Nun geht es also los mit dem Zinserhöhungsreigen. Die australische Zentralbank hat überraschend den Leitzins um 25 Basispunkte auf nun fünf Prozent erhöht. Der australische Dollar reagiert mit deutlichen Kursgewinnen, legt gegen den Dollar 80 Stellen auf nun 71,03 amerikanische Cents und 78 Stellen auf 0,6183 Euro zu. Die Börse dagegen gibt um 0,74 Prozent nach, und auch die zehnjährige Anleihe steht leicht unter Druck. Die Rendite liegt mit 5,82 Prozent auf dem höchsten Stand seit etwas mehr als einem Jahr.
Gegen den Dollar setzt die australische Währung damit nicht nur den im Oktober des Jahres 2001 etablierten Aufwärtstrend fort, in dem sie mittlerweile satte 47 Prozent an Werte gewonnen hat, sondern sie erreicht auch den höchsten Stand seit knapp sechs Jahren. Auch gegen den Euro gewinnt sie immer mehr Dynamik nach oben und erreicht den höchsten Stand seit Juni des Jahres 2001.
Überhitzter Immobilienmarkt
Die Zentralbank begründet die Zinserhöhung vor allem mit dem schnell wachsenden Hypothekargeschäft. Jährliche Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent seien zu viel, als daß sie mit einer langfristig stabilen Wirtschaftsentwicklung vereinbar seien, lautet das Kernargument von Notenbankchef Ian Macfarlane. Die Hauspreise sind im zweiten Quartal im Vergleich mit dem Vorjahr um satte 18 Prozent gestiegen. Die zunehmende Nachfrage nach Immobilien hatte zu einem gesamtwirtschaftlichen Wachstum von durchschnittlich 3,5 Prozent in den vergangenen beiden Jahren geführt.
Auch der Einzelhandel kann nicht gerade klagen. So haben die Ausgaben im dritten Quartal des Jahres im Vergleich zur Vorperiode um 2,7 Prozent zugelegt. Das ist der deutlichste Anstieg seit viereinhalb Jahren.
Weitere Zinserhöhungen möglich
Auf Grund der relativen guten ökonomischen Entwicklung in Australien waren die Zinsen im internationalen Vergleich schon in der Vergangenheit relativ hoch gewesen. Sie hatten Anleger angezogen und zu einer starken Währung geführt. Und der Aufwärtstrend dürfte anhalten. Denn mit Blick auf die starke Kreditexpansion, die eher angespannte Lage am australischen Arbeitsmarkt und die positiven Zeichen der Weltkonjunktur rechnen Experten mit weiteren Zinserhöhungen. Bhanu Baweja von UBS geht davon aus, daß die Zentralbank möglichst früh im Wirtschaftszyklus ansetzen will und rechnet mit zwei weiteren Zinserhöhungen um insgesamt 50 Basispunkte bis ins zweite Quartal des kommenden Jahres.
Unter dem starken australischen Dollar leiden vor allem die Minenwerte. Denn sie verkaufen ihre Produkte in amerikanischen Dollar und müssen auf Grund der steigenden Währung Umrechnungseinbußen hinnehmen. Branchenvertreter weisen auch schon darauf hin, die Notenbank müsse bei ihrer Politik auch die Wettbewerbsfähigkeit im Auge behalten. Das dürfte allerdings nur ein vordergründiges Argument sein. Denn in der vergangenen Woche hatte BHP Billiton noch über steigende Nachfrage aus Amerika und Japan berichtet, der chinesische Markt läuft sowieso heiß.
Und so äußert sich Macfarlane auch relativ „cool“: Man müsse die Aufwertung des australischen Dollars einfach vor dem Hintergrund der sich verbessernden Weltkonjunktur sehen, was die Aussichten für die Exporteure verbessere. Damit dürfte klar sein, daß die Unternehmen mit der Entwicklung zurecht kommen müssen.
Neben Australien dürfte es auch in Großbritannien bald zu einer Zinserhöhung kommen. Denn auch dort zeichnen sich ähnliche Phänomene wie in Australien ab.