13.09.2007 · In den vergangenen Wochen haben nervös gewordene Spekulanten massiv so genannte Carry Trades aufgelöst und damit starke Kursausschläge am Devisenmarkt bewirkt. Doch ein Ende dieser Anlagepraxis herbeizureden, erscheint verfrüht.
Ausgelöst durch die von der Hypothekenkrise ausgehenden Verwerfungen ging es in den vergangenen Wochen auch am Devisenmarkt turbulent zu. Zu hektischen und volatilen Kursausschlägen kam es insbesondere bei den Währungen, die bisher als Basis für die so genannten Carry Trades genutzt wurden. Niedrigzinswährungen Yen und Schweizer Franken legten zu, während Hochzinswährungen wie der australische oder neuseeländische Dollar kräftig nachgaben.
Angesichts der starken Kursausschläge mit rekordhohen täglichen Schwankungen und der vielen Milliarden, die dabei bewegt wurden, munkelten Experten vereinzelt schon über das endgültige Ende der auf Carry Trades basierenden Anlagepraktiken, die in den vergangenen Jahren so beliebt waren. Zumal sich die eingegangenen Strategien, wie die herben Verluste zeigen, in Zeiten deutlich ansteigender Volatilität an den Finanzmärkten nur bedingt zur Risikodiversifizierung eignen.
Spürbare Zinsdifferenzen werden bestehen bleiben
Doch ob es wirklich so weit kommen wird, erscheint fraglich. Der derzeitige volkswirtschaftliche Datenkranz spricht eher für ein Andauern der Carry Trades. Während die Zinsen in einigen Ländern wie Australien längerfristig weiter steigen dürften, bleiben die Zinsen in Japan vermutlich weiter niedrig und in Amerika werden sie wahrscheinlich sogar wieder sinken.
Es bleibt somit bei größeren Zinsdifferenzen und genau das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für Carry Trades, da bei dieser Anlagestrategie der Investor in einer Währung mit vergleichsweise niedrigen Zinsen einen Kredit aufnimmt und das Kapital gleichzeitig in einer Währung mit vergleichsweise hohen Zinsen investiert.
Vor diesem Hintergrund halten es die Experten von Unicredit Markets & Investment Banking ebenso verfrüht wie überzogen, den Tod von Carry-Trade-Strategien auszurufen. Denn letztlich habe sich im Umfeld wenig verändert.
Ihren Einschätzungen zufolge basierten die jüngsten Ausverkäufe keinesfalls auf Problemen in der Assetklasse Währungen. Vielmehr habe es sich um die Auswüchse einer abhanden gekommenen Liquidität in den verschiedensten Assetklassen gehandelt. Aufgrund des daraus resultierenden Liquiditätsengpasses, aber auch angesichts der Tatsache, dass auf Forward-Rate-Bias-Strategien (eine Anlage am Geldmarkt in mehreren hoch verzinslichen Währungen und gleichzeitige Fremdfinanzierung am Geldmarkt in mehreren niedrig verzinslichen Währungen) seit Jahresbeginn die höchsten Gewinne aufgelaufen waren, sei es einfach zu der extremen Glattstellungswelle gekommen.
Viele spekulative Positionen dürften bereits bereinigt sein
Setzt man voraus, dass sich die Attraktivität von Carry Trades nicht monokausal an den Zinsdifferenzen, sondern aus Zinsvorteil und Volatilität definiert, sind die mittelfristigen Chancen für eine Wiedergeburt der Carry Trades laut Unicredit nicht schlecht. Da sich die Zinsdifferenzen nicht verschieben werden, die Währungsvolatilitäten hingegen spätestens im Einklang mit der globalen Risikoaversion sinken dürften, werde der Appetit auf Hochzinswährungen zurückkehren, so die Prognose.
Auch markttechnisch sehe es gut aus. Zwar lasse sich das Volumen von Carry Trades nicht greifen, benutze man aber den Commitment of Trading Report, sei es in den vergangenen Wochen zu extremen Positionsbereinigungen gekommen. Die Netto-Kaufpositionen im australischen Dollar hätten sich demnach fast auf Null bereinigt, und die Positionierung in britischen Pfund Sterling sei auf ein Drittel gefallen. Auf der Finanzierungsseite seien die Netto-Verkauf-Positionen in japanischen Yen und Schweizer Franken annähernd komplett aufgelöst worden. Das sei als Kontraindikator zu werten.
Sollte die Vorlage der Quartalsergebnisse durch die amerikanischen Investmentbanken, auf die derzeit mit großer Spannung gewartet werde, glimpflich verlaufen, sei der Grundstein für ein wieder nachhaltiges Interesse an Carry Trades gesichert. Zusätzlich unterstützend sollte sich die Sitzung der amerikanischen Notenbank erweisen. Senkt sie am 18. September wie erwartet den Leitzins, wird den Marktteilnehmern noch einmal aufgezeigt, dass die amerikanische Notenbank alles unternehmen wird, um die Volatilität an den Finanzmärkten zu reduzieren.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |