Die Bundesbank hat sich am Montag besorgt über mögliche Schwankungen an den Devisenmärkten gezeigt. Die vor allem in den Amerika ausgeprägten außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte stellten ein „latentes Risiko für abrupte Kursbewegungen am Devisenmarkt einschließlich eines eventuell folgenden Überschießens dar“, heißt es im jüngsten Bundesbank-Monatsbericht.
Dieses Risiko drohe durch die weltweit üppige Liquiditätsausstattung verstärkt zu werden, die Übertreibungen bei den Vermögenspreisen sowie ein Überspringen von Fehlbewertungen von einem Markt auf andere Märkte begünstigen könne.
Gefahr für die realwirtschaftliche Stabilität
Solche Übertreibungen könnten die Stabilität der realwirtschaftlichen Expansion und der Finanzströme gefährden, wenn es im Zuge einer zunehmenden konjunkturellen Dynamik oder bei steigenden Risiken für die Verbraucherpreise zu einer Zinswende komme. Besonders in Volkswirtschaften, in denen es bei einer hohen Verschuldung des privaten Sektors auch Anzeichen für einen überhitzten Immobilienmarkt gebe, könne eine Aufwärtsbewegung der Zinsen „erhebliche negative Wirkungen“ nach sich ziehen.
Zwar macht die Bundesbank eine globale konjunkturelle Belebung aus, doch sei diese regional noch nicht breit angelegt, sondern konzentriere sich auf Amerika, Ostasien und die Reformstaaten in Mittel- und Osteuropa. Die Eurozone befinde sich dagegen noch in einer Nachzüglerrolle. In Lateinamerika habe sich die Lage zwar etwas entspannt, doch bestehe dort noch “erhebliches Rückschlagpotenzial“. Eine solche Konstellation erscheine angesichts der sich wahrscheinlich weiter verschärfenden globalen Ungleichgewichte „recht störanfällig und auf Dauer kaum tragfähig“.
Das Risiko von ruckartigen Wechselkursschwankungen habe sich dadurch verstärkt. Nicht unerhebliche Unsicherheiten gingen zudem von der weiter bestehenden terroristischen Bedrohung und den anhaltenden Spannungen im Nahen Osten aus. Dies zeige sich exemplarisch in den vergleichsweise hohen Rohölnotierungen. Positiv sei dagegen zu werten, daß die Deflationsängste inzwischen weitgehend verschwunden seien. Vielmehr sei das derzeit ruhige Preisklima in den Industrieländern dem Erholungsprozeß förderlich.
Deutsche Wirtschaft reagiert empfindlich auf starke Wechselkursverschiebungen
Die günstigeren Wachstumsperspektiven in Deutschland seien zum einen von der wieder stärkeren Expansion der Weltwirtschaft getragen, einschließlich einer Belebung im Euroraum. Zum anderen hätten sich die binnenwirtschaftlichen Voraussetzuungen verbessert. Die Bundesbank verweist an dieser Stelle vor allem auf die Fortschritte der Unternehmen in Richtung schlankerer Produktions- und Kostenstrukturen sowie auf die Entspannung der Verschuldungslage.
Von der Finanzierungsseite sei der Boden für mehr Wachstum gut vorbereitet, die Kostensituation sei entspannt und wirke ertragsstabilisierend. Starke Verschiebungen in den Wechselkursrelationen könnten sich jedoch vor allem zu Beginn der konjunkturellen Erholung “empfindlich“ auf die deutsche Wirtschaft auswirken, mahnt die Bundesbank.