20.12.2005 · Hatten zum Ende des vergangenen Jahres viele mit der Fortsetzung der damaligen Dollarschwäche gerechnet, so haben ihm steigende Dollarzinsen zu einer Renaissance verholfen. Die Zinsentwicklung dürfte zunächst auch weiter dominieren.
Die Prognose von Währungsentwicklungen ist so eine Sache. Denn sie hängen von vielerlei Faktoren ab, nicht zuletzt auch von psychologischen. So dürfte es kaum verwundert haben, daß viele Marktteilnehmer nach den zum Teil massiven Kursverlusten des Dollars in den Jahren 2002 bis Ende des Jahres 2004 auch im Jahr 2005 mit weiteren Kursverlusten rechnete.
Immerhin deuteten die damaligen Trends darauf hin und auch an den sonstigen Argumenten schien sich nicht viel zugunsten des Greenbacks verändert zu haben .Wer sich allerdings alleine darauf berief, lag im laufenden Jahr schief. Denn der Dollar konnte sich gegen die meisten Währungen weltweit erholen. Auch gegen den Euro und den Yen. Im bisherigen Kurstief waren im November mit 1,1640 Dollar knapp 15 Prozent weniger Dollar nötig, um einen Euro erwerben zu können, als noch elf Monate zuvor. Gegen den Yen sah die Entwicklung ähnlich aus.
„Commodity-Währungen“ können sich gegen den Dollar behaupten
Ausgenommen sind und waren die so genannten „Commodity-Währungen“. Sie konnten vom anhaltenden Rohstoffboom profitieren und sich gegen den Dollar behaupten. Das hatte zur Folge, daß Währungen wie der brasilianische Real, der kanadische oder auch der australische und der Neuseeland-Dollar gegen den Euro deutlich aufwerteten. Der brasilianische Real war im laufenden Jahr eindeutig die „beste“ Währung überhaupt. Sie profitierte nicht nur von der Nachfrage nach den Rohstoffen des Landes, sondern insbesondere auch von den Geldströmen, die an die Finanzmärkte des Landes flossen.
Aufgrund der nach wie vor sehr vernünftigen Bewertung der Aktien des größten südamerikanischen Landes und der im internationalen Vergleich hohen Zinsen und Renditen dürfte die Währung weiterhin gefragt bleiben, sofern der Risikoappetit der Anleger hoch bleibt und die Nachfrage nach Rohstoffen nicht nachlassen sollte. Denn nicht nur diese Kennzahlen sind interessant, sondern inzwischen erzielt das Land auch deutliche Leistungsbilanzüberschüsse und kann aus diesem Grund seine noch vor wenigen Jahren prekäre Finanzsituation immer weiter verbessern. Und das ohne das Zutun einer an sich eher schwächlichen und wenig beieindruckenden Regierung unter der Führung von Luiz Inacio Lula da Silva.
Wie lassen sich solche Kursbewegungen erklären angesichts der Tatsache, daß in Amerika kaum gespart wird, die Schulden steigen und die Leistungsbilanz immer negativer wird? Der entscheidende Unterschied zu früher liegt im inzwischen deutlich gestiegenen Leitzins in Amerika. Die amerikanische Zentralbank hat ihn seit dem Juni des vergangenen Jahres bisher 13 Mal erhöht von einem Prozent auf zuletzt 4,25 Prozent. Das hat natürlich auch die Sätze am kurzen Ende der amerikanischen Renditekurve nach oben gezogen und im internationalen Vergleich relativ interessant gemacht.
Zinsspiele kontern die strukturellen Schwächen des Dollars
Der Leitzins in Amerika liegt nun deutlich über den 2,25 Prozent in Europa und noch deutlicher über den 0,9 Prozent in Europa. Das hat bei spekulativen Anlegern zu einer Zinsarbitrage geführt. Zu verschulden sich in Euro oder Yen und investieren die Mittel in Amerika. Auf diese Weise konnten sie bisher nicht nur die Zinsdifferenz einkassieren, sondern gleichzeitig von der Dollarerholung gegen den Euro und den Yen profitieren, die von den entsprechenden Kapitalströmen ausgelöst wurde. In den vergangenen Wochen kam es zwar zunächst zu einer deutlichen Gegenbewegung, als die amerikanische Zentralbank bei der jüngsten Leitzinserhöhung um einen Viertel-Prozentpunkt auf 4,25 Prozent plötzlich nicht mehr von einer stimulativen Zinspolitik redete. Sie induzierte die Vermutung, der Zinserhöhungszyklus könnte bald ein Ende finden.
Diese Erwartung scheint sich allerdings mit den jüngsten Konjunkturdaten wieder gelegt zu haben. Ein nach wie vor boomender Häusermarkt legt zumindest bei manchen Marktteilnehmern die Vermutung nahe, der amerikanische Leitzins könnte doch noch deutlich weiter angehoben werden. Diese Vermutung kann den Dollar trotz der strukturellen Schwäche noch weiter stützen oder gar weiter treiben.
Allerdings ist das nur die eine Seite der Medaille. Denn die spekulative Rechnung würde sich dann ändern, wenn ein Europa und möglicherweise auch in Japan die Zinsen anziehen sollten. Immerhin scheint die japanische Wirtschaft angesprungen und nicht mehr auf die jahrelang künstlich geschwächte Währung angewiesen zu sein. Auch in Europa zeigt die Konjunktur gewisse Wachstumssignale. Die Preisentwicklung hat zumindest deutlich angezogen.
Sollte sich insgesamt die Zinsdifferenz zwischen Amerika und dem Rest der Welt verkleinern, dürften beim Dollar die fundamentalen Probleme wieder zutage treten und ihn in die Defensive bringen. Langfristig wertet er im Trend sowieso ab. Spekulativ interessant sind unter normalen Umständen die asiatischen Währungen, da sie mehr oder weniger unterbewertet sind.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |