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Devisen Yen kurzfristig in der Defensive

20.07.2005 ·  Ein anhaltend hoher Ölpreis und politische Unsicherheiten in Zusammenhang mit der Postprivatisierung haben den Yen in die Defensive gezwungen. Mittelfristig müßte die Währung jedoch vom Handelsbilanzüberschuß profitieren können.

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Hatte der Yen noch bis zu Beginn des Jahres gegen den Dollar im mittelfristigen Trend aufgewertet, so befindet er sich seitdem in der Defensive. Er ist am Mittwoch zum ersten Mal seit etwas mehr als einem Jahr über die Marke von 113 Yen je Dollar geklettert.

Das hat nicht nur mit der Dollarerholung an sich zu tun, die durch Zinsspekulationen aus gelöst wurde, sondern auch mit Sondereffekten. Die bestehen in erster Linie im anhaltend hohen Ölpreis, der die Wachstumsphantasie in Asien auf Grund der hohen Importabhängigkeit bei Rohstoffen dämpft. Dazu kommt auch die technische Lage, nachdem die japanische Währung den mittelfristigen Aufwertungstrend durchbrochen hat.

Politische Unsicherheiten mit Blick auf die Postprivatisierung

Gleichzeitig ist auch die politische Lage und Entwicklung in Japan in jüngster Zeit etwas unsicher geworden. Denn es verdichten sich die Hinweise, daß Premierminister Junichiro Koizumi gezwungen sein könnte, vorgezogene Neuwahlen anzustreben, da der politische Rückhalt für die Privatisierung des japanischen Postsystems zu schwinden scheint.

Die Privatisierung der Post, deren Kunden insgesamt über die größten Ersparnisse des Welt verfügen, gilt als Meilenstein für die Reform der Wirtschaftsstrukturen in Japan. Sollte sie scheitern, wäre das ein deutlicher Rückschlag für die Reformbemühungen. Koizumi hatte sich in der Vergangenheit weit aus dem Fenster gelehnt und die Privatisierung als „die größte Reform“ des Jahrhunderts bezeichnet.

Sollte sie scheitern, wäre das ein Zeichen für das Beharrungsvermögen der strukturkonservativen, rückwärtsgewandten Kräfte im Land. Sie fürchten sich vor mehr Flexibilität, die sehr wahrscheinlich zum Verlust von Arbeitsplätzen und vor allem auch von Pfründen führen würde. Das heißt, ähnliche Veränderungen wie sie in Deutschland in Verbindung mit der Privatisierung von Post und Telekom zu beobachten waren, würden vorerst aufgeschoben werden und das Land in seiner Entwicklung weiter bremsen. Das dürfte im Markt nicht auf Gegenliebe stoßen und die Währung kurzfristig schwächen.

Börse kann bisher auch nicht richtig überzeugen

Gleichzeitig konnte die Performance der japanischen Börse in den vergangenen Monaten trotz hoher Erwartungen nicht sonderlich überzeugen. Auch die tiefen Renditen am Rentenmarkt geraten im internationalen Vergleich immer mehr ins Hintertreffen und könnten die Anleger des Landes dazu verleiten, ihre Gelder im Ausland zu investieren. Solche Argumente sprechen im Moment gegen den Yen.

Allerdings kann sich das Bild schnell wieder verändern. Denn grundsätzlich sollte die Währung von den Handelsbilanzüberschüssen des Landes profitieren, die von einer schwächelnden Währung sogar noch getrieben werden sollten. Sollten sich gleichzeitig die politischen Probleme lösen lassen und das Land weiterhin vom anhaltenden Wachstum in China profitieren können, dürfte auch das die Währung früher oder später wieder besser ins Spiel kommen lassen. Vor allem auch dann, wenn China endlich seine Währung aufwerten sollte.

Das gilt auch gegen den Euro, der in den vergangenen Tagen im Unterschied zum Yen von einer gewissen Unterstützung knapp unter der Marke von 1,20 Dollar profitieren konnte. Auf diesem Niveau scheinen immer wieder Eurokäufe einzusetzen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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