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Freitag, 17. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Devisenmarkt Bernanke sagt nichts und der Euro fällt

15.02.2006 ·  Die Kapitalzuflüsse geben schlechte Zeichen für den Dollar. Doch offenbar ist das Sentiment für Amerika so gut, daß Bernanke nichts sagen muß, um diese Wirkung zu neutralisieren. So geschehen am Mittwoch.

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Daß der Mittwoch für den Euro kein Tag wie jeder andere werden würde, hatten viele Anleger ja bereits erwartet. Schließlich stand für den Nachmittag der Halbjahresbericht zur Wirtschaftslage der amerikanischen Notenbank vor dem Ausschuß für Finanzdienstleistungen des Repräsentantenhauses an.

Das Entscheidende: Es war der erste Auftritt von von Ben Bernanke, dem Nachfolger von Alan Greenspan, der 19 Jahre lang die Geschicke des Instituts gelenkt und die Finanzwelt zittern gemacht hatte.

Nettokapitalzuflüsse pro Euro...

Im Vorfeld konnte sich der Euro sogar über Nacht die Marke von 1,1900 Dollar zurückerobern. Dabei kam ihm die Tatsache zugute, daß sich die meisten Marktteilnehmer im Vorfeld marktneutral positioniert hatten, um nicht kalt erwischt zu werden.

Um so kälter erwischte es dann am Mittwoch nachmittag den Euro. Unmittelbar vor der Rede legte die europäische Gemeinschaftswährung leicht zu, nachdem die amerikanischen Nettokapitalzuflüsse unerwartet deutlich zurückgegangen waren und Sorgen über die Finanzierbarkeit des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits die Anleger in die eine Richtung und den Euro bis auf 1,1949 Dollar trieben.

Doch dann kam Bernanke. Und eigentlich enttäuschte er. Denn, so Händler, eigentlich habe er „wie zuvor auch so erwartet“ nicht viel Neues gesagt und die Linie der Fed der vergangenen Monate fortgesetzt. „Bernanke hat bei seiner ersten großen Rede keine Überraschungen geliefert“, sagt auch Stephan Beilke von der Bremer Landesbank.

... und Bernanke wirkt mit Nichts dagegen

Dennoch geriet der Markt in helle Aufregung und der Euro plumpste sofort unter 1,887 Dollar und schließlich auf 1,1871 Dollar, bevor er mit 1,188 aus dem Handel ging. „Eigentlich ist nichts passiert“ kommentierte ein Händler das Ergebnis der zeitweise erhöhten Volatilität am Devisenmarkt. Der Markt habe sich „ein wenig selbst kaputt gemacht“ mit seinen verschiedenen Interpretationsversuchen zur Bernanke-Rede.

Der Markt sei insgesamt aber sehr nervös, sagte Beilke. „Schon ein kleiner Euro-Höhenflug wird für massive Euro-Verkäufe genutzt.“ Bernanke schloß vor dem Kongreß weitere Zinserhöhungen nicht aus. Dies könne wegen der Inflationsrisiken notwendig sein. Gefahren für die Preisstabilität gingen vor allem von der robusten Wirtschaftsbelebung und hohen Energiepreisen aus.

Eine Bedrohung für das Wachstum könne auch von einem deutlichen Rückgang der Immobilienpreise ausgehen. Er rechne aber nur mit einer moderaten Korrektur. Die Konjunkturerholung sei trotz des enttäuschenden Wachstums zum Jahresende intakt. Vielleicht reicht ja so eine Aussage, um die Devisenmärkte alle Bilanzungleichgewichte vergessen zu machen.

Devisenanalyst Ralf Umlauf von Helaba Trust rechnet nun mit ein oder zwei Zinserhöhungen in den Vereinigten Staaten, die aber in den Kursen schon enthalten seien. Wie wenig Bernanke lieferte, zeigt das Statement von Credit Suisse-Analyst Jason Bonanca: Bernanke habe etwas weniger deutlich als erwartet steigende Zinsen angedeutet.

Kurz und gut: Nichts Neues aus Amerika, nichts Neues von der Fed und nichts Neues von Euro und Dollar - der Mittwoch war wohl doch ein Tag wie jeder andere...

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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