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Devisenmarkt Aufwertung des Yuan kann für Amerika nach hinten los gehen

10.05.2005 ·  Die Forderungen amerikanischer Politiker nach einer Aufwertung des Yuan werden immer lauter. Volkswirten zufolge birgt eine teurere chinesische Währung aber auch einige Risiken für Amerikas Wirtschaft.

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Von einigen Mitgliedern im amerikanischen Kongreß und der Regierung Bush kommen verstärkt Forderungen, China solle seine Währung aufwerten, ansonsten drohen Handelssanktionen. Solche Forderungen könnten für die amerikanische Wirtschaft jedoch nach hinten losgehen, warnen Analysten.

Seit 1995 hat China den Yuan zu einem Kurs von 8,3 an den Dollar gebunden. Zwar würde ein Anstieg des Yuan voraussichtlich zu höheren Exporten einiger amerikanischer Güter führen - aber die Kehrseite einer Aufwertung der chinesischen Währung dürften höhere Zinsen, schwächere Aussichten für Einstellungen und geringere Gewinne bei Unternehmen wie General Motors Corp., Wal-Mart Stores Inc. und Coca-Cola Co. sein.

Aufwertung des Yuan birgt auch Risiken

"Die Politiker spielen mit dem Feuer," sagt Ronald McKinnon, Ökonomie-Professor an der Standfort University in Stanford, Kalifornien. Sie risikieren damit, der amerikanischen Wirtschaft "den Ast abzusägen, auf dem sie sitzt", erläutert Nouriel Roubini, früher Berater des amerikanischen Finanzminister Rober Rubin.

Roubini und andere Volkswirte wie der Nobelpreisträger Paul Samuelson stimmen zu, daß chinesische Waren durch die Dollar-Anbindung einen ungerechten Vorteil erhalten. Dennoch warnen sie, daß eine Aufwertung mit negativen Folgen für die elf Billionen Dollar schwere Wirtschaft verbunden sei.

Wenn die chinesische Währung an Wert gewinnt, werden auf Unternehmen wie die Supermarktkette Wal-Mart, der PC-Hersteller Dell Corp. und andere Unternehmen, die Kleidung oder Komponenten made in China importieren, steigende Kosten zukommen. Wal-Mart hat im letzten Jahr für etwa 18 Milliarden Dollar Waren aus China importiert. Damit ist der weltgrößte Einzelhändler der achtgrößte Handelspartner des Reichs der Mitte, noch vor Großbritannien und Russland.

Amerikanische Verbraucher, auf die im vergangenen Jahr zwei Drittel vom amerikanischen Bruttoinlandsprodukt entfiel, profitieren vom Zustrom billiger Waren. Wenn die Importkosten steigen, treibt das die Inflation und das wiederum könnte zu höheren Zinsen führen. Die Fremdkapitalkosten dürften sich ebenfalls verteuern, wenn China weniger amerikanische Treasuries kauft, die bisher zur Stabilisierung des Yen-Kurses eingesetzt werden, sagen Anleihehändler.

Am amerikanischen Rentenmarkt drohen steigende Rendite

Nach den Schätzungen des amerikanischen Notenbankchef Alan Greenspan und Goldman Sachs Group Inc. sorgen ausländische Käufe von Treasuries für ein etwa 50 Basispunkte niedrigeres Renditeniveau. "Die chinesischen Käufe von amerikanischen Staatsanleihen bewirken, daß die Renditen niedriger sind als sie sonst wären," erläutert Mohamel El-Erian, Fondsmanger bei Pacific Investment Management Co. in Newport Beach, Kalifornien.

Für Unternehmen wie Coca-Cola, oder General Motors, die in China investiert haben, wird das Engagement voraussichtlich teurer. "Wenn der Yuan steigt, schmälert das den in China erwirtschafteten Gewinn von amerikanischen Unternehmen," erläutert Gary Hufbauer, leitender Mitarbeiter am Institute for International Economics in Washington. "Amerikanische Unternehmen mit Joint- Ventures oder einer Basis in China sind mit Sicherheit ganz glücklich mit dem Wechselkurs" so wie er ist. Ein Plus von 21 Prozent in China hat Coca-Cola im ersten Quartal weltweit zu einer Umsatzsteigerung von 3,7 Prozent auf 5,27 Milliarden Dollar verholfen.

Zwar stimmen Samuelson und Roubini den Kritikern der chinesischen Währungspolitik zu und halten eine Aufwertung für nötig. Aber sie betonen, daß das "Wie und Wenn" entscheidend sei. Sollte China einen Yuan-Anstieg zulassen, bevor die Amerikaner mit dem Abbau des Haushaltsdefizits von 412 Milliarden Dollar begonnen haben, dürfte die Rendite der zehnjährigen Benchmark-Anleihe um 200 Basispunkte nach oben schnellen, erwartet Roubini. Samuelson hält einen Run auf den Dollar für möglich.

Vorteile halten sich in Grenzen

Diesen Risiken stehen voraussichtlich nur minimale Vorzüge gegenüber. In einer Studie vom Januar kam Stephen King, Leiter weltweite Analyse bei HSBC Holdings Plc in London, zu dem Schluss, daß eine Aufwertung um 25 Prozent "kaum etwas bewirken würde", weil auf China weniger als zehn Prozent des gesamten amerikanischen Handels entfällt. "Es "wäre nur ein Tropfen auf einen heißen Stein," sagt Nobelpreisträger und Wirtschaftsprofessor Robert Mundell. Das Handelsministerium schrieb in diesem Jahr in einer vertraulichen Studie, eine Flexibilisierung des Yuan-Wechselkurses würde eher andere asiatische Länder als Amerika begünstigen.

Mit 1,3 Milliarden Kunden und Löhnen, die nur vier Prozent der Löhne in Amerika betragen, ist China ein sehr attraktives Land für Investitionen. Hingegen machen die amerikanische Branchen, die am ehesten unter den Importen leiden - Textilien und kleine Elektronikwaren - nur zwei Prozent der amerikanischen Wirtschaft aus. "Irgendwann wird China eine Flexibilisierung zulassen, aber das wird meiner Meinung nach keine großen Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft haben," prognositziert Jeffrey Immelt, Vorstandsvorsitzender von General Electric Co.

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