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Devisen Währungsbewegungen in Lateinamerika zeigen Unruhe an

19.09.2002 ·  Sieben der zehn schwächsten Währungen gegen den Dollar im laufenden Jahr sind in Lateinamerika zu finden. Das könnte ein Alarmzeichen sein.

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Mit einem weiteren Verfall des kolumbianischen Peso auf ein Rekordniveau von 2.805 Peso pro Dollar zeigt die nur die Spitze der Sorgen über eine schwache Exportnachfrage aus den USA und die Angst davor, dass Argentinien seine Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen kann. Das könnte die Staaten der gesamten Region belasten.

Der mexikanische Peso gab gleichzeitig 1,7 Prozent auf ein Dreijahrestief von 10,18 Peso pro Dollar nach. Sieben von zehn der schwächsten Währungen gegen den Dollar kommen allein aus Lateinamerika. Das unterstreicht die Skepsis der Anleger für die diesen großen Wirtschaftsraum nach der Pleite Argentiniens. Dessen Währung hat nach der Abwertung im laufenden Jahr satte 73 Prozent ihres Wertes verloren, Venezuelas Bolivar gab 48 Prozent nach, Uruguays Peso 47 Prozent, der brasilianische Real 32 Prozent, der kolumbianische Peso 32 Prozent, Mexikos Peso zehn Prozent und der chilenische Peso 9,5 Prozent. Deutlicher kann das Misstrauensvotum kaum noch sein.

Schwache Weltwirtschaft senkt die Nachfrage nach den Währungen

Dazu kommt die stark gefährdete Weltkonjunktur, die unter einem hohen Ölpreis, Bilanzskandalen und fallenden Börsen ächzt. Untersuchungen zeigen, dass die Direktinvestitionen in Brasilien und anderen Emerging-Market-Staaten auf den tiefsten Stand des vergangenen Jahrzehnts fallen werden. Das führt neben den abflauenden Exporten zu einer schwächer werdenden Nachfrage nach den lokalen Währungen.

In Mexiko zeigen sich auch schon die ersten Konsequenzen. Denn eine schwächere Währung macht die Importe teurer und heizt so die Inflation an. So werden die Bemühungen der Zentralbank die Preisstabilität herzustellen konterkariert. Schon jetzt liegt der Konsumentenpreisindex ein Prozentpunkt über dem Ziel von 4,5 Prozent. So „könnte der Einfluss auf die Inflationsentwicklung größer sein, als erwartet“, sagt etwa Eduardo Avila von Interacciones Casa de Bolsa in Mexico City.

In Kolumbien ist aus Sorge über die Entwicklung in Brasilien und die Schuldenfinanzierung von Militärausgaben nicht nur die Währung auf ein Rekordtief gefallen, sondern auch die Anleihen. Der zehnjährige TES fiel auf 89,01 Prozent und rentiert bei einem Kupon von 15 Prozent mit 17,4 Prozent.

Brasilianische Finanzmärkte unter Druck

Auch in Brasilien selbst steht nicht nur der Real, sondern auch die Anleihen und die Börse unter Druck. Der Real hat in den vergangenen beiden Tagen jeweils drei Prozent verloren und liegt mit 3,4515 Real pro Dollar auf oder gar leicht über dem Rekordniveau vom Juli. Die siebenjährige Staatsanleihe mit einem Kupon von 14,5 Prozent hat wieder eine Rendite von 24,87 Prozent. Anfang September lag sie noch bei etwas mehr als 20 Prozent. Der Bovespa hat alleine in der laufenden Woche knapp acht Prozent auf 9.372 Punkte verloren.

Denn weniger als drei Wochen vor dem Wahltag am 6. Oktober hat der linkspopulistische Präsidentschaftskandidat Luiz Inacio Lula da Silva seine Führung jüngsten Umfragen zufolge ausgebaut. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage hat Lula 42 Prozent Zustimmung bei den Wählern und damit drei Prozentpunkte mehr als bei der vorherigen Umfrage vom 12. September. Dagegen rutschte die Zustimmungsquote für den an den Finanzmärkten bevorzugten Präsidentschaftskandidaten Jose Serra auf 17 von zuvor 19 ab.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) versucht die Stimmung zu beruhigen und erwartet bei einem Wahlsieg Lulas in Brasilien keine größeren Änderungen in der Wirtschaftspolitik des Landes. „Wenn Kandidat Lula die Präsidentenwahlen gewinnt, wird es seitens seines Teams von Wirtschaftsexperten keine substanziellen Änderungen geben", sagte IWF-Direktor Claudio Loser. Aber die Märkte dürften vorsichtig bleiben, denn zu oft haben sich Anleger auf Grund falscher Versprechungen die Finger verbrannt.

Der Chart zeigt die Entwicklung des brasilianischen Real gegen den Dollar im vergangenen Jahr (inverse Skala)

Quelle: @cri
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