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Devisenmarkt Brasilianischer Real profitiert von Kapitalzuflüssen

17.10.2007 ·  Der brasilianische Real gehört zu den stärksten Währungen weltweit. Der Risikoappetit der internationalen Anleger macht sich in Form eines Aufwertungstrends bemerkbar, während die Zentralbank inzwischen inflationäre Risiken sieht.

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Mit einem Kursgewinn von 9,84 Prozent gegen den Euro seit Jahresbeginn gehört der brasilianische Real nach dem Kanada-Dollar zu den stärksten Währungen weltweit. Das zeigt sich weniger gegen die europäische Einheitswährung, gegen die er sich in mittelfristiger Betrachtung seit Monaten in einem volatilen Seitwärtstrend bewegt und sich kurzfristig auf der stärkeren Seite befindet.

Sondern das zeigt sich vor allem gegen den schwächelnden Dollar und den geldpolitisch bewusst gehaltenen Yen. Gegen die amerikanische Währung hat der Real seit Jahresbeginn etwas mehr als 19 Prozent zugelegt und gegen den Yen etwas mehr als 16 Prozent. Abgesehen von kurzen und zum Teil deutlichen Zwischenerholungen in volatilen Phasen an den Finanzmärkten wertet der Real schon seit Jahren gegen den Dollar und den Yen auf.

Risikoappetit der internationalen Anleger treibt auch die brasilianischen Märkte

Das liegt einerseits am immer wieder auflebenden Risikoappetit der internationalen Anleger. Sie setzen auf die Fortsetzung der Trends, die ihnen bei Schwellenländeranlagen in den vergangenen Jahren nicht nur bei Aktien zu deutlichen Kursgewinnen verholfen haben, sondern die Aufwertungsgewinne über die Währungsschiene kommen noch dazu.

Amerikanische oder auch japanische Investoren, die sich zu Jahresbeginn auch nur einen günstigen, breit diversifizierten Indexfonds auf die brasilianische Börse ins Depot gelegt haben, konnten bei einem Kursgewinn von inzwischen knapp 39 Prozent - der Bovespa liegt am Mittwoch mit einem Tagesgewinn von 1,46 Prozent auf einen Punktestand von 62.615 Zähler nur knapp unter dem vor wenigen Tagen erreichten Allzeithoch aus dem Handel - und einem Aufwertungsgewinn von 19 Prozent überdurchschnittliche Renditen einfahren. Die Dividenden kämen als Zückerchen noch dazu.

Mit Kursgewinnen von bis zu 100 Prozent konnten Einzelwerte wie die Aktie des Stahlunternehmens Companhia Siderurgica Nacional oder des Minenunternehmens Companhia Vale do Rio Doce (CVRD) den Index weit hinter sich lassen. Weitere Kursgewinne sind aufgrund des anhaltenden Aufwärtstrends des Marktes zumindest in einem robusten weltwirtschaftlichen Klima wahrscheinlich, da die Aktien im Durchschnitt trotz der deutlichen Kursgewinne in den vergangenen Jahren mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von etwas 15 noch vernünftig bewertet sind.

Allerdings gibt es Zeichen, auf die die Anleger inzwischen wohl achten sollten. Immerhin entwickelt sich die amerikanische Konjunktur relativ schwach. Das dürfte sich früher oder später in Form einer nachlassenden Nachfrage bemerkbar machen. Vor allem auch bei den südamerikanischen Staaten, die ausgeprägte Wirtschaftsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten unterhalten. Der Internationale Währungsfonds geht nach den am Mittwoch vorgelegten jüngsten Schätzung von einem abflauenden Wirtschaftswachstum bei zunehmenden inflationären Risiken weltweit aus.

Brasilianische Zentralbank sieht „inflationäre Risiken“

Auf dieser Basis dürfte man jene Regionen kritisch betrachten müssen, die in den vergangenen Monaten und Jahren von der deutlich zunehmenden Nachfrage nach Bodenschätzen und agrarischen Rohstoffen profitieren konnten. Dazu zählt auch Brasilien. Diese Entwicklung hat die Finanzposition des Landes im Vergleich mit der Krise noch vor wenigen Jahren deutlich verbessert. Sie zeigt sich in Form von Leistungsbilanzüberschüssen und dem massiven Zustrom an Kapital aus dem Ausland. Er hat zusammen mit der vom Export induzierten Nachfrage den Real deutlich aufwerten lassen.

Die Aufwertung wiederum hat dazu beigetragen, die Inflationsentwicklung du dämpfen. Auf dieser Basis sah sich die Zentralbank bis vor kurzem noch in der Lage, den Leitzins zu senken, was die Zinsdifferenz mit den Ausland weiter reduzieren und gleichzeitig die Wirtschaft zusätzlich stimulieren kann. Allerdings scheint sich dieses Bild etwas einzutrüben. Denn bei der jüngsten Zinsentscheidung sah die Zentralbank deutliche inflationäre Gefahren aufgrund der Binnennachfrage, die auf eine Zinspause schließen lassen können.

Auch ansonsten ist nicht alles Gold was glänzt. So ist Brasilien nach Angaben des IWF beispielsweise in den Bereichen Textilien, Kleidung und Schuhen protektionistisch geworden. Gleichzeitig versucht das Land durch administrative Maßnahmen, die Inflationsentwicklung zu bremsen. Solche Strategien sind mittel- und langfristig bedenklich, da sie in der Regel zu Markverzerrungen führen.

Ähnlich wie in Deutschland nutzt die Regierung nicht die Gunst des Wachstums, um schon seit Jahren überfällige Reformen - Effizienzsteigerungen im Öffentlichen Dienst, Bekämpfung der ungleichen Einkommensverteilung und nicht zuletzt Verbesserung der Infrastruktur und mehr fiskalpolitische Verantwortung - durchzuführen. Aus diesen Gründen bleibt das Land nicht nur unter dem möglichen Wachstumspotential deutlich zurück, sondern sollten die für die rohstoffreichen Staaten vorteilhaften Bedingungen sich verflüchtigen, könnte das Land möglicherweise wieder in seinen alten Trott zurückfallen.

Insgesamt bieten die brasilianischen Märkte den Anlegern zwar immer noch gewisse Reize. Allerdings sind sie schon weit gelaufen und die Risiken für eine Korrektur nehmen immer weiter zu. Das dürfte auch für die Währung gelten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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