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Devisenmärkte : Das Ringen gegen den Währungskrieg

Der Yen steht international im Blickpunkt Bild: dpa

Nach dem jüngsten Kursverfall des Yen spricht man in Davos auch wieder über das Thema „Währungskrieg“. Doch vor allem, weil ihn niemand haben will.

          Eigentlich schwelt das Thema schon seit dem Beginn der Finanzkrise. Doch auf dem Weltwirtschaftsforum erfährt es nun abermals Aufmerksamkeit. Und immer wieder fällt der Begriff „Währungskrieg“.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach Bundesbankpräsident Weidmann und dem renommierten Währungsinvestor George Soros warnte nun auch der stellvertretende Präsident der chinesischen Zentralbank Yi Gang davor. Die in der G20 zusammengeschlossenen Staaten müssten ihre Zusammenarbeit verbessern, wenn sie Währungskriege vermeiden wollten, sagte der Notenbanker der Finanznachrichtenagentur Bloomberg in einem Interview.

          Japan unter Beschuss

          Spätestens seit den jüngsten Wahlen in Japan ist China hier in einer besseren Position. Noch vor einigen Jahren galt das Land selbst als Hauptschuldiger an der internationalen Währungskonkurrenz und wurde vor allem von den Vereinigten Staaten beschuldigt, seine Währung künstlich unterbewertet zu halten, um sich Vorteile im Export zu verschaffen.

          Bild: FAZFinance

          Neu in der Schusslinie steht Japans neuer Premierminister Abe, der massiv auf die heimische Notenbank einwirkt, die Wirtschaft des Landes durch eine noch expansivere Notenbankpolitik zu reinflationieren und damit wieder zum Wachsen zu bringen. Das aber wiederum schmeckt den Amerikanern nicht, die mit einer Runde um Runde lockeren Geldpolitik ihre eigene Wirtschaft wieder zum Laufen bringen und die japanische Krankheit vermeiden wollen.

          China entlastet

          Unter diesen Umständen überraschen auch die moderateren Töne aus Washington gegenüber China nicht. Jüngst erst äußerte Lawrence Summers, einst Obamas wichtigster Wirtschaftsberater, der Yüan sei nicht länger so unterbewertet wie vor fünf Jahren. Tatsächlich hat die chinesische Währung seitdem um rund 17 Prozent gegenüber dem Dollar aufgewertet.

          Gleichzeitig flaut das dynamische Wachstum ab. Steigende Lohnkosten schwächen Chinas Position als Werkbank der Welt. 25 Provinzen erhöhten im vergangenen Jahr die Mindestlöhne um mehr als 20 Prozent. Die Führung muss den im Export erworbenen Reichtum auf die Bevölkerung umverteilen.

          China fürchtet „QE infinite“

          Grund genug für Yi, nun aber auch einer weiteren Abwertung des Yüan eine Absage zu erteilen. Der Wechselkurs liege sehr nahe am Gleichgewichtskurs, sagt Yi am Rande des Weltwirtschaftsforums. Damit geht Yi etwas auf Distanz zu Amerika.

          Grund ist Yis Sorge, dass China in ein Kreuzfeuer der Zentralbankkanonen geraten könnte. Diese könnten den Fluss spekulativer Gelder nach China wieder anheizen. Die Politik der quantitativen Lockerung sorge für Unsicherheit, so Yi. Lou Jiwei, Chef des chinesischen Staatsfonds spricht sogar schon von “QE infinite“ – einer unendlichen Fortsetzung der Politik des lockeren Geldes.

          Japan schaut angeblich nicht auf den Wechselkurs

          Japans Wirtschaftsminister Akira Amari dagegen dementiert, dass das Land überhaupt an einem schwächeren Yen interessiert sei. Man weiche nicht von internationalen Standards ab, sagte Amari am Samstag in Davos. Nachdem der Yen auf den niedrigsten Stand seit Juni 2010 gefallen ist, wird Japan vorgeworfen, gegen die Selbstverpflichtung der G20 zu verstoßen, keine Abwertungspolitik zu betreiben.

          Man implementierte nur eine Politik zur Deflationsbekämpfung, den Wechselkurs bestimme der Markt, sagt nun Amari. Dass aber eine Lockerung der Geldpolitik in der Regel zu Lasten des Wechselkurses geht, weiß mit Sicherheit auch die japanische Regierung.

          Höchstens ein Vorgeplänkel

          Noch befindet sich der Währungskrieg aber allenfalls im Stadium des Vorgeplänkels, noch wird um Sichtweisen gestritten. Es ist eine Frage der Sichtweise. OECVD-Generalsekretär Angel Gurria äußerte jüngst, es gebe eine gewisse Legitimität, die eigen Währung gegen Aufwertungsspitzen zu verteidigen. Diesen Standpunkt lehnt hingegen der künftige Präsident der Bank of England, Mark Carney, ab.

          Und noch werden Eingriffe zurück gedreht. Brasilien hatte 2009 den internationalen Kapitalverkehr verteuert, im vergangenen Jahr aber die Intervention gelockert, weil der Aufwertungsdruck nachließ. Auch die jüngste Baisse des Yen relativiert sich nach einem Blick auf den langfristigen Kursverlauf. In einem zehnjährigen Vergleich ist der Yen gegenüber dem Dollar immer noch hoch bewertet.

          In Europa hatte die Schweiz ein Zeichen gesetzt, indem sie die Interessen ihrer Exporteure durch Eingriffe der Schweizerischen Nationalbank (SNB) verteidigte. Die SNB hielt die Abwertung des Euro gegenüber dem Franken beim Kurs von 1,20 Franken durch Stützungskäufe auf. Seit dem Verzicht der Europäischen Zentralbank auf eine weitere Senkung ihrer Leitzinsen hat der Euro auch gegenüber dem Franken aufgewertet.

          Mehr Volatilität auch an den Devisenmärkten

          Denn einen Währungskrieg will niemand haben. Denn als in den dreißiger Jahren ein Abwertungswettlauf ausbrach, war die Folge ein weitgehender Zusammenbruch der weltwirtschaftlichen Verflechtungen, von dem sich diese erst Ende der fünfziger Jahre vollständig erholte.

          George Soros, erwartet in dieser Gemengelage eine erhöhte Schwankungsanfälligkeit der Devisenmärkte, nachdem in den vergangenen Jahren die Wechselkurse bemerkenswert stabil gewesen seien. Japan könne den Yen-Kurs nur in dem Ausmaß drücken, wie es die Vereinigten Staaten zuließen. Der Euro werde angesichts der deutschen Sparpolitik hingegen aufwerten.

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