15.10.2004 · Der traditionell volatile Forint bewegte sich zuletzt in einem ruhigeren Fahrwasser und hat dabei in diesem Jahr tendenziell aufgewertet. Doch die Rahmendaten für demnächst wieder heftigere Ausschläge sind vorhanden.
Der ungarische Forint ist traditionell ein unsicherer Kantonist. Diese These läßt sich alleine anhand des Verweises auf den langfristigen Kursverlauf belegen (siehe Chart unten). In den vergangenen Monaten ist es um den Forint zwar etwas ruhiger geworden, und der momentan für einen Euro bei 247,65 Forint gehandelten Notiz ist es gelungen, auf einen relativ stetigen Aufwärtstrend einzuschwenken. Doch schon bald könnte es wieder volatiler werden. Die Rahmendaten dazu sind jedenfalls vorhanden.
Ein wichtiges Datum bei der Beantwortung der Frage, wie es vermutlich mit dem Forint weitergeht, ist schon der kommende Montag. Da berät die ungarische Notenbank über ihre Zinspolitik, wobei im Markt momentan mehrheitlich von einer Zinssenkung von 50 Basispunkten auf 10,50 Prozent ausgegangen wird.
Bei einem solchen Schritt wäre der Zinsvorsprung gegenüber Euro-Anleihen zwar noch immer groß, aber was am Devisenmarkt zählt, ist der Trend, und der deutet nach vier zuletzt beschlossenen Zinssenkungen nach unten. Gut möglich also, daß der Forint auch einen solchen Beschluß mit kleineren Verlusten reagieren wird.
Kompetenzstreit zwischen Notenbank und Regierung potenzieller Belastungsfaktor
Als noch wichtigere Belastung könnte sich aber der sichtbar gewordene Streit um die Kompetenzverteilung zwischen der Notenbank und der Regierung erweisen. Erst in dieser Woche hat der kürzlich gewählte Premierminister Ferenc Gyurcsany die Zinspolitik massiv kritisiert und einen größeren Einfluß bei der Bestimmung der Mitglieder des Notenbankgremiums verlangt. Sollten hier in den nächsten Wochen Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank geschürt werden, könnte dies negativ auf den Forint zurückschlagen. Zumindest warnt Marios Maratheftis, Devisenstratege bei Morgan Stanley: „Sollte der Konflikt nicht bald beendet werden, wird sich der Forint abschwächen.“
Der Forint muß ohnehin schon einige negative volkswirtschaftliche Rahmendaten verkraften. Dazu zählt neben einem Leistungsbilanzdefizit vor allem eine hohe Staatsverschuldung. So mußte die Regierung erst kürzlich ihre Schätzung für das Haushaltsdefizit in diesem Jahr von 4,6 Prozent auf 5,3 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt erhöhen. Vom Erfüllen der für die Einführung des Euros entscheidenden Maastricht-Kritieren ist Ungarn somit momentan weit entfernt und es erscheint unklar, wer vor den Wahlen im Jahr 2006 die Weichen für eine solidere Haushaltspolitik stellen soll.
Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit mahnen zur Vorsicht
Akute Gefahr scheint davon momentan zwar noch nicht auszugehen. Zumindest suggeriert dies die Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor´s, die erst am Dienstag die Bonitätsbewertungen für Ungarn bestätigt. Demnach werden langlaufende ungarische Staatstitel in Fremdwährung weiter mit “A-“ geratet, kurzlaufende Papiere mit “A-2“, was soliden Noten bedeutet. Aber die Stimmung am Devisenmarkt kann bekanntlich manchmal schnell umschlagen und gerade der Forint kann von den Stimmungsschwankungen der Marktteilnehmer ein Lied singen.
Spricht man mit Osteuropa-Experten finden sich im übrigen schon jetzt etliche Akteure, die sich wegen der Sorge vor einem wieder fallenden Forint mit Engagements am ungarischen Aktienmarkt zurückhalten. Dazu zählen unter anderem die Fondsmanager des Trigon Central and Eastern European Fund. In ihren Anlageüberlegungen haben sie eine jederzeit denkbare kurzfristige Abwertung des Forint um zehn bis zwanzig Prozent einkalkuliert. Zur Begründung verweisen sie auch das wachsende Leistungsbilanzdefizit, das ihrer Meinung nach in diesem Jahr neun Prozent vom Bruttoinlandsprodukt erreichen kann. Und das ist in der Tat kein sehr beruhigender Wert.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |