkeit kämpfende Polen fiele aus der Liste der aufwertungsverdächtigen Währungen heraus.

Zinsen wirken positiv, Inflation jedoch negativ

Man mag einwenden, dass in einer Welt steigender Kapitalmobilität die Zinsen für den kurzfristigeren Währungsausblick eine immer größere Rolle spielen. Die Kapitalmärkte der Schwellenländer sind in den vergangenen Jahren tatsächlich zunehmend liberalisiert worden. Starkes Wachstum wirkt sich deshalb positiv auf die Währung aus, da die Zentralbank entweder die Zinsen oder die Währung steigen lassen muss. So oder so käme es zu einer Aufwertung der Währungen.

Doch was passiert, wenn die Zinsen künstlich niedrig gehalten werden, wie im Falle einiger an den Dollar gekoppelter Währungen Asiens? Die Inflation würde beschleunigen und damit den Ausblick für die Währung verschlechtern, weil die Kaufkraft sinkt. Aufkeimende inflationäre Tendenzen in einigen Teilen Südostasiens sind eher negativ für die dortigen Währungen.

Es kommt auf die Entwicklungsstrategie an

Selbst wenn viele der Währungen der Schwellenländer strukturell unterbewertet sind, heißt das noch lange nicht, dass sie auch tatsächlich aufwerten werden. Denn die jeweiligen Zentralbanken könnten aufgrund eines binnenwirtschaftlichen Ungleichgewichts die Strategie verfolgen, Währung und Zinsen künstlich tief zu halten. Steigende Preise und Löhne würden dann über die Zeit zu einer Reduktion der Unterbewertung führen, ohne dass sich der nominale Wechselkurs anpasst und ein Investor davon profitieren kann. Wie die Dinge stehen, scheinen China, Taiwan und Indonesien diese Strategie zu verfolgen. Demnach wären vor allem Singapur, Thailand, Malaysia, aber auch Brasilien und Russland attraktiv.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
  nach...
von... EUR USD JPY
EUR 1 1,2515 99,715 0,7988
USD 0,7990 1 79,665 0,6384
JPY 0,0100 0,0126 1 0,0080
1,2520 1,5664 124,81 1
25.05.2012 23:00 Uhr
  Vortag
1,2515 −0,14%
 OK
Tops & Flops Kurs Prozent
EUR/RUB 40,0510 +0,71 %
EUR/ZAR 10,5135 +0,32 %
EUR/PLN 4,3498 +0,32 %
EUR/SGD 1,6038 +0,20 %
EUR/CAD 1,2882 +0,09 %
EUR/SEK 8,9732 −0,20 %
EUR/NZD 1,6581 −0,20 %
EUR/CZK 25,2820 −0,28 %
EUR/HUF 299,2500 −0,33 %
EUR/NOK 7,5265 −0,41 %
25.05.2012
Name Kurs Prozent
Gold 1.569,50 $ +0,06 %
Silber 28,24 $ +0,57 %
Platin 1.430,00 $ +0,92 %
Palladium 592,00 $ +0,34 %
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14 %
Gas 0,53 £ −0,56 %
Kaffee 1,68 $ +1,27 %
Zucker 0,20 $ +0,36 %
Orangensaft 1,09 $ +0,32 %
AMEX GOLD BUGS 601,37 -- %
AMEX OIL 1.151,96 -- %
Rogers International 24,14 +0,50 %
von
nach