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Devisen Yen fungiert kurzfristig als Krisenwährung

25.02.2010 ·  Gälte der Yen als Krisenwährung, so entwickelte sich die Wirtschafts- und Finanzkrise möglicherweise einem neuen Höhepunkt entgegen. Denn nach einer kurzen Zwischenkorrektur wertet der Yen seit Beginn des Jahres wieder deutlich auf.

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Trotz tiefer Zinsen, hoher Staatsschulden und einer schwachen Wirtschaftsentwicklung wertete der japanische Yen auf dem Höhepunkt der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008 massiv auf. Seitdem kann die Kursentwicklung der japanischen Währung an den internationalen Finanzmärkten als so etwas wie ein Krisenindikator gelten.

Träfe diese Vermutung zu - aus welchen Gründen auch immer -, so entwickelte sich die Wirtschafts- und Finanzkrise einem neuen Höhepunkt entgegen. Denn nach einer kurzen Zwischenkorrektur im Rahmen der allgemeinen Finanzmarkteuphorie in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres wertet der Yen seit Beginn des Jahres wieder deutlich auf.

Kursgewinn des Yen von mehr als zehn Prozent gegen den Euro

Gegen den Euro betragen seine Kursgewinne inzwischen mehr als zehn Prozent, gegen das britische Pfund knapp zehn Prozent, gegen den Neuseeland-Dollar und den Schweizer Franken jeweils etwa neun Prozent, gegen die norwegische Krone 7,5 Prozent und gegen die schwedische Krone, und den australischen Dollar rund fünf Prozent. Selbst gegen den amerikanischen Dollar, der in Krisenzeiten aufgrund der Repatriierung von Anlagegeldern aus dem Ausland trotz der intrinsischen Schwäche zyklisch gefragt ist, legte der Kurs der japanischen Währung rund vier Prozent zu auf zuletzt 89,42 Yen je Dollar.

Hinter dieser Entwicklung stehen schwächelnde Wirtschaftsindikatoren in Europa und den Vereinigten Staaten ebenso, wie Äußerungen des amerikanischen Zentralbankpräsidenten, man könne nicht aus der Finanzkrise herauswachsen. Dazu kommen Sorgen über die strukturellen Problem Europas, die sich in Form riesiger Staatsdefizite und notwendiger Sparmaßnahmen zeigen. Allerdings stoßen diese nach Jahrzehnten des Kredit finanzierten Scheinwohlstandes auf wenig Gegenliebe. Demonstrationen - etwa in Griechenland, Spanien und Portugal - zeigen, dass selbst schwache Korrekturbestrebungen bei der sozial- und wirtschaftspolitisch verwöhnten und verbildeten Bevölkerung erst einmal durchgesetzt werden müssen, obwohl sie unvermeidlich sind.

Japanische Unternehmen führen Gewinne zurück

Diese Beobachtung führt Marktteilnehmer zu Wetten gegen den Euro, der auf diese Weise seine in den vergangenen Jahren extrem gewordene Überbewertung abbauen kann. Diese führen zum Kauf von Dollar und Yen, da dies die einzigen Währungen sind, die genügend Volumen aufweisen. Solche Strategien fallen zusammen mit Bestrebungen japanischer Unternehmen, ihre im Ausland erzielten Gewinne vor dem Ende des japanischen Geschäftsjahres in die heimische Währung zu transferieren.

Zudem führten die Andeutung des amerikanischen Notenbankpräsidenten Ben Bernanke anlässlich des Humphrey-Hawkins Testimony am Mittwoch, die Zinsen angesichts der zu erwartenden wirtschaftlichen Schwäche weiterhin tief zu halten, zu fallenden Renditen am amerikanischen Rentenmarkt. Die Entwicklung der Renditekurve am amerikanischen Rentenmarkt korreliert stark mit der Entwicklung des Wechselkurses zwischen Dollar und Yen. Wertet der Yen gegen den Dollar auf und zeigt sich gleichzeitig der Euro gegen die amerikanische Währung schwach, so fällt der Euro gegen den Yen deutlich.

Das sind kurz- bis mittelfristige Kursbewegungen, die aufgrund der Marktdynamik weiter laufen können als allgemein erwartet. In langfristiger Betrachtung ist jedoch offen, ob der Euro tatsächlich schwächer ist als der Dollar oder der Yen. Immerhin werden die Vereinigten Staaten mit großen wirtschaftlichen und finanzpolitischen Problemen konfrontiert. Japan steht wegen der starken Verschuldung und der problematischen Bevölkerungsstruktur förmlich mit dem Rücken zur Wand.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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