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Devisenkurs : Das Franken-Problem

Der Franken ist wieder etwas billiger. Bild: Reuters

Eine plötzliche Schwäche des Franken-Kurses lässt die Börse rätseln. Ist die Schweizer Notenbank schuld? Grund genug hätte sie.

          So einen Absacker erleben auch erfahrene Devisenhändler nicht jeden Tag: ein halber Rappen in einer halben Stunde. Waren am Freitag um 10.30 Uhr noch 1,0863 Schweizer Franken für einen Euro zu zahlen, so waren es noch vor 11.00 Uhr schon 1,0921 Franken – so schnell hatte der Franken an Wert verloren. Dem Umtauschkurs zum Dollar ging es nicht anders.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Den Touristen, die jetzt gerade über ihren Winterurlaub nachdenken, wird auch dieser halbe Rappen die Skiferien in der Schweiz nicht schmackhafter machen. Bemerkenswert ist er trotzdem.

          Schnell glauben Händler: Die Schweizer Nationalbank könnte dahinter stecken. „Wir wissen nicht, ob das eine Intervention war oder nicht, aber es würde Sinn ergeben“, sagt der Chefstratege der Bank of New York Mellon der Nachrichtenagentur Bloomberg.

          Die Schweiz will einen schwächeren Franken

          Denn der Schweizer Notenbank war ihre Währung schon lange zu stark. Seit der Finanz- und Eurokrise hatte der Franken gegenüber dem Euro und anderen Währungen kontinuierlich an Wert gewonnen. Immer weniger Touristen konnten sich den Urlaub in der Schweiz leisten, Schweizer Exporte wurden im Ausland immer teurer – die Schweizer andererseits kauften plötzlich oft im Ausland ein: Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien waren plötzlich billig, und bis zur Grenze ist es in der Schweiz selten weit.

          So landete die Schweiz in einer ausgemachten Deflation. Seit Jahren sinken die Preise, allein in den vergangenen zwölf Monaten sanken sie um 1,36 Prozent. Inwzischen wächst auch die Arbeitslosigkeit im Land. Die Schweizer Notenbank versuchte, sich gegen den Trend zu stemmen. Mehr als zwei Jahre lang gab sie eine Untergrenze für den Frankenkurs aus: 1,20 Franken je Euro. Doch im Januar gab sie auch diese Untergrenze auf. So hat sich der Kurs in den vergangenen Monaten bei rund 1,09 Franken eingependelt.

          Aus Sicht der Notenbank ist das zu wenig. Noch am Mittwoch sagte Notenbankchef Thomas Jordan: „Der Franken bleibt insgesamt deutlich überbewertet.“ Und er ergänzte: „Unsere Geldpolitik ist klar. Sie basiert auf zwei Säulen: den Negativzinsen und der Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren.“

          Wird der Euro noch schwächer?

          Gleichzeitig befindet sich der Euro in einer neuen Schwächephase. In der kommenden Woche entscheidet die Europäische Zentralbank wahrscheinlich, dass sie noch mehr Euros in den Markt pumpt, indem sie noch mehr Staatsanleihen kauft – auch in der Hoffnung, dass durch die zunehmende Menge an Euros der Euro an Wert verliert. In den vergangenen Wochen hat der Euro auch schon kräftig an Wert verloren, zumindest gegenüber dem Dollar. Gegenüber dem Franken hat sich der Wechselkurs bisher noch stabil gehalten.

          Was passiert, wenn die EZB nächste Woche ihre Entscheidung tatsächlich trifft? Stoppt der Kursverfall des Euro dann, weil die EZB die Erwartungen der Händler unterläuft? Oder geht der Kursverfall dann erst richtig los? Banker glauben: Die Schweizer Nationalbank sorgt sich genau davor.

          Klar ist: Wer immer am Freitag Franken verkauft hat – wenn es das Ziel war, den Franken zu schwächen, war Freitag nicht der schlechteste Tag dafür. Amerikas Devisenhändler waren im „Thanksgiving“-Wochenende, an den Devisenmärkten war wenig los – und je weniger Händler da sind, desto leichter ist es, auch mit geringen Summen den Kurs zu bewegen.

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