29.03.2005 · Hatte der ungarische Forint im vergangenen Jahr noch deutlich gegen den Euro aufgewertet, so scheint sich zumindest eine Konsolidierung anzubahnen. Eine Zinssenkung um 50 Basispunkte sorgt nicht gerade für Rückenwind.
Nach zum Teil beeindruckenden Trends an den Devisenmärkten im vergangenen Jahr kam es in den vergangenen Tagen zu zum Teil deutlichen Gegenbewegungen. Das gilt zum Beispiel für den südafrikanischen Rand, den polnischen Zloty, die türkische Lira, aber auch den ungarischen Forint.
Die Währung des jungen EU-Staates hatte sich im vergangenen Jahr nicht nur gegen den Dollar, sondern auch gegen den Euro hervorragend geschlagen. Waren im Dezember des Jahres 2003 noch 275,74 Forint nötig gewesen, um einen Euro erwerben zu können, so waren dafür am neunten März noch 241,29 Forint nötig. Das waren knapp 12,5 Prozent wenigern als vor 14 Monaten.
Ungarische Wirtschaftspolitik spricht nicht gerade für die Währung
Diese Entwicklung war zu beobachten, obwohl die Wirtschaftspolitik in Ungarn alles andere als solide ist. Es gibt bisher wenige Anzeichen dafür, daß das Land seine Budget- und Außenhandelsungleichgewichte in den Griff bekommen würde. Dabei wäre das die Voraussetzung für eine solide Entwicklung auf der Währungsseite und für eine absehbare Einführung des Euro als Währung.
Der Forint schien im vergangenen Jahr vor allem von den vergleichsweise hohen Zinsen im Lande und der vorteilhaften Entwicklung an der Börse profitiert haben zu können. Die tiefen Zinsen in den westlichen Industriestaaten trieb die internationalen Anleger offensichtlich dazu, fundamentale Risiken auf der Suche nach rentierlichen Anlagemöglichkeiten auszublenden oder zu ignorieren.
In den vergangenen Tagen scheint es allerdings zu einer etwas veränderten Wahrnehmung gekommen zu sein. Denn die amerikanische Zentralbank hat einerseits den Leitzins ein weiteres Mal auf 2,75 Prozent erhöht und damit die Renditedifferenz zwischen dem amerikanischen und dem ungarischen Finanzmarkt weiter reduziert. Dabei hat sie auch zum ersten Mal seit längerer Zeit eine gewisse Sorge über die dynamischer werdende Preisentwicklung in den Vereinigten Staaten durchblicken lassen.
Das alleine scheint schon ausgereicht zu haben, um den Risikoappetit mancher Marktteilnehmer etwas gedämpft zu haben. Es hat dazu geführt, das der Forint seine Stärke eingebüßt und den mittelfristigen Aufwertungstrend überwunden hat. Am Dienstag geriet die Währung zusätzlich unter Druck und fiel von 247,68 auf 248,49 Forint je Euro, denn die ungarische Zentralbank hat den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 7,75 Prozent gesenkt. Das ist die zehnte Zinssenkung innerhalb eines Jahres.
Zinssenkung auf Grund einer moderaten Preisentwicklung
Sie begründet die Zinssenkung damit, daß die Inflationsrate unter anderem auf Grund der starken Währung mit einem Plus auf Jahresbasis von 3,2 Prozent im Februar auf den tiefsten Stand seit 23 Jahren gefallen sei. Denn eine starke Währung macht Importe - unter anderem die in Dollar teuer gewordenen Rohstoffe - günstiger. Vermutlich besteht die Absicht, auch die Wirtschaft des Landes mit tieferen Zinsen zu stimulieren. Denn das Wachstum hat in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres nachgelassen.
Gleichzeitig befindet sich die Zentralbank aber im Clinch mit politischen und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. So hat die Regierung wohl mit diesem Ziel das „zinsbestimmende“ Gremium erweitert, was zu einem Disput mit der Zentralbank führte. Gleichzeitig dürfte aber der Zinssenkungsspielraum begrenzt sein. Auf der einen Seite kann die Aussicht auf fallende Zinsen die internationalen Anleger ins Land ziehen, da sie von hohen Renditen und steigenden Anleihekursen profitieren können. Auf der anderen Seite darf der Renditevorsprung - auch mit Blick auf die Renditeentwicklung in Amerika - nicht zu klein werden. Denn dann könnte schnell die Währung untergraben werden - mit entsprechend negativen Folgen für die Preisentwicklung. Aus diesem Grund gleicht die Geldpolitik der Zentralbank einem Ritt auf der Rasierklinge.
Auf dieser Basis sollten Anleger den Kauf ungarischer Wertpapiere kritisch überdenken. Denn eine schnelle, deutliche Währungsbewegung kann sämtliche Zins- und sonstige Renditevorteile relativieren. Charttechnisch kann es dann kritisch werden, wenn die Währung aus der erreichten Widerstandszone nach oben ausbrechen und die Marke von 250 Forint je Euro überschreiten sollte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |