23.09.2008 · Der Dollar hat in den vergangenen Tagen gegen den Euro nachgegeben. Allerdings scheint es denkbar zu sein, dass er nach der Aufregung über die amerikanischen „Rettungsmaßnahmen“ zulegt. Immerhin muss der hohe Kapitalbedarf gedeckt werden.
Die Finanzmärkte sind nervös. Das zeigt sich weniger an den verschiedenen Volatilitätsindizes, die sich nach einem starken Auftrieb wieder etwas zurückgebildet haben.
Es wird jedoch deutlich an der kurzen Halbwertszeit, die im gegenwärtigen Umfeld Kursprognosen haben. Kaum sind sie auf dem Markt, so sind sie unter Umständen schon überholt.
Kurzfristige Renaissance des Risikoappetits und der damit verbundenen Strategien
Das zeigt sich auch am Beispiel des amerikanischen Dollars. Sah es noch Mitte der vergangenen Woche so aus, als ob die internationalen Anleger ihre riskanten Anlagen immer weiter reduzierten, so schien sich dieser Trend mit den Verstaatlichungsaktionen in den Vereinigten Staaten, den restriktiven Markteingriffen weltweit und vor allem auch mit der Ankündigung der „Mutter aller Rettungsaktionen“ wieder geändert zu haben.
Denn diese Kombination führte wenigstens kurzfristig zu einer gewaltigen Rally an den Börsen und zur kurzfristigen Renaissance riskanter Anlagestrategien weltweit. Am Devisenmarkt konnten Währungen wie der polnische Zloty, die tschechische Krone, der Neuseeland- und der australische Dollar sowie das britische Pfund und der Euro gegen den amerikanischen Dollar innerhalb von knapp zwei Wochen zwischen fünf und acht Prozent aufwerten.
Denn erstens ebbten die offensichtlichen Repatriierungsbemühungen der amerikanischen Anleger ab. Zweitens führte die Dimension der geplanten amerikanischen Rettungsaktion zu zunehmenden Misstrauen in die amerikanische Wirtschafts- und Finanzpolitik. Offiziell wurde zwar ein Finanzrahmen von 700 Milliarden Dollar in den Raum gestellt. Summiert man jedoch aus den einzelnen Schritten der vergangenen Wochen resultierenden Gesamtverbindlichkeiten zusammen, so kommt man rasch auf eine Summe von 1,8 Billionen Dollar.
Rasch steigende Defizite in den Vereinigten Staaten ...
700 Milliarden, um mit dem Kauf von verbrieften Hypotheken die Bilanzen der Finanzunternehmen und gleichzeitig den Häusermarkt in den Vereinigten Staaten zu stabilisieren. 50 Milliarden Dollar, um die Geldmarktfonds zu garantieren. 85 Milliarden Dollar, um den angeschlagenen Versicherer AIG zu retten. 87 Milliarden Dollar, um die Verluste der Lehmanpleite von JPMorgan Chase zu kompensieren. 344 Milliarden Dollar an Fannie und Freddie, sowie 300 Milliarden Dollar an die Federal Housing Administration, um den Hypothekenmarkt zu stabilisieren. Et cetera. Solche Maßnahmen, so sehr sich ihre Wirkung auch anzweifeln lassen mag, dürften das Defizit der Vereinigten Staaten im kommenden Jahr auf bis zu zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen lassen.
Abgesehen von der rasant zunehmenden Verschuldung sprechen weder die schwachen Konjunkturdaten des Landes noch die qualitativ immer schlechter werdende Bilanz der amerikanischen Zentralbank für den Dollar. Tatsächlich hat das Land tendenziell Schwierigkeiten, seinen Kapitalbedarf zu decken. Diese Entwicklung dürfte sich sogar noch verstärken, sollten die Vereinigten Staaten die „Rettungsmaßnahmen“ mit der Ausgabe von Staatsanleihen finanzieren wollen. Möglicherweise müssen die Renditen steigen, um ausländische Interessenten anzulocken.
... schwächelde Wirtschaft in Europa
Auf der anderen Seite sehen die Perspektiven in Europa ebenfalls wenig prickelnd aus. „Die Stimmung in der Industrie ist schlechter als angenommen“, hieß es am Dienstag im Handel mit Blick auf die schwach ausgefallenen Einkaufsmanagerindizes und die am Mittwoch veröffentlichten Ifo-Indizes.
Diese Kombination kann zusammen mit der Unterbewertung und der möglicherweise aufkommenden Spekulation auf den Erfolg der amerikanischen Krisenmaßnahmen dazu führen, dass sich der Dollar mittelfristig wieder fangen wird. Staatliche Maßnahmen dieser Art seien nicht nur nicht negativ für eine Währung, sondern sie markierten nach einer Bankenkrise nicht selten ihr Tief.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |