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Devisen Wie lange hat der Dollar noch Rückenwind?

19.10.2006 ·  Der amerikanische Dollar konnte sich in den vergangenen Wochen sowohl gegen den Euro als auch den Yen gut schlagen, obwohl viele Fundamentaldaten etwas anderes erwarten lassen. Es fragt sich nur, wie lange.

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Der amerikanische Dollar konnte sich in den vergangenen Wochen sowohl gegen den Euro als auch den Yen gut schlagen, obwohl viele Fundamentaldaten etwas anderes erwarten lassen.

Möglicherweise hat ihm jedoch gerade diese „Konsenserwartungshaltung“ zu einer gewissen Eigendynamik verholfen. Denn da der Markt, offensichtlich ausgelöst durch spekulative Carry Trades, gegen sie lief, sahen sich immer mehr „Dollarbären“ gezwungen, bestehende Positionen abzubauen und Dollar zu kaufen.

Momentaner Zinsvorteil des Dollars

Diese Entwicklung scheint gestützt worden zu sein durch einen deutlichen Zinsvorteil am kurzen Laufzeitende und nicht zuletzt auch durch die Tendenz, Aktien- und Anleihepositionen in relativ risikoreichen Schwellenländern zu reduzieren und die frei werdenden Mittel in Aktien großer Unternehmen umzuschichten. So läßt sich unter anderem auch die relativ gute Entwicklung der amerikanischen Aktien in den vergangenen Wochen erklären, die den Dow Jones auf neue Allzeithochs brachte.

Mittel- und längerfristig stellt sich allerdings die Frage, wie lange diese Entwicklung wird anhalten können. Immerhin schwächt sich sowohl die amerikanische Konjunktur ab, während das Preisniveau alles andere als zahm ist. Liest man zwischen den Zeilen und beachtet die Absicht vieler Unternehmen, die Gewinne durch Preissteigerungen steigern oder auf dem erreichten Niveau halten zu wollen, so dürfte das letzte Wort noch lange nicht gesprochen sein. Eine Kombination zwischen relativ schwachem Wachstum und einer unerwartet starken Preisentwicklung wäre jedoch das letzte, was ein stark verschuldetes Land - extrem niedrige Sparquoten und ein Leistungsbilanzdefizit auf Rekordniveau sprechen für sich - wie die Vereinigten Staaten brauchen könnte. Sie würde dem Dollar wohl kaum helfen.

Auf der anderen Seite machen in Europa Äußerungen von Seiten der Europäischen Zentralbank deutlich, daß auch hier die Inflationsentwicklung und vor allem auch die Erwartungen noch lange nicht unter Kontrolle sind. Wie könnte man das auch erwarten angesichts zum Teil massiver Preissteigerungen in manchen regionalen Immobilienmärkten, angesichts der hohen Rohstoff- und Energiepreise und nicht zuletzt auch angesichts einer unverschämten Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland. Solche Faktoren bringen das gewohnte Preisgefüge durcheinander und verunsichern die Verbraucher.

Preisentwicklung in Europa noch lange nicht entspannt

So dürfte es kaum verwundern, daß sich die Zentralbank besorgt über die Entwicklung der Preiserwartungen zeigt. Wie recht sie damit hat zeigt sich an der Tatsache, daß man beinahe schon täglich sorgenvolle Gespräche über die Preisentwicklung an der Ladentheke wahrnehmen kann. Das deutet insgesamt auf höhere Zinsen in Europa hin, als sie der Markt bisher erwartet. So könnte sich der Zinsvorteil des amerikanischen Dollars im Verhältnis zum Euro rasch verflüchtigen.

Selbst aus Japan gab es in den vergangenen Tagen Äußerungen, die die so genannten Carry Trades, also die Kreditaufnahme in Regionen mit niedrigen Zinsen und die spekulative Geldanlage in höherverzinslichen Ländern, für bedenklich hielten. Dem kann das Land schlußendlich nur abhelfen, indem es die notwendigen Strukturbereinigungen durchführt und die Zinsen erhöht. Immerhin kann es sich das angesichts des Wachstums im Lande leisten. Außerdem hat es lange genug zu Lasten anderer - die Entwicklung von Euro-Yen spricht für sich - davon gelebt, die eigene Währung künstlich zu schwächen.

Insgesamt dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis der Dollar wieder deutlich unter Druck geraten wird. Immerhin hat er schon am Donnerstag gegen den Euro von 1,2521 auf 1,2577 Dollar nachgegeben und zeigt sich selbst gegen den Yen etwas leichter.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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