31.08.2005 · Die polnische Währung reagiert am Mittwoch auf eine Leitzinssenkung mit Kursgewinnen. Was theoretisch widersprüchlich erscheint, erklärt sich durch die weitere Zinsphantasie. Sie macht polnische Wertpapiere interessant.
Mit Kursgewinnen reagiert der polnische Zloty auf die fünfte Leitzinssenkung im laufenden Jahr um einen Viertelprozentpunkt auf ein Rekordtief von 4,5 Prozent am Mittwoch und auf die Aussicht auf weitere Zinssenkungen. Statt 4,0605 Zloty am Montag sind inzwischen nur noch 4,0299 Einheiten der polnischen Währung nötig, um einen Euro erwerben zu können. Alleine am Mittwoch legt sich ein halbes Prozent zu. Ähnlich sieht auch die Entwicklung gegen den Dollar aus.
Diese Kursreaktion mag auf den ersten Blick überraschen, da fallende Zinsen eine Währung zumindest in der Theorie unattraktiver als zuvor machen und aus diesem Grund eigentlich zu einer Abwertung führen müßten. Allerdings gibt es wohl immer Unterschiede zwischen Theorie und Praxis, insbesondere auch am Devisenmarkt.
Polnische Zentralbank hält sich Tür für weitere Zinssenkungen offen
Denn im Gegensatz zu vielen einfachen theoretischen Modellen ist der Markt dynamisch und reagiert auf die viele verschiedene Einflußfaktoren, die sich von der Theorie kaum erfassen lassen. Das sind nicht zuletzt auch psychologische Elemente in Form der Markterwartungen. Und genau die wurden von der Zentralbank geschürt, da sie sich angesichts eines mit einem Plus von 2,8 Prozent vergleichsweise schwachen Wirtschaftswachstums, abbröckelnden Investitionen, zögerlichen Konsumausgaben und einer hohen Arbeitslosigkeit die Tür für weitere Aktionen offen hält.
Der geldpolitische Ausschuß der Zentralbank deutete für das laufende Jahr noch weitere Zinsschritte an. „Wir gehen davon aus, daß die Stellungnahme der Zentralbank ausgewogen ausfällt. Zum einen dürfte auf die schwache Inlandsnachfrage und die niedrigen Verbraucherpreise hingewiesen werden. Zum anderen wird voraussichtlich vor dem steigenden Ölpreis und der Inflation gewarnt werden“, sagte Ryszard Petru, leitender Volkswirt bei BPH Bank in Warschau der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Im Juli war die Inflationsrate auf 1,3 Prozent zurückgegangen und blieb damit den dritten Monat in Folge unter den von der Zentralbank anvisierten 2,5 Prozent. Die Gesamtnachfrage, die den Privatverbrauch und die Produktion der Unternehmen umfaßt, schrumpfte im zweiten Quartal 0,3 Prozent. In den ersten drei Monaten des Jahres hatte sie 1,1 Prozent zugelegt und im Vergleichsquartal des Vorjahres 5,8 Prozent, gab das polnische Hauptamt für Statistik am 29. August bekannt.
Anleihen bieten noch Zinsvorteile, Aktien sind vernünftig bewertet
Die Phantasie der Währung nährt sich aus dem Interesse ausländischer Anleger an den Aktien und den Anleihen Polens, führen fallende Zinsen doch in der Regel zu steigenden Kursen. So hat sich der polnische WIG-Index in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt und auch die Anleihen konnten deutliche Kursgewinne verbuchen. Beide Trends dürften sich zumindest in einem anhaltend stabilen weltwirtschaftlichen Umfeld fortsetzen.
Immerhin bieten die polnischen Staatsanleihen noch einen netten Renditevorsprung im Vergleich mit deutschen Bundesanleihen. Und mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnis von etwas mehr als elf sind die Aktien im WIG-Index noch sehr vernünftig bewertet, obwohl der Index am Mittwoch ein neues Allzeithoch erreicht hat.
Allerdings gibt es bei allem Optimismus auch gewisse Risiken. Sie liegen vor allem in der vergleichsweise fahrlässigen Finanzpolitik des Landes. Denn die Regierung tritt nicht stark genug auf die Kostenbremse. Aber vor welcher Regierung wird man das angesichts der beinahe weltweit ausufernden Defizite schon behaupten können?
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |