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Devisenmarkt Angekündigte Zinserhöhung treibt Pfund auf neue Höhen

08.08.2007 ·  Die Bank of England macht in ihrem jüngsten Inflationsbericht klar: Die Inflation ist nicht unter Kontrolle, die Zinsen werden weiter steigen. Allerdings könnte das nächste auch das vorläufig letzte Mal sein.

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Die Finanzmärkte kehren wieder allmählich, wenn auch mit einem unguten Gefühl, zur Tagesordnung zurück. Das bedeutet für die Devisenmärkte unter anderem, dass es vor allem die Zinsen sind, die die Wechselkursbewegungen bestimmen.

Das zeigt am Mittwoch auch einmal mehr das britische Pfund. Dieses hatte seine Aufwertungsbewegung gegenüber dem Dollar unterbrochen, die sie Mitte des vergangenen Monats auf den höchsten Stand gegenüber dem Greenback seit dem April 1981 geführt hatte und hatte zunächst spürbar abgewertet.

Pfund wertet deutlich auf

Doch schon am Dienstag war zu bemerken, dass die Devisenmärkte wieder in gewohnte Bahnen zurückkehren, als im Vorfeld des Inflationsberichts der Bank of England und angesichts niedrigerer Umsätze im Einzelhandel das Pfund weiter nachgab.

Wer da noch Zweifel hatte, wurde heute eines bessern belehrt. Hatte das Pfund am Morgen noch eine scharfe Abwertung verzeichnet, so fiel es nach Erscheinen des Inflationsberichts den Rest des Tages in seine gewohnte Aufwertungsbewegung zurück.

Denn mit dem Inflationsbericht stellte die Bank of England (BoE) eine weitere Zinserhöhung in Aussicht. Unter der Annahme, dass der Leitzins im nächsten Frühjahr ein weiteres Mal erhöht wird, sollte die Inflation bis Ende 2008 wieder auf den Zielwert der Notenbank fallen, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Quartalsbericht.

Inflationsziel frühestens 2009 erreicht

Allerdings sei die Unsicherheit über den Inflationsausblick größer als üblich, nicht zuletzt wegen der jüngsten Entwicklungen auf den Kreditmärkten. Banken-Volkswirte rechnen bereits bis Jahresende mit einem Zinsschritt auf 6,00 Prozent, einige sehen den Zinsgipfel damit aber noch immer nicht erreicht.

Die BoE erklärte, dass die Inflation bis zur Jahresmitte 2009 unter den Zielwert von zwei Prozent fallen sollte. Bei einem Szenario ohne Zinserhöhung wäre das Inflationsprofil etwas höher, ergänzte die Notenbank. Während die Zentralbank im Mai noch damit rechnete, dass das Inflationsziel 2008 erreicht wird, schob sie diesen Zeitpunkt jetzt rund ein Jahr nach hinten. Die Teuerung in Großbritannien lag in den vergangenen 14 Monaten jeweils über dem Inflationsziel der Zentralbank.

Im Vergleich zum Bericht im Mai wurden die Aussichten für das britische Wirtschaftswachstum allerdings als etwas schwächer beschrieben. Die Notenbank sehe „Anzeichen einer Abschwächung auf dem Häusermarkt“. Zudem hätten die regionalen Vertreter der Notenbank erklärt, dass der Anstieg des privaten Verbrauchs beginnen könnte, sich abzuschwächen.

Wachstum geht zurück

James Knightley von der niederländischen Bank ING merkte an, dass die BoE zuvor ein Wirtschaftswachstum von nahe drei Prozent prognostiziert hatte. Mittlerweile belaufe sich der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts mittelfristig aber eher auf 2,5 Prozent. Das langsamere Wachstum spiegele die bereits erfolgten Zinserhöhungen und die Stärke des Pfund Sterling wider, hieß es in dem BoE-Bericht. Wegen eines erhöhten Inflationsdrucks hat die BoE den Leitzins im Mai und Juli um jeweils 25 Basispunkte auf mittlerweile 5,75 Prozent angehoben.

Angesichts des im Vergleich zum vorherigen Inflationsbericht etwas nach unten korrigierten Wachstumsprofils der britischen Wirtschaft seien die Risiken hier nun ausgewogener, sagte Chiara Corsa, Volkswirt bei der italienischen UniCredit. Bei der Inflation seien die Risiken zwar nach wie vor nach oben gerichtet, sie erschienen aber besser eingedämmt als im Inflationsbericht vom Mai zum Ausdruck gekommen sei. Zwar habe die Notenbank von einem Zinsschritt im kommenden Frühjahr gesprochen, doch rechnet Corsa bereits im vierten Quartal 2007 mit einer Anhebung der Leitzinsen auf 6,00 Prozent. Damit sei dann auch der Zinsgipfel erreicht, sagte Corsa.

Maul- und Klauenseuche könnte Inflationsschub verursachen

Knightley erwartet hingegen noch zwei weitere Zinserhöhungen. Die erste werde die BoE im September vornehmen, die zweite auf dann 6,25 Prozent erfolge entweder im Dezember oder Januar, erklärte er. Dafür sprächen die Hinweise der BoE, dass die Unternehmen „oberhalb ihrer normalen Kapazitäten produzieren“ und die Welthandelspreise stiegen. Zudem sei auch die Preissetzungsmacht der Unternehmen größer geworden, hatte die BoE festgestellt.

Zudem sieht der Ökonom die Möglichkeit, dass der jüngste Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Großbritannien zu einem steigenden Preisdruck führen könnte. Im Jahr 2001, als die Seuche zuletzt grassierte, seien die Nahrungsmittelpreise deutlich gestiegen.

Auch die britische Notenbank gerät damit zunehmend unter Druck, ihre Zinserhöhungen einzustellen, obgleich die Inflation nicht unter Kontrolle ist. Indes zeigt sich damit, dass die Zinserhöhungen jetzt erst fühlbar werden, und die Notenbank somit endlich ans Ziel gelangt. Insofern könnte diese Zinserhöhung durchaus die letzte oder vorletzte des jüngsten Zyklus sein und Großbritannien damit in ein ähnliche Phase einschwenken, in der sich die Vereinigten Staaten schon länger befinden.

Einfluss der Zinsdifferenzen könnte mittelfristig schwächer werden

Damit dürften auch die Zinsdifferenzspekulationen als Motor der Devisenmärkte langsamer laufen und sich künftig volkswirtschaftliche Daten stärker in den Vordergrund drängen. Hier muss sich zeigen, wie gut die britische Wirtschaft die Dämpfung übersteht und ob Preis- oder Mengeneffekte überwiegen.

So stellen die steigenden Zinsen eine zunehmende Belastung für die britischen Hypothekennehmer auf dem überhitzten Immobilienmarkt dar. Nach einem Bericht des Verbands der Hypothekenbanken vom 3. August stieg die Anzahl der Zwangsvollstreckungen bei Eigenheimen im ersten Halbjahr auf den höchsten Stand seit 1999. Sollten sich die Zinserhöhungen gerade im Bereich des britischen Gegenstücks zu den amerikanischen Subprimes, den Non-Conforming Loans, zu vermehrten Ausfällen führen, dürfte dies am Pfund nicht spurlos vorübergehen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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