Home
http://www.faz.net/-gv6-7631n
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Devisenmärkte Das Ringen gegen den Währungskrieg

Nach dem jüngsten Kursverfall des Yen spricht man in Davos auch wieder über das Thema „Währungskrieg“. Doch vor allem, weil ihn niemand haben will.

© dpa Vergrößern Der Yen steht international im Blickpunkt

Eigentlich schwelt das Thema schon seit dem Beginn der Finanzkrise. Doch auf dem Weltwirtschaftsforum erfährt es nun abermals Aufmerksamkeit. Und immer wieder fällt der Begriff „Währungskrieg“.

Martin Hock Folgen:    

Nach Bundesbankpräsident Weidmann und dem renommierten Währungsinvestor George Soros warnte nun auch der stellvertretende Präsident der chinesischen Zentralbank Yi Gang davor. Die in der G20 zusammengeschlossenen Staaten müssten ihre Zusammenarbeit verbessern, wenn sie Währungskriege vermeiden wollten, sagte der Notenbanker der Finanznachrichtenagentur Bloomberg in einem Interview.

Mehr zum Thema

Japan unter Beschuss

Spätestens seit den jüngsten Wahlen in Japan ist China hier in einer besseren Position. Noch vor einigen Jahren galt das Land selbst als Hauptschuldiger an der internationalen Währungskonkurrenz und wurde vor allem von den Vereinigten Staaten beschuldigt, seine Währung künstlich unterbewertet zu halten, um sich Vorteile im Export zu verschaffen.

Infografik / Chart USDJPY 270113 © FAZFinance Vergrößern

Neu in der Schusslinie steht Japans neuer Premierminister Abe, der massiv auf die heimische Notenbank einwirkt, die Wirtschaft des Landes durch eine noch expansivere Notenbankpolitik zu reinflationieren und damit wieder zum Wachsen zu bringen. Das aber wiederum schmeckt den Amerikanern nicht, die mit einer Runde um Runde lockeren Geldpolitik ihre eigene Wirtschaft wieder zum Laufen bringen und die japanische Krankheit vermeiden wollen.

China entlastet

Unter diesen Umständen überraschen auch die moderateren Töne aus Washington gegenüber China nicht. Jüngst erst äußerte Lawrence Summers, einst Obamas wichtigster Wirtschaftsberater, der Yüan sei nicht länger so unterbewertet wie vor fünf Jahren. Tatsächlich hat die chinesische Währung seitdem um rund 17 Prozent gegenüber dem Dollar aufgewertet.

Gleichzeitig flaut das dynamische Wachstum ab. Steigende Lohnkosten schwächen Chinas Position als Werkbank der Welt. 25 Provinzen erhöhten im vergangenen Jahr die Mindestlöhne um mehr als 20 Prozent. Die Führung muss den im Export erworbenen Reichtum auf die Bevölkerung umverteilen.

China fürchtet „QE infinite“

Grund genug für Yi, nun aber auch einer weiteren Abwertung des Yüan eine Absage zu erteilen. Der Wechselkurs liege sehr nahe am Gleichgewichtskurs, sagt Yi am Rande des Weltwirtschaftsforums. Damit geht Yi etwas auf Distanz zu Amerika.

Grund ist Yis Sorge, dass China in ein Kreuzfeuer der Zentralbankkanonen geraten könnte. Diese könnten den Fluss spekulativer Gelder nach China wieder anheizen. Die Politik der quantitativen Lockerung sorge für Unsicherheit, so Yi. Lou Jiwei, Chef des chinesischen Staatsfonds spricht sogar schon von “QE infinite“ – einer unendlichen Fortsetzung der Politik des lockeren Geldes.

Japan schaut angeblich nicht auf den Wechselkurs

Japans Wirtschaftsminister Akira Amari dagegen dementiert, dass das Land überhaupt an einem schwächeren Yen interessiert sei. Man weiche nicht von internationalen Standards ab, sagte Amari am Samstag in Davos. Nachdem der Yen auf den niedrigsten Stand seit Juni 2010 gefallen ist, wird Japan vorgeworfen, gegen die Selbstverpflichtung der G20 zu verstoßen, keine Abwertungspolitik zu betreiben.

Man implementierte nur eine Politik zur Deflationsbekämpfung, den Wechselkurs bestimme der Markt, sagt nun Amari. Dass aber eine Lockerung der Geldpolitik in der Regel zu Lasten des Wechselkurses geht, weiß mit Sicherheit auch die japanische Regierung.

Höchstens ein Vorgeplänkel

Noch befindet sich der Währungskrieg aber allenfalls im Stadium des Vorgeplänkels, noch wird um Sichtweisen gestritten. Es ist eine Frage der Sichtweise. OECVD-Generalsekretär Angel Gurria äußerte jüngst, es gebe eine gewisse Legitimität, die eigen Währung gegen Aufwertungsspitzen zu verteidigen. Diesen Standpunkt lehnt hingegen der künftige Präsident der Bank of England, Mark Carney, ab.

Und noch werden Eingriffe zurück gedreht. Brasilien hatte 2009 den internationalen Kapitalverkehr verteuert, im vergangenen Jahr aber die Intervention gelockert, weil der Aufwertungsdruck nachließ. Auch die jüngste Baisse des Yen relativiert sich nach einem Blick auf den langfristigen Kursverlauf. In einem zehnjährigen Vergleich ist der Yen gegenüber dem Dollar immer noch hoch bewertet.

In Europa hatte die Schweiz ein Zeichen gesetzt, indem sie die Interessen ihrer Exporteure durch Eingriffe der Schweizerischen Nationalbank (SNB) verteidigte. Die SNB hielt die Abwertung des Euro gegenüber dem Franken beim Kurs von 1,20 Franken durch Stützungskäufe auf. Seit dem Verzicht der Europäischen Zentralbank auf eine weitere Senkung ihrer Leitzinsen hat der Euro auch gegenüber dem Franken aufgewertet.

Mehr Volatilität auch an den Devisenmärkten

Denn einen Währungskrieg will niemand haben. Denn als in den dreißiger Jahren ein Abwertungswettlauf ausbrach, war die Folge ein weitgehender Zusammenbruch der weltwirtschaftlichen Verflechtungen, von dem sich diese erst Ende der fünfziger Jahre vollständig erholte.

George Soros, erwartet in dieser Gemengelage eine erhöhte Schwankungsanfälligkeit der Devisenmärkte, nachdem in den vergangenen Jahren die Wechselkurse bemerkenswert stabil gewesen seien. Japan könne den Yen-Kurs nur in dem Ausmaß drücken, wie es die Vereinigten Staaten zuließen. Der Euro werde angesichts der deutschen Sparpolitik hingegen aufwerten.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Geldpolitik BIZ fürchtet politische Folgen des Niedrigzinses

Der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bereitet die Niedrigzinspolitik Sorgen. Derzeit erzeuge eine geldpolitische Lockerung die nächste. Die verbreitete Furcht vor einer Deflation hält sie für übertrieben Mehr Von Gerald Braunberger

18.03.2015, 12:00 Uhr | Wirtschaft
Weltwirtschaftsforum Spitzentreffen in Davos

In der schweizerischen Stadt Davos treffen sich die Topmanager und Regierungschefs zum Weltwirtschaftsforum. Der Geschäftsführer, Philipp Roesler, ist besorgt über Auswirkungen der Krise auf die Akzeptanz von Wachstum. Mehr

21.01.2015, 15:33 Uhr | Wirtschaft
Schwacher Euro Die Angst vor einer starken Währung

Viele Zentralbanken wollen ihre eigene Währung abwerten, um auf dem Weltmarkt einen Vorteil zu haben. Doch es gibt auch Verlierer, und das sind vor allem die Verbraucher. Mehr Von Gerald Braunberger

21.03.2015, 10:38 Uhr | Finanzen
Weltwirtschaftsforum in Davos Merkel: Politik muss Wachstumsimpulse setzen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Politik an ihre Verantwortung für das Wachstum in der Welt erinnert - Anlass war beim Weltwirtschaftsforum in Davos am Donnerstag die weitreichende geldpolitische Entscheidung der Europäischen Zentralbank. Mehr

22.01.2015, 16:43 Uhr | Wirtschaft
Asien Chinas Präsident will eine neue regionale Ordnung

Auf dem Wirtschaftsgipfel auf der chinesischen Insel Hainan wirbt Xi Jinping für eine neue Ordnung Asiens. Der Staatschef macht außerdem Werbung für die neue Entwicklungsbank AIIB, die als Konkurrent der Weltbank gilt. Und er hat damit Erfolg. Mehr

28.03.2015, 06:50 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 27.01.2013, 15:54 Uhr


Wichtige Wechselkurse
Name Kurs Änderung
  Dollar --  --
  Franken --  --
  Yen --  --
  Pfund --  --
  Dollar in Yen --  --
  Dollar in Pfund --  --
Wertpapiersuche
EUR USD JPY
EUR 1 -- -- --
USD -- 1 -- --
JPY -- -- 1 --
-- -- -- --
=

Wichtige Rohstoffe
Name Kurs Änderung
  Gold --  --
  Silber --  --
  Rohöl Brent --  --
  Rohöl WTI --  --