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Devisenmarkt Blairs schwacher Sieg ist eine Hypothek für das Pfund

06.05.2005 ·  Tony Blair hat die Wahlen gewonnen - aber seine Mehrheit ist deutlich weniger komfortabel geworden. Dies sorgt an den Devisenmärkten nicht für mehr Sicherheit.

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„Die Leute benutzen das Wahlergebnis als Entschuldigung, um Pfund zu verkaufen“, bringt es Jesper Dannesboe, Währungsstratege von Credit Suisse First Boston, auf den Punkt. Denn die Signale rund um die britische Währung lassen derzeit an Eindeutigkeit vermissen. Das schwächere Wahlergebnis von Tony Blairs Labour-Partei sorgt ebenfalls nicht für mehr Klarheit.

Bislang glänzte die britische Wirtschaft gegenüber der Eurozone stets mit einem erheblich höheren und stabileren Wachstum. Doch das könnte unter Umständen nachlassen. Im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft mit 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies war die schwächste Wachstumsrate seit dem 2003. Insbesondere die Dienstleistungsbranche, die drei Viertel der Wirtschaftsleistung des Inselreiches erbringt, hat sich das Tenpo verlangsamt. Im April ging dann auch der Index des Produzierenden Gewerbes um zwei Punkte zurück. Immer mehr Einzelhändler klagen über sinkende Umsätze. Und auch die Immobilienpreise stiegen im April weit weniger stark als zuvor.

Ballast für die Wirtschaftspolitik

Diese Vorzeichen erzeugten eine gewisse Skepsis, die durch das schwächere Wahlergebnis neue Nahrung erhält. Zweifel werden laut, daß die neue Blair-Administration wird ihre Wirtschaftspolitik in jedem Fall in die Tat umsetzen können wird. Insbesondere Palastrevolten wie zuletzt 2004 bei der Einführung der Studiengebühren, kann sich Ton Blair nicht mehr wirklich leisten. Das könnte die beabsichtigte Reform des Rentensystems oder die geplanten Sparmaßnahmen im öffentlichen Dienst deutlich erschweren.

Dabei hat auch das Königreich diese nötig. Mit einem Budgetdefizit von 3,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts liegt dieses bereits über dem drei Prozent, die im Stabilitätspakt vereinbart wurden. Auch wenn Großbritannien nicht zur Euro-Zone gehört - als Mitglied der EU wird es daran gemessen. So mahnte der Internationale Währungsfonds (IWF) im vergangenen Monat an, daß die Haushaltskonsolidierung beschleunigt werden oder die Kreditaufnahme zurückgefahren werden müsse. Um Aufgaben wie die Modernisierung des maroden Gesundheitssystems anzugehen, könnte Labour gezwungen sein zum Mittel der Steuererhöhung zu greifen. Das könnte die Konjunktur weiter belasten.

Die Schwäche der Anderen stärkt

Für das Pfund sprechen aber zwei Dinge. Zum einen stehen die Länder der Eurozone wirtschaftlich keinesfalls besser da. Zum anderen spricht die Leitzinsdifferenz von 4,75 Prozent auf der Insel und 2 Prozent in der Eurozone. Aktuell werden keine Zinssenkungen auf der Insel erwartet. Charttechnisch zeigt der Weg kurzfristig weiter nach oben. Allerdings schient der Trendkanal, in dem sich das Pfund derzeit befindet auszulaufen. Das könnte für eine bevorstehende Wende sprechen. Die Märkte zeigen sich entsprechend verunsichert. Gab das Pfund am Freitag zunächst nach, griffen die Investoren am Nachmittag wieder verstärkt zum Sterling. Derzeit scheint also eine Wette auf das Pfund weiter möglich zu sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @hma
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