07.09.2004 · Amerikanische Konjunkturdaten werden recht gerne positiv interpretiert und auch zugunsten des Dollars ausgelegt. Dabei gibt es viele fundamental Argumente, die gegen den Greenback sprechen - und eher zugunsten des Yen.
Blickt man als Anleger auf den Devisenmarkt, so fehlen zumindest in den „großen Währungen“ schon seit Monaten Impulse, die für neue längerfristige Trends sorgen könnten. Auf der einen Seite scheint sich der Dollar nach den zum Teil massiven Kursverlusten vom Jahr 2001 bis ins Frühjahr des laufenden Jahres sowohl gegen den Yen als auch den Euro stabilisiert zu haben.
„Dollarbullen“ begründen ihre Meinung mit dem angeblich dynamischen Wirtschaftswachstum in Amerika und der Erwartung auf weiterhin steigende Zinsen. Beides zusammen mache die amerikanische Währung vergleichsweise attraktiv. Vor allem im Vergleich mit Europa, wo die Wirtschaft nur relativ schwach wachse und die Finanzpolitik der großen Staaten immer unsolider werde. Dabei verweisen sie unter anderem auf die Bemühungen, den europäischen Stabilitätspakt zu verändern, was im Klartext eigentlich nur aufweichen bedeuten kann.
Einige Argumente gegen den Dollar
Solche Argumente an sich mögen stimmen. Allerdings muß man sie in der Gesamtbetrachtung mit anderen abwägen. Viele davon sprechen gegen den Dollar. Sie verweisen auf die Tatsache, daß das aktuelle Wirtschaftswachstum in Amerika in erster Linie auf unglaublich starke „regierungsinduzierte“ Impulse - extrem tiefe Zinsen, Steuersenkungen, stark steigende Staatsausgaben - zurückzuführen ist. Diese Impulse lassen sich langfristig nicht nur nicht aufrecht erhalten, sondern sie haben makroökonomisch sogar zu einer extrem prekären Lage geführt.
So hat sich die Finanzlage des amerikanischen Staates und vieler Konsumenten dramatisch verschlechtert. Sie konnten ihre Ausgaben in jüngster Zeit praktisch nur mit neuen Schulden - siehe Budgetdefizit - finanzieren. Mit steigenden Zinsen dürfte das nicht mehr möglich sein. Gleichzeitig lebt Amerika als Wirtschaftsraum sehr stark auf Kosten des Auslandes - siehe rekordverdächtiges Leistungsbilanzdefizit. Beides ist langfristig unhaltbar, eine Anpassung dürfte den Dollar unter normalen Umständen unter Druck setzen.
Der Greenback hat in den vergangenen Jahren vor allem gegen den Euro abgewertet, weniger stark gegen den Yen und die Währungen in Asien allgemein. Denn die asiatischen Staaten haben sich mit zum Teil massivsten Interventionen (Japan) oder gar eine Koppelung der Währung an den Dollar (China) gegen eine Aufwertung gewehrt. Aber auch das kann längerfristig so nicht weitergehen. Vor allem dann nicht, wenn die Wirtschaft in Asien deutlich stärker wächst als im Rest der Welt, der jedoch gleichzeitig einen großen Teil der in Asien hergestellten Güter abnimmt.
Asiatische Währungen müssen längerfristig aufwerten
Aus diesem Grund müssen die asiatischen Währungen früher oder später zum Teil deutlich aufwerten, sonst geht die Rechnung nicht mehr auf. Der Yen erhält am Dienstag gegen den Dollar etwas Rückenwind und legte bis auf 109,11 Yen je Dollar zu im Tagestief. Am Freitag war er nach positiv interpretierten amerikanischen Konjunkturzahlen bis auf 110,65 Yen je Dollar gefallen. Hintergrund ist einerseits die Tatsache, daß die japanische Börse in den vergangenen Tagen wieder deutliche Impulse nach oben zeigte. Vor allem auch das Plus von 10,7 Prozent bei den Investitionsausgaben führt zur Vermutung, das japanische Wirtschaftswachstum sei erfreulich stark und könnte ausländische Anleger noch stärker an die Börse des Landes ziehen. Davon sollte die Währung weiter profitieren können, zumindest längerfristig.
Kurzfristig könnten sich die „Dollarbullen“ von den notorisch optimistischen Äußerungen des amerikanischen Zentralbankchefs Alan Greenspan am Mittwoch inspirieren lassen. Aber zumindest die Devisenexperten von Goldman Sachs und UBS rechnen nicht mit einer nachhaltigen Dollarstärke. Im Gegenteil, sie rechnen mit dem Ausbruch der Währung aus den jüngsten Handelsspannen auf der „schwachen“ Seite. Der mittelfristige Trend im Dollar-Yen-Verhältnis zeigt nach unten und deutet damit auf einen stärkeren Yen hin.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |