04.01.2010 · Analysten trauen dem Euro in diesem Jahr Kursgewinne zu. Im Durchschnitt wird von den befragten Fachleuten eine Aufwertung des Euro zum Dollar um 3 und zum Yen um 8 Prozent prognostiziert.
Von Hanno Mußler und Kerstin PaponDer Euro wird zum Dollar weiter aufwerten. Nach einer Umfrage dieser Zeitung unter 25 Banken und Wertpapierhäusern trauen deren Analysten der europäischen Gemeinschaftswährung im Durchschnitt bis zur Jahresmitte 2010 einen Kursanstieg auf 1,49 Dollar je Euro zu. Zum Jahresende 2010 sollte der Wechselkurs dann auf rund 1,47 Dollar je Euro liegen. Nach einem Wertzuwachs in Dollar von 2,7 Prozent im Jahr 2009 kostet ein Euro derzeit 1,44 Dollar. Träfen die Prognosen der Analysten zu, würde der Euro zum Dollar im Jahr 2010 in ähnlichem Ausmaß aufwerten wie schon 2009.
Behalten die Devisenfachleute recht, dann ist es für Euro-Anleger wenig attraktiv, amerikanische oder gar japanische Aktien oder Anleihen zu kaufen. Zumindest müssen sie bei ihren Renditeerwartungen das Risiko berücksichtigen, dass die ausländische Währung an Wert verliert.
Breiter Korridor bei den Prognosen
Allerdings liegt die Bandbreite der Wechselkursprognosen weit auseinander. Es gibt deutsche Häuser wie die Helaba und die Weberbank, die als Minderheit mit einer Abwertung des Euro auf Kurse von 1,40 oder gar 1,30 Dollar je Euro zur Jahresmitte rechnen. Amerikanische Finanzhäuser wie die Citigroup und JP Morgan sowie die Schweizer Bank Union Bancaire Privée dagegen erwarten zur Jahresmitte für den Euro Kurse von mehr als 1,60 Dollar. Der bisherige Rekordkurs von 1,6038 Dollar je Euro stammt aus dem Sommer 2008.
Als Hauptgrund für einen schwächeren Euro wird oft die Angst vor einem Staatsbankrott etwa von Griechenland genannt. Als Argument für die Prognose in Richtung auf das Rekordtief 1,60 wird dagegen von den Euro-Optimisten oft das Überangebot an amerikanischen Dollar-Staatsanleihen angeführt. Allerdings hat der Dollar im Dezember nach Ansicht mancher Beobachter die Trendwende hin zu einer kommenden Aufwertung geschafft. Gemessen an einem Korb der wichtigsten Währungen wie Euro, Pfund, Schweizer Franken und Yen, gewann der Dollar im Dezember 4 Prozent an Wert, nachdem er im Jahresverlauf 2009 bis dahin gegen diesen Korb 11 Prozent verloren hatte. Den letzten Wertzuwachs in einem Monat - gemessen am Korb der Hauptwährungen - hatte es für den Dollar im Juli gegeben.
Dem Yen wird eine ausgeprägte Schwäche prognostiziert
Beflügelt haben den Dollar im letzten Monat des Jahres 2009 die Bonitätsschwierigkeiten einiger Euro-Länder wie Griechenland sowie der sich abzeichnende überraschend robuste Wirtschaftsaufschwung in den Vereinigten Staaten. Im Durchschnitt erwarten die Analysten, dass die amerikanische Wirtschaft 2010 um 2,5 Prozent wächst. Dem Euro-Raum wird nur die Hälfte dieses Wachstums zugetraut. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die dem Dollar eine kräftige Aufwertung auf Kurse von 1,30 Dollar je Euro voraussagt, argumentiert mit einer besser als erwartet laufenden Konjunktur in Amerika, so dass die Leitzinsen dort eher früher denn später angehoben werden. Während die Mehrheit der Marktteilnehmer derzeit, gemessen an den Anleihekursen am Terminmarkt, mit einer ersten Zinserhöhung im August rechnen, erwartet die Helaba die erste Leitzinssenkung durch die amerikanische Notenbank schon im zweiten Quartal.
Dass zumindest die allgemeine Dollar-Schwäche vorbei sein könnte, zeigen die Prognosen der Analysten für den japanischen Yen. Ihm wird eine ausgeprägte Schwäche für das Jahr 2010 prognostiziert. Die Schweizer Großbank UBS und die französische BNP Paribas halten eine Wette auf den Dollar gegen den Yen für eine der aussichtsreichsten Anlageideen für 2010. Die Idee dahinter: In Amerika endet früher oder später die gewaltige Aufblähung der Dollar-Geldmenge, verursacht von hohem Staatsdefizit und niedrigen Leitzinsen. In Japan dagegen hat die Notenbank vor kurzem den Kampf gegen eine aus ihrer Sicht plötzlich wieder drohende Preisabwärtsspirale forciert und zur Verhinderung von Kreditklemme und Deflation den Banken umgerechnet 75 Milliarden Euro Liquidität zum Zinssatz von 0,1 Prozent in Aussicht gestellt.
Viel hängt aber wieder von den Carry Trades ab
Falls die Zinsen in Amerika und im Euro-Raum wie von der Fachwelt erwartet bis zum Jahresende 2010 um 0,75 Prozentpunkte und 0,5 Prozentpunkte steigen, würden die weiter niedrigen Leitzinsen in Japan die Rolle des Yen als bevorzugte Verschuldungswährung von Hedge-Fonds aufleben lassen. In den vergangenen Monaten galt der Dollar wegen der extrem niedrigen Zinsen in Amerika als Hauptwährung für die sogenannten Carry Trades, mit denen sich Anleger in einer zinsgünstigen Währung verschulden und das Geld in eine Währung mit höheren Renditen umtauschen. Damit könnte der Dollar seine Schwäche an den Yen weitergeben. Diese Ansicht zeigt sich auch an den Prognosen vom Yen-Kurs zum Euro, den Analysten nach der Umfrage dieser Zeitung von derzeit 133 Yen je Euro auf mehr als 140 Yen je Euro in diesem Jahr abwerten sehen. Das wäre nach einer Abwertung im Jahr 2009 um 5 Prozent ein weiterer Verlust für den Yen in Euro von 8 Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |