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Devisenhandel Am schwachen Euro verdienen

25.04.2010 ·  Griechenland steht vor dem finanziellen Abgrund - das hat auch Auswirkungen auf den Euro, der vor allem gegenüber dem Dollar schwächer und schwächer wird. Das klingt nach leicht verdientem Geld für Spekulanten - zu Recht? Durchaus, daran kann man verdienen. Wenn man es geschickt anstellt.

Von Patrick Bernau
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Der Euro sinkt, aber das Vermögen steigt – so wäre es schön. Weil sich alle Welt um Griechenland sorgt und einige sogar ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone für möglich halten, hat der Euro gegenüber dem Dollar seit Dezember 16 Cent an Wert verloren. Prompt fragt sich mancher Hobbyspekulant: Kann man damit nicht Geld verdienen? Klar, kann man.

Auf quasi alle Währungsbewegungen können Privatanleger wetten. Besonders leicht ist es, wenn andere Währungen gegenüber dem Euro stärker werden – so wie jüngst der Dollar. Und das wird auch so weitergehen, schätzt Werner Eppacher, Währungsexperte der Fondsgesellschaft DWS, auch wenn der Euro am Freitag wieder ein bisschen in die Höhe hüpfte, weil es noch Hoffnung für Griechenland gibt. Doch das ändere nichts an der grundsätzlichen Euro-Schwäche, sagt Eppacher.

Vor allem in Großbritannien und Amerika wird jetzt wieder über die Zukunft des Euro diskutiert. Dort habe man ihn schon lange eher als Wunschtraum gesehen denn als zukunftsfähige Währung, sagt Eppacher: „Erst wenn sich die Währungsunion auf einen weiterentwickelten Stabilitätspakt einigt, wird sich der Euro stabilisieren.“

Die Wechselkurse sinken

Auch über die Schwierigkeiten Griechenlands hinaus können Anleger längerfristig mit einer weiteren Schwächung des Euro rechnen. „Noch ist der Euro ja nicht schwach“, findet Pioneer-Währungsfondsmanager Andreas König, „als er vor einigen Jahren bei 1,10 Dollar stand, hieß es im Markt, 1,30 Dollar seien teuer.“ Die Wirtschaftsdaten weisen ebenfalls auf eine weitere Abwertung hin. Denn laut der internationalen Wirtschaftsorganisation OECD sind Euro und Dollar erst bei einem Wechselkurs von rund 1,20 Dollar gleich kaufkräftig.

Das bedeutet: Wer heute Dollar kauft, bekommt rund 1,34 Dollar für den Euro. Wenn sich der Kurs so entwickelt wie erwartet, müsste er beim Rückkauf aber nur 1,20 Dollar pro Euro zahlen – es bleibt ein Gewinn von zehn Prozent. Doch DWS-Manager Eppacher warnt: „Kaufkraftabweichungen können auch jahrelang bestehen bleiben.“

Anleger, die schnellere und größere Renditechancen suchen, sollten ihren Fokus auf ganz andere Währungen lenken. Gegenüber denen ist der Euro ebenfalls schwächer geworden: Der Index der 28 wichtigsten Kurse hat seit Jahresbeginn acht Prozent verloren. Da geht es dem Euro wie den meisten großen Währungen. Viele große Staaten ächzen nach der Finanzkrise unter hohen Schulden, Investoren ziehen ihr Geld nach und nach ab, die Wechselkurse sinken.

Fremdwährungskonten sind aber schwer zu bekommen

Währungsspekulanten sehen nun große Chancen in den Währungen rohstoffreicher Länder, zum Beispiel im australischen oder kanadischen Dollar und in der norwegischen Krone. „Rohstoffe sind nun mal ein begrenztes Gut, und sie werden auf lange Zeit nachgefragt sein“, schätzt Eppacher. Wer auf die Entwicklung von Schwellenländern setzt, könnte zudem im brasilianischen Real investieren. Pioneer-Experte König favorisiert auch Asien. Singapur wertet seine Währung auf, auch China dürfte demnächst damit beginnen – allerdings erwarteten viele Spekulanten das bereits. Mehr Chancen sieht er in Indien, Korea und Malaysia.

Jetzt müssen Anleger diese Aussichten nur noch zu Geld machen: Im Prinzip brauchen sie dazu nur irgendeine Geldanlage in fremder Währung, ein Betrag auf einem Bankkonto reicht. Fremdwährungskonten sind aber schwer zu bekommen. Deshalb verkaufen Banken „Zinszertifikate“, die wie ein Konto in der anderen Währung funktionieren. Allerdings sind die Zertifikate nicht gesichert, falls die Bank zusammenbricht, und sie sind nur für wenige Währungen erhältlich.

Alternativ können Anleger sich auch ein Konto bei einem Währungshandelssystem im Internet einrichten, zum Beispiel auf Oanda.com. Dort können sie auch gehebelt handeln, das heißt: Sie können mit einem Mehrfachen ihres Geldes spekulieren. Auf den meisten Systemen gibt es zudem Übungssysteme mit Spielgeld, auf dem die angehenden Spekulanten ein Gefühl für die Währungsmärkte und deren Risiken bekommen sollen.

Rendite bleibt oft begrenzt

Viele werden damit feststellen, dass sie mit der Zeit immer mehr Geld verlieren. „In keiner anderen Anlageklasse ist es so schwierig, dauerhaft Geld zu verdienen“, sagt Andreas Köchling, Analyst bei der Fonds-Ratingagentur Feri. Die politischen Einflüsse auf die Währungsmärkte seien enorm und kaum vorhersehbar – anders als auf dem Aktienmarkt: Würde zum Beispiel Daimler-Chef Dieter Zetsche sagen, dass er den Daimler-Kurs steigern möchte, dann würde der Kurs noch längst nicht reagieren. „Wenn aber eine Notenbank ankündigt, dass sie ihren Währungskurs ändern will, dann geschieht das meist sehr schnell.“ Dabei seien Währungsinvestments oft gar nicht so schlecht, findet Köchling, weil man mit Währungsspekulationen auch Geld verdienen kann, wenn Aktienkurse sinken.

Für viele Anleger sind jedoch Fonds besser, als selber zu spekulieren. Die Deutsche Bank hat Indexfonds auf den Markt gebracht, in denen Anlagestrategien automatisch verwirklicht werden, zum Beispiel die „Carry-Trades“: Kredite in einer Niedrigzinswährung aufnehmen und das Geld in einer Hochzinswährung wieder anlegen. Die Renditen sind bisher aber mäßig.

Auch wenn die Währungsfonds von einem Fondsmanager verwaltet werden, bringen sie auf längere Frist nicht viel bessere Ergebnisse. Pioneer und DWS waren zwar in den vergangenen drei Jahren relativ erfolgreich. Doch wer nur auf die reinen Kursveränderungen spekulieren kann, dessen Rendite bleibt am Ende begrenzt.

Die besten Chancen bringen Fonds, die nicht einfach nur Währungen gegeneinander tauschen. „Wenn man als Investor von bestimmten Ländern oder Regionen überzeugt ist, kann man auch über normale Aktien- oder Anleihenfonds von einer Aufwertung dieser Währung profitieren“, sagt Simon Nöth bei der Fonds-Ratingagentur Morningstar. Das Risiko von Anleihen zum Beispiel ist oft tragbar, gleichzeitig bringen sie Zinsen und gewinnen durch die Wechselkurse zusätzlich an Wert. Tatsächlich haben gute Anleihefonds zuletzt deutlich mehr Rendite gebracht als gute Währungsfonds.

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Jahrgang 1981, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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