15.01.2007 · Die Kursschwäche des Yen hat in den vergangenen Wochen wieder einmal überrascht, widerspricht sie doch der ökonomischen Logik. Möglicherweise läßt sich der enstandene Trend nur durch Interventionen gegen „Carry Trader“ stoppen.
Die Kursentwicklung des Yen hat in den vergangenen Wochen wieder einmal überrascht. Denn entgegen aller fundamental-ökonomischer Logik wertete er wieder gegen den Dollar ab und zeigt sich auch gegen den Euro anhaltend schwach.
Mit einem Kurs von 120,42 Yen je Dollar liegt die japanische Währung inzwischen auf dem schwächsten Niveau seit dem Dezember des Jahres 2005. Sollte sie noch weitere 100 Stellen schwächer werden, würde sie ein neues Vierjahres-Kurshoch oder Bewertungstief etablieren. Auch gegen den Euro schwächelt die Währung wieder leicht, nachdem sich in den vergangenen Tagen zunächst etwas von ihrem Allzeittief hatte erholen können. Auf handelsgewichteter Basis befindet sich die Währung auf dem tiefsten Stand seit rund 20 Jahren.
Handelsbilanz regelmäßig dominiert vom Kapitalverkehr
Hintergrund dieser Entwicklung ist kurzfristig einerseits eine gewisse Dollarerholung in den vergangenen Tagen. Sie wurde ausgelöst durch die momentane Wahrnehmung, die amerikanische Zentralbank werde trotz einer konjunkturellen Abkühlung den Leitzins nicht auf die Schnelle senken. Auf diese Weise hat die amerikanische Währung zusammen mit dem enormen Anlagebedarf der Öl- und Handelsüberschussländer mit merkantilistisch geprägten Währungsmärkten einen gewissen Rückhalt - trotz der Defizite des Landes.
Japan fällt in die Kategorie der Handelsüberschussstaaten. Allerdings wird der Einfluss der Handelsbilanz regelmäßig dominiert vom Kapitalverkehr. Denn für japanische Anleger gibt es angesichts der extrem tiefen Zinsen im Lande einen großen Reiz, das Anlagekapital auf der Suche nach einer guten Rendite an ausländische Kapitalmärkte zu transferieren. Diese Tendenz alleine bringt den Yen in eine gewisse Defensive.
Das dürfte nicht einmal unbeabsichtigt sein, profitiert die Exportwirtschaft doch davon, dass sie auf diese im internationalen Vergleich mit Konkurrenten aus „Hartwährungsländern“ gewisse Wettbewerbsvorteile erhält. Allerdings wurde diese Tendenz in den vergangenen Jahren noch durch den hohen Risikoappetit der Anleger verstärkt. Denn wenn sollte es wundern, dass sie angesichts der faktischen Abwertungsstrategie des Landes und der tiefen Zinsen die Konstellation ausnutzten, um sich günstig in Yen zu refinanzieren und um diese Mittel international renditeträchtig anzulegen.
Wann stossen merkantilistische Tendenzen an ihre Grenzen?
Fragt sich nur, wie lange sich die von dieser Strategie benachteiligten Staaten das gefallen lassen, bevor sie sich dagegen wehren. Genau aus diesem Grund dürfte Japans Regierung zwar an einem schwachen, aber nicht zu schwachen Yen interessiert sein. Immerhin hat sich Finanzminister Hideto Fujii entsprechend geäußert und sich besorgt gezeigt über „exzessive Währungsentwicklungen“. Allerdings dürfte nach Ansicht der Devisenanalysten von UBS mehr nötig sein, um den Markt beeindrucken und von den Carry Trades abhalten zu können.
So gebe es nun drei Optionen. Erstens könnten die verbalen Interventionen - Warnungen vor Carry Trades - verstärkt werden. Zweitens könnte die Regierung der Zentralbank mehr Freiheit geben, die Zinsen nach oben zu schrauben. Drittens könnte es zu direkten Interventionen kommen. Immerhin kam es in den Jahren 1997 und 1998 zu entsprechenden Schritten. Da der Yen sich inzwischen auf einem schwächeren Niveau befindet, dürften entsprechende Schritte auch früher als damals denkbar werden.
Eines ist sicher: Sollte es nach entsprechenden Warnungen zu Interventionen kommen, verfügt die japanische Zentralbank über genügend Munition: Die Währungsreserven liegen bei 875 Milliarden Dollar. Das wäre genug, um den risikoignoranten „Carry Tradern“ einen gehörigen Strich durch die bisher gut aufgehende Rechnung zu machen und um für zunehmende Volatilitäten zu sorgen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |