25.01.2010 · Am Devisenmarkt kommen wieder einmal verstärkte Spekulationen über die Aufwertung des chinesischen Yuans auf. Die Gründe: Zunehmende Ungleichgewichte, entstehende Preisblasen und aufkommender Widerstand gegen das „Währungsdumping“.
Am Devisenmarkt kommen wieder einmal verstärkte Spekulationen über die Aufwertung des chinesischen Yuans auf. Kurzfristig gehen sie von Äußerungen verschiedener Strategen wie Jim O'Neill von Goldman Sachs aus, die erklären, China werde die eigene Währung in näherer Zukunft gegen den Dollar um bis zu fünf Prozent in einem Schritt aufwerten lassen.
Hinter solchen Prognosen steht die Tatsachse, dass sich die chinesischer Wirtschaft nach gewaltigen Interventionen monetärer und fiskalpolitischer Art zumindest nach Informationen der offiziellen Statistiken robust entwickelt. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres lag die Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes bei 10,7 Prozent und damit am oberen Rand der Erwartungen.
Statistisch robustes Wachstum in China ...
Die Einzelhandelsumsätze legten im Dezember im Vergleich mit dem Vorjahr um 17,5 Prozent zu, die Industrieproduktion um 18,5 Prozent und die Investitionen in Sachanlagen um 30,5 Prozent. Dagegen lag die Inflationsrate im Dezember bei 1,9 Prozent. Das heißt, die deflationäre Phase, die von Februar bis Oktober des vergangenen Jahres zu einer negativen Preisentwicklung geführt hatte, ist vorbei. Besonders deutlich ist der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln, die sich durch eine spezifische Inflationsrate von 5,3 Prozent im Dezember auszeichneten.
Nicht alleine aus diesem Grund hat Chinas Führung in den vergangenen Tagen sein Banken angewiesen, im Januar kein Geld mehr zu verleihen, nachdem sie zuvor schon die Mindestreserveanforderungen erhöht hatte. Denn im vergangenen Jahr hatten sich die Kreditinstitute einer manischen Kreditvergabeorgie hingegeben, die auch auf eine beispiellosen Erhöhung der Geldmenge bei, angesichts des Wachstums notorisch viel zu tiefen Zinsen, zurückzuführen war.
Das hatte die Börsen in China und in der weiten Welt zusammen mit den lockeren Geldpolitiken weltweit beflügelt und sie teilweise auf irrationale Niveaus angehoben. In China sind nicht nur die Aktien im Durchschnitt überteuert, sondern auch die Immobilien. Die zum Markt veröffentlichten Daten verdeckten eine Blase, erklärt die Weltbank sogar. Die offiziellen Zahlen „dürften die tatsächliche Entwicklung unterrepräsentieren“, sagte Ardo Hansson, Chefvolkswirt für China bei der Weltbank. „Die Leute kaufen Immobilien, weil sie denken, dass die Preise nächste Woche oder nächsten Monat noch höher sind“, erklärte er in einem Interview mit Bloomberg News in Peking.
Den staatlichen Zahlen zufolge sind die Immobilienpreise im Reich der Mitte im Dezember so stark gestiegen wie seit 18 Monaten nicht mehr. Für die Regierung bedeutet das einen delikaten Spagat zwischen dem Bremsen der Immobilienpreise und der weiteren Förderung der Konjunktur. Hansson deutete an, dass Ministerpräsident Wen Jiabao und sein Kabinett voraussichtlich weitere Maßnahmen ergreifen müssen, nachdem die Zentralbank bereits den Mindestreservesatz für die Banken angehoben hat.
... allerdings bei zunehmenden Ungleichgewichten und entstehenden Preisblasen
Während die Preise in 70 chinesischen Großstädten im Dezember 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen sind, hat sich der Wert einiger Luxus-Appartements in Schanghai im vergangenen Jahr verdoppelt, berichtet Lee Wee Liat, Analyst bei Nomura International Hong Kong. Für die von der Hongkonger Immobiliengesellschaft Shui On Land entwickelte Anlage Casa Lakeview nannte Lee einen Preis von 100.000 Yuan oder 10.350 Euro je Quadratmeter. Zudem haben die Immobilienverkäufe in China im vergangenen Jahr um 75,5 Prozent zugenommen auf 4,4 Billionen Yuan. Angetrieben wurde der Markt von einem Rekordvolumen von 9,59 Billionen Yuan an neuen Krediten im vergangenen Jahr. „Die überschüssige Liquidität im System legt die Grundlage für eine kletternde Inflation und Blasen bei Vermögenswerten“, warnte der stellvertretende philippinische Zentralbankchef Diwa Guinigundo am Montag im Interview mit Bloomberg News.
In diesem Rahmen würde eine Aufwertung der Währung dazu beitragen können, den Preisauftrieb im Lande in Zaum zu halten und die wirtschaftlichen Aktivitäten im Exportsektor zu bremsen. Kritische Analysten kritisieren schon lange, die chinesische Wirtschaft sei zu einseitig den Export ausgerichtet. Diese Tatsache habe sich im Rahmen der gewaltigen Stimulantien der vergangenen Monate noch verstärkt, da sie zu stark in Investitionen der Exportindustrie statt in Binnenmarkt orientierte Sektoren geflossen seien.
Diese Entwicklung jedoch gerät international immer stärker in die Diskussion. Westliche Politiker beklagen sich mit Blick auf die Handelsbilanzüberschüsse über „Währungsdumping“ und die damit verbundene Wettbewerbsverzerrungen. Dazu komme die immer größer werdenden Ungleichgewichte im Finanzbereich, zu welchen die Anlage der immer größer werdenden chinesischen Währungsreserven führten. Auch um solchen Argumenten den Wind aus dem Segel zu nehmen, könnte China tatsächlich gezwungen werden, den Yuan aufwerten zu lassen. Eine Studie der amerikanischen Zentralbank zeigt, dass eine reale jährlich Aufwertung des Yuan um zehn Prozent seit 2005 dazu geführt hätte, dass die chinesischen Exporte 30 Prozent unter dem aktuellen Niveau liegen würden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |