14.07.2006 · Komisch, die japanische Zentralbank erhöht am Freitag zum ersten Mal seit sechs Jahren den Leitzins von Null auf 0,25 Prozent, der Yen gibt nach und der Rentenmarkt des Landes steigt? Erklärung: „Buy the rumour, sell the fact“
Ist das nicht komisch: Die japanische Zentralbank erhöht am Freitag zum ersten Mal seit sechs Jahren den Leitzins von Null auf 0,25 Prozent und der Yen gibt nach und der Rentenmarkt des Landes steigt? Immerhin liegt Dollar-Yen im Tagesverlauf mit einem Plus von 72 Stellen bei 116,13 Yen je Dollar und der Future auf zehnjährige Staatsanleihen verbucht ein Plus von 68 Stellen auf 132,45 Prozent, nachdem er in den vergangenen vier Tagen schon insgesamt 73 Stellen zugelegt hatte.
Theoretisch dagegen müßte die Währung aufwerten und die Rentenpapiere müßten nachgeben. Allerdings gibt es in der Regel Unterschiede zwischen der Theorie und der Praxis. Insbesondere auch an den Finanzmärkten. Hier entscheiden nicht unbedingt absolute Zahlen, sondern relative und insbesondere auch die Erwartungen darüber, wie sie sich künftig entwickeln werden.
„Buy the rumour, sell the fact“
So kommt es denn auch, daß der Markt die Zinserhöhung längst vorweggenommen und sich darauf eingerichtethatte. In solchen Situationen kommt es nicht selten zur Bereinigung bestehender Positionen nach dem Motto „buy the rumour, sell the fact“. Das ist jedoch nicht alles. Denn die Zentralbank des Landes ließ in Verbindung mit der Zinserhöhung durchblicken, sie werde den Leitzins „sehr tief“ halten, was zur Vermutung führt, im Rest des Jahres werde sich nicht mehr viel ändern.
Auf dieser Basis könnten die Kapitalmärkte wieder geneigt sein, das Spiel mit den Zinsdifferenzen wieder aufzunehmen. Immerhin hatten sich Marktteilnehmer in der Vergangenheit in Japan praktisch umsonst und aufgrund der Devisenmarktinterventionen auch lange Zeit risikolos refinanzieren können, um die Gelder dann an den internationalen Finanzmärkten rentierlich arbeiten zu lassen. Angesichts der bestehenden Zinsdifferenzen - in Amerika liegt der Dreimonatszins bei 5,545 Prozent, in Europa bei 3,57 Prozent und in Japan gerade einmal bei 0,635 Prozent - dürfte sich das weiterhin rentieren.
Solche Geldströme würden den Yen abwerten lassen. Das ist jedoch nicht alles. Denn gleichzeitig sorgt auch der hohe Ölpreis für eine gewisse Eigendynamik, zählt Japan doch hinter Amerika, Europa und China zu den weltgrößten Verbrauchern und muß den größten Teil dafür importieren. Auch das dürfte sich bei der Entwicklung des Wechselkurses bemerkbar machen und sei es nur dadurch, daß der Aufwertungsdruck der über die Handelsbilanzüberschüsse entsteht - 23 Prozent der Exporte gehen in die Vereinigten Staaten gekontert wird.
Mittelfristig müßte der Yen zulegen
Aus diesen Gründen dürfte die kurzfristige Reaktion kaum überraschen. Mittelfristig sähe es jedoch vor allem dann anders aus, wenn sich das amerikanische Wachstum deutlicher abschwächen und damit die amerikanischen Zinssichten dämpfen sollte. Denn mittelfristig kann sich Japan nicht nur eine knappere Geldpolitik und höhere Zinsen leisten, sondern um die internationale Liquiditätsschwemme auszutrocknen sind sie auch nötig. In diesem Sinne und auch mit Blick auf die fundamentalen Probleme des Dollars müßte der Yen gegen den Dollar eigentlich aufwerten.
Die irrationale Unterbewertung der japanischen Währung zeigt sich noch ausgeprägter gegen den Euro, der in den vergangenen Tagen neue Rekordhochs gegen die japanische Währung markierte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |