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Devisen Zwölf Tips zur Wechselkursprognose

28.09.2006 ·  Nichts scheint in der blanken Theorie einfacher zu sein, als die Entwicklung des Wechselkurses zweier Währungen zu prognostizieren. Die Praxis sieht anders aus. Zwölf Tips von Jim O'Neill, Chefvolkswirt von Goldman Sachs.

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Nichts scheint in der blanken Theorie einfacher zu sein, als die Entwicklung des Wechselkurses zweier Währungen zu prognostizieren. Man nehme die Zinsdifferenz zwischen zwei Währungsräumen - und schon könne man sagen, ob eine Währung fair bewertet sei oder ob sie auf- oder abwerten werde, lautet beispielsweise eine Theorie.

Auf dieser Basis werden zumindest Währungen per Termin gehandelt: Die Währung mit dem höheren Zinssatz hat normalerweise einen Abschlag, da auf diese Weise die Zinsdifferenz zumindest zum Zeitpunkt des Abschlusses eines Termingeschäftes über den Termin-Wechselkurs ausgeglichen wird. Dorthin müßte in der Theorie auch der Wechselkurs laufen.

Wechselkurstheorien sind das eine ...

Ob er das tun wird, ist jedoch eine ganz andere Frage. Das gilt auch für andere Theorien, wie beispielsweise die Kaufkraftparität, die auf Preisunterschiede für vergleichbare Produkte in unterschiedlichen Währungsräumen abstellt. Wäre der Preis in einem Land wechselkursbereinigt tiefer als im anderen, so würden die Konsumenten oder clevere Händler im „günstigeren“ Land einkaufen, die Produkte in das andere Land einführen und sie dort verkaufen.

Da die dadurch induzierten Gütertransaktionen auch Währungsbewegungen auslösen würden, müßten sich über diesen Wechselkursmechanismus entweder die Preise in den beiden Ländern anpassen oder der Wechselkurs müßte sich solange bewegen, bis sich solche Transaktionen nicht mehr lohnten. Das heißt, die Währung des Exportlandes müßte aufwerten.

Der Devisenmarkt scheint allerdings nicht so einfach gestrickt zu sein, als daß er kurzfristig nach diesem Prinzip funktionieren könnte. Das zeigt sich alleine schon an der Tatsache, daß viele asiatischen Währungen bisher kaum oder nicht zügig aufwerten, obwohl die Staaten der Region zum Teil schon seit Jahrzehnten massive Handelsüberschüsse erzielen.

... die Praxis ist das andere

Obwohl sich manche Waren und Dienstleistungen nicht oder kaum international handeln lassen, weil die Märkte nicht frei oder weil Produkte verderblich sind, so zeigt ein Blick auf die Vergangenheit jedoch, daß Gleichgewichtsmodelle wie die Zins- oder auch die Kaufkraftparität zumindest langfristig anzeigen, in welche Richtung sich eine Währung bewegen sollte. Heute nutzen die Experten zur Prognose in der Regel dynamische Modelle, die gleichzeitig auf mehrere Faktoren abstellen.

Insgesamt kann es hilfreich sein, die folgenden zwölf Tips zu verinnerlichen, die Jim O'Neill als Chefvolkswirt von Goldman Sachs in 25 Jahren Wechselkursprognose als „Erfahrungswerte“ herausgefiltert hat:

1. Bewertung
Die Überbewertung des Dollars in den Jahren 1984-85, der Lira und des Pfunds im Jahr 1992, des Yen im Jahr 1995 sowie die Unterbewertung des Euro im Jahr 2000 seien exzellente Beispiele, in denen die Anwendung von Bewertungsmodellen hilfreich war.

2. Vorsicht bei einheitlichen Markterwartungen
Es mag zwar gelegentlich eintreten, was die Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet. Allerdings nicht für sehr lange, denn oft sei die Konsenserwartung falsch.

3. Kombination zwischen Bewertungsmodellen und „unkonventioneller Denke“

In Zeiten, in denen die Märkte immer komplexer geworden sind, kann es nützlich sein, Konsenserwartungen zu suchen und zu messen.

4. Stelle Dich nie gegen den Markt
Der Devisenmarkt setzt täglich etwa zwei Milliarden Dollar um. Wenn sich in einem solchen Markt ein Preis stark bewegt, sollte man das nicht ignorieren.

5. Vorsicht - Volkswirtschaft ist eine soziale Wissenschaft
Die Veröffentlichung ökonomischer Statements oder politische Veränderungen können für viele unterschiedlich Beteiligte verschiedenes bedeuten. Das heißt, sie lassen sich oft nicht eineindeutig bewerten.

6. Politiker können recht haben - oder auch nicht!
Die Versuchung, Worten von Politikern zu folgen, mag groß sein. Unglücklicherweise aber ist genau das oft ein Fehler.

7. Geldpolitik wirkt nicht eindeutig
Die geldpolitische Entwicklung ist wichtig. Allerdings hilft beispielsweise eine restriktive Entwicklung einer Währung nicht immer und eine „lockerer“ schadet nicht immer.

8. Zinskurve
Die Struktur der „Zinskurve“ eines Landes kann manche Wechselkursbewegungen erklären.

9. Geld- und Fiskalpolitik
Nicht nur die Geld-, sondern auch die Fiskalpolitik eines Landes ist wichtig für die Währungsbewegungen. Die Kombination macht's.

10. Es zählt mehr als die Leistungsbilanz
Angesichts des Wachstums der grenzüberschreitenden Kapitalströme ist nicht nur ein Blick auf die Leistungsbilanz eines Landes wichtig, sondern auf eine „breitere“ Bilanz.

11.Gebundene Währungen
„Halb-gebundene“ Währungen sind einfacher zu prognostizieren als wirklich freie.

12. Kein Prognosezwang
Man muß nicht immer eine Meinung zur Entwicklung einer Währung haben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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