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Devisenmarkt Baltikum spielt Vorreiterrolle bei der Euro-Einführung

16.04.2004 ·  Nach der EU-Aufnahme steht für die Beitrittsländer als nächstes die Euro-Einführung an. In einer Studie erläutert HSBC Trinkaus, warum die großen Länder mit dieser Aufgabe zu kämpfen haben und das Baltikum ganz gut dasteht.

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Am 1. Mai stoßen zehn neue Länder zur Europäischen Union hinzu. EInes der damit verbundenen Ziele ist die Einführung des Euro. Doch bis es soweit ist, dürfte noch einige Zeit vergehen. Zuvor haben die meisten dieser Länder noch etliche Hausaufgaben zu erledigen.

In einer Studie (aus der wir nachfolgend auszugsweise berichten) haben sich die Analysten bei HSBC Trinkaus mit der jeweiligen Ausgangslage der Kandidaten beschäftigt und sich Gedanken über mögliche Fahrpläne bei der Euro-Einführung gemacht. Dabei überrascht es nicht, daß man bei diesem Prozeß die einzelnen Beitrittsländer nicht zuletzt angesichts vielfältiger Wechselkursregime, mit ganz unterschiedlichen Problemen konfrontiert sieht und man vor allem nicht mit identischen Beitrittsterminen rechnet.

Alle EU-Neulinge stehen dabei vor der Aufgabe, sich für eine Euro-Einführung über die Erfüllung der Maastrichter Konvergenzkriterien qualifizieren zu müssen. Neben den bekannten volkswirtschaftlichen Anforderungen gehört dazu eine zweijährige störungsfreie Mitgliedschaft im Wechselkurssystem WKM II. Dabei soll die Wechselkursstabilität dadurch dokumentiert werden, daß die vereinbarte Bandbreite um einen festgelegten Leitkurs zum Euro nicht verletzt wird. Im Regelfall beträgt die Bandbreite plus/minus 15 Prozent um den im Konsens mit der Europäischen Zentralbank (EZB) zu vereinbarenden Paritätskurs zum Euro. Im Verlauf der Mitgliedschaft im WKM II darf dann keine nominale Abwertung des Paritätskurses mehr vorgenommen werden, um das Wechselkurskriterium zu erfüllen.

Die Baltikum-Staaten haben die Nase vorne

Während sich viele der neuen Mitgliedsstaaten nach dem Beitritt zur EU so schnell wie möglich am WKM II beteiligen wollen, stellt sich aus ökonomischer Sicht die Frage des optimalen Zeitpunkts für einen solchen Schritt. Vor allem die baltischen Staaten Estland, Lettland (Lettland wird ab 2005 seine bisherige Währungsorientierung auf den Euro umstellen) und Litauen wollen den Euro möglichst schnell einführen. Alle drei Republiken haben nach Angaben der europäischen Kommission in 2003 die Maastricht-Kriterien für Inflation, Staatsverschuldung, Haushaltsdefizit und langfristige Zinsen erfüllt.

Ebenso wie in Zypern und Slowenien sollte die Einführung des Euro aufgrund der erreichten realen und nominalen Konvergenz keine größeren Probleme bereiten. Nach Ablauf der vorgeschriebenen zweijährigen Mitgliedschaft im WKM II könnte der Euro daher bereits bis Ende 2007/Anfang 2008 in fünf weiteren Ländern alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel sein (siehe unten angehängte Grafik).

Anders gestaltet sich die Situation in den von Bevölkerung und Wirtschaftskraft her wichtigsten vier Beitrittsländern Polen, Ungarn, der Slowakischen und der Tschechischen Republik. Dabei verfolgten Polen, Ungarn und die Slowakische Republik bisher das sehr ambitionierte Ziel, den Euro bis spätestens 2008 einführen zu wollen. Die jüngsten Äußerungen aus den Reihen der jeweiligen Regierungen und Nationalbanken lassen aber darauf schließen, daß hier ein Umdenken stattfindet.

Ähnlich wie in der Tschechischen Republik soll nun zunächst die Konsolidierung der Staatsfinanzen im Mittelpunkt stehen, bevor über die Einführung des Euro diskutiert wird. Dies entspricht auch der Vorstellungen der EZB, daß eine Teilnahme am WKM II für Länder mit großen strukturellen Problemen erst bei einem höheren Konvergenzgrad anzustreben ist.

Polen und Ungarn kämpfen ebenso noch mit hohen Haushaltsdefiziten...

In Polen wird die heimische Währung seit April 2000 völlig flexibel gehandelt. Die Erfüllung der Maastricht-Kriterien wird vor dem Hintergrund des hohen Haushaltsdefizits aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Um die Glaubwürdigkeit von Geld- und Fiskalpolitik nicht zu gefährden und sich Anpassungsmöglichkeiten im Hinblick auf exogene Schocks zu erhalten, wird Polen vorerst noch eine gewisse Flexibilität seines Währungssystems benötigen. HSBC Trinkaus geht daher davon aus, daß Polen dem WKM II nicht vor 2007 beitreten wird. Folglich dürfte der Euro frühestens in 2009 zum alleinigen gesetzlichen Zahlungsmittel werden. Die polnische Regierung hält derzeit einen Wechselkurs zum Euro von rund 4,50 PLN (Zloty) für angemessen. HSBC Trinkaus sieht die kräftige Abwertung des Zloty in den vergangenen Monaten bei der erwarteten Wachstumsbeschleunigung als übertrieben an und erwarten eine Stabilisierung.

Was Ungarn angeht, so war der Forint zuletzt heftigen Schwankungen ausgesetzt, wobei er neuerdings wieder Stärke zeigt. Geht es nach den Analysten von HSBC Trinkaus, dann dürfte das attraktive Zinsniveau dafür sorgen, daß sich der Forint zum Euro bis Jahresende stabil zeigt. Risiken resultieren allerdings aus dem hohen Haushaltsdefizit, das zudem einer schnellen Übernahme des Euro als Gemeinschaftswährung im Wege steht. Die ungarische Regierung hat von ihrem ursprünglichen Ziel, den Euro zum 1. Januar 2008 einzuführen, zuletzt Abstand genommen. Offiziell soll Ende April über den weiteren Fahrplan entschieden werden. Die Rückführung des Haushaltsdefizits wird wohl noch einige Zeit benötigen und allgemein wird die Erfüllung der europäischen Vorgaben und die Annäherung der nominalen Konvergenz zunehmend schwieriger. Die Einführung des Euro wird daher noch etwas länger auf sich warten lassen und später erfolgen, als bisher von der Regierung angestrebt. HSBC Trinkaus betrachtet als Zieldatum frühestens das Jahr 2009 als realistisch.

... wie Tschechien, Malta und die Slowakei

In Tschechien hat die Regierung bisher noch keinen konkreten Rahmenplan für den weiteren Weg nach dem Beitritt zur EU vorgestellt, dürfte aber eine Euro-Einführung im Jahr 2010 anvisieren. Das Haushaltsdefizit stellt auch in der Tschechischen Republik das Hauptproblem bei der Erfüllung der Maastrichter Kriterien dar. Zwar soll das Defizit im Verhältnis zum BIP nach den Vorstellungen der Regierung bis 2006 auf rund vier Prozent sinken. Aufgrund der vorhandenen strukturellen Probleme (Gesundheitsvorsorge, Arbeitslosenversicherung, Rente) scheint dies aber ein ambitioniertes Ziel. Erweist sich der Kurs der Regierung als tragfähig und wird eine Reduzierung des Staatsdefizits glaubwürdig angestrebt, sollte sich die Krone als flexibler Wechselkurs in den kommenden Monaten tendenziell freundlich zeigen. Eine Euro-Einführung erwarten wir in der Tschechischen Republik aber frühestens 2009/10.

Auch für die Slowakische Republik und Malta stellt das Defizitkriterium für den Staatshaushalt das größte Hindernis auf dem Weg zur Einführung des Euro dar. Da die Rückführung der Defizite noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte, rechnen wir hier nicht vor 2008/2009 mit der Übernahme der Gemeinschaftswährung, auch wenn vor allem in Malta offiziell noch das Jahr 2007 als möglicher „Euro-Termin“ angestrebt wird. In Bulgarien und vor allem in Rumänien ist in diesem Jahrzehnt nicht mehr mit der Einführung des Euro zu rechnen. Zwar wird für Bulgarien bereits die Einhaltung der politischen Kriterien als erfüllt angesehen. Die Erfüllung der wirtschaftlichen Kriterien wird aber auch hier noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

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