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Devisen Yen profitiert von reduzierten Interventionen

29.10.2004 ·  Der Yen hat in den vergangenen Tagen gegen den Dollar zugelegt. Experten geben ihm noch weiteren Spielraum, bevor wieder mit Interventionen zu rechnen ist. Sollte Kerry Präsident werden, dürfte der Dollar weiter nachgeben.

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Mit deutlichen Kursgewinnen konnte in den vergangen Tagen der Yen gegen den Dollar aufwarten. Waren zu Beginn des Monats noch bis zu 111,73 Yen nötig, um einen Dollar zu erwerben, so liegt der aktuelle Kurs bei 106,7 Yen je Dollar. Das sind 4,5 Prozent weniger.

Hintergrund ist einerseits die in den vergangenen Tagen wieder aufgekommene Dollarschwäche. Sie begründet sich in der zunehmenden Skepsis, mit der Marktteilnehmer auf die konjunkturelle Entwicklung in Amerika blicken in Verbindung mit den strukturellen Problemen des Landes. Das sind vor allem die makroökonomischen Ungleichgewichte wie geringe Sparquote, starke Verschuldung und ein immer größer werdendes Leistungsbilanzdefizit.

Handelsbilanzüberschuß spricht für den Yen

Auf der anderen Seite kann der Yen jedoch auch von den jüngsten Daten aus Japan selbst profitieren. Denn er wird nicht nur von der starken Exportnachfrage und dem beachtlichen Handelsbilanzüberschuß des Landes fundamental getrieben. Sondern in jüngster Zeit mehren sich auch die Anzeichen, das Land könne der deflationären Entwicklung der vergangenen Jahre langsam entkommen. Immerhin sind die Konsumentenpreise in Tokio im vergangenen Monat mit einem Plus von 0,5 Prozent so stark gestiegen, wie zuletzt im Jahr 1998. Außerdem hat die japanische Zentralbank prognostiziert, die Kerninflationsrate könnte im kommenden Fiskaljahr steigen.

Das wäre ein Hinweis auf eine stärkere Binnennachfrage. In diesem Fall wäre das Land nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit von den Exporten abhängig, könnte nach und nach von seiner extremen Niedrigzinspolitik und vor allem auch den massiven, kreditfinanzierten Interventionen am Devisenmarkt zu Gunsten des Dollar abrücken und den Yen aufwerten lassen. Bisher hat der Dollar vor allem gegen den Euro abgewertet, während sich die asiatischen Staaten dem Trend zumindest zum Teil entzogen haben.

In dieses Gesamtbild paßt auch die erste Zinserhöhung Chinas seit neun Jahren am Donnerstag. Sie macht klar, daß China ernsthafter versucht, die Preisentwicklung und das überhitzte Wachstum zu bremsen. Möglicherweise ist es auch ein Hinweis auf eine Lockerung der bisher festen Bindung des Yuans an den Dollar. Sie ist bisher ein weiterer Grund für Japan, an den Devisenmärkten zu intervenieren.

Ein Sieg Kerrys würde japanischen „Interventionismus“ erschweren

Auf dieser Basis könnte der Yen gegen den Dollar noch weiteren Spielraum haben, zumindest bis zu den Wahlen in Amerika. Denn Japan will in diesem Zusammenhang aufsehen vermeiden. Immerhin waren und sind die Deviseninterventionen des Landes in Amerika ein Thema. Vor allem Kandidat John Kerry geht zumindest verbal gegen sie vor. Sollte er die Präsidentschaftswahl sogar gewinnen, könnte der Yen gegen den Dollar noch weiter zulegen. Denn Japan wird protektionistische Maßnahmen Amerikas unbedingt vermeiden wollen, auch wenn sie zunächst Wahlkampfgetöse sein mögen. Aus diesem Grund hat sich das Land in Wahljahren erfahrungsgemäß mit Interventionen zurückgehalten.

Das japanische Finanzministerium gab am Freitag bekannt, seit sieben Monaten nicht mehr interveniert zu haben. Es gibt Stimmen, die zwischen 100 und 103 Yen je Dollar wieder mit Interventionen rechnen. Auf dieser Basis könnte die japanische Währung gegen den Dollar kurzfristig weiter zulegen. Am Devisenmarkt sind Absicherungsstrategien allerdings nicht nur empfehlenswert, sondern so gut wie üblich. Langfristig ist der Trend auf Grund der Handelsbilanzüberschüsse allerdings klar. Japan dürfte auch seine gewaltigen Währungsreserven früher oder später vernünftiger strukturieren müssen als bisher.

Gegen den Euro sieht die Entwicklung des Yen weniger einheitlich aus. Mittelfristig scheint Euro-Yen bei Kursen über 137 Yen je Euro immer an Grenzen zu stoßen. Gleichzeitig wird aber immer wieder der im Jahr 2000 etablierte und durch die Interventionen Japans induzierte Aufwärtstrend getestet. Sollten die japanischen Interventionen tatsächlich reduziert werden, dürfte der Euro gegen den Yen und andere asiatische Währungen deutlich abwerten und nach unten durchbrechen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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