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Devisen & Währungen Baudarlehen - Carry-Trades des kleinen Mannes

29.08.2007 ·  Österreicher und Spanier scheinen in Geldangelegenheiten forscher als der deutsche Bausparer zu denken: Darlehen in Niedrigzinswährungen weit verbreitet und haben sich für Immobilienfinanzierer gelohnt. Jetzt wird es unruhiger.

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Österreicher und Spanier scheinen in Geldangelegenheiten forscher als der deutsche Bausparer zu denken. Anders als hierzulande sind im europäischen Ausland Darlehen in Niedrigzinswährungen weit verbreitet. In Japan und der Schweiz ist das Zinsniveau deutlich niedriger als in der Heimat. Deutsche Bauherren nutzen solche Finanzierungen bisher nur selten. Allerdings versuchen einige österreichische Banken, in Süddeutschland an Boden zu gewinnen.

Der gleiche Zinsvorteil, der die Baufinanzierung erleichtern kann, ist auch die Grundlage für die Spekulation institutioneller Anleger, die die Zinsdifferenzen für sogenannte Carry-Trades nutzen. Das günstig in Yen, Franken oder anderen Niedrigzinswährungen aufgenommene Geld haben sie andernorts angelegt, häufig riskanter. Lange ging die Rechnung auf, doch inzwischen sind die Verhältnisse auf den Kapitalmärkten rauher geworden. Die Risiken werden seit Beginn der vom amerikanischen Hypothekenmarkt ausgehenden Finanzkrise höher bewertet. Viele der Carry-Trades haben die professionellen Investoren deshalb aufgelöst. Der Tausch retour in Yen und Franken hat den Außenwert der Niedrigzinswährungen in den vergangenen Wochen gestärkt, zum Nachteil der Schuldner, die ihre Darlehen noch zu bedienen haben.

Grenzüberschreitende Baudarlehen - Carry-Trades des kleinen Mannes

Noch halten sich die Bewegungen der Wechselkurse in erträglichen Grenzen. Im Vergleich zum Jahresbeginn hat der Außenwert des Franken in der Relation zum Euro sogar leicht abgenommen, zum Vorteil der Fremdwährungsschuldner. Doch seit Anfang Juni hat die Tendenz gewechselt. Der Franken hat um rund 1 Prozent, der Yen um 5 Prozent aufgewertet. Setzt sich diese Bewegung fort, wird es auch für Baudarlehen in Fremdwährungen, die Carry-Trades des kleinen Mannes, unruhiger.

Noch blicken die Fremdwährungsschuldner auf eine erfreuliche Wertentwicklung zurück. Rechnet man Zinsvorteil und Wechselkursentwicklung zusammen, haben Bauherren, die im Jahr 2000 einen Frankenkredit aufgenommen haben, etwa 10 bis 15 Prozent gespart im Vergleich zu einer Euro-Finanzierung. Bei den Yen-Finanzierungen ist der Vorteil noch größer. Der Yen hat in der Relation zum Euro seit 2000 um ein Drittel abgewertet. Damals kostete ein Euro rund 100 Yen, heute sind es 155 Yen. Damals konnte ein Kredit über 10 Millionen Yen in 100.000 Euro umgetauscht werden. Wer heute 10 Millionen Yen zurückzahlen muss, braucht dafür nur 64.500 Euro.

Derartige Beispiele nutzen die Vermittler in der Werbung. Wegen der geringeren Schwankungsanfälligkeit empfehlen sie den Schweizer Franken. Der Auftritt ist mitunter forsch. So verspricht ein österreichischer Anbieter "Fremdwährungsdarlehen ohne Risiko". Der Kredit sei variabel verzinst und könne bei einer ungünstigen Entwicklung gekündigt werden. Außerdem würden auf die Kreditraten zusätzlich zu Zins und Tilgung 20 Prozent als Sicherheitspuffer aufgeschlagen.

„Fremdwährungsdarlehen ohne Risiko“ - wer's glaubt wird selig

"Aus diesem Grund gibt es in Österreich kein Währungsrisiko", behautet der Wiener Verkäufer, der sich am Telefon in Rage spricht. Der Kredit werde am Ende der Laufzeit zurückgezahlt. Die Tilgung fließe bis dahin in eine britische Lebensversicherung, die mehr abwerfe als deutsche, behauptet er. Und die Rendite sei - das lehre die Erfahrung - höher als die Zinsbelastung des Darlehens. Kurzum, der Kunden gehe fast kein Risiko ein, und wer die Annahmen in Frage stelle, sei eben zu risikoscheu und nicht der richtige Kunde. Verbraucherschützer schlagen angesichts solcher Argumente die Hände über dem Kopf zusammen. Denn zum Währungsrisiko kommt in dieser Konstruktion das Kapitalmarktrisiko hinzu. Britische Lebensversicherer investieren einen großen Teil ihrer Anlagen auf dem Aktienmarkt.

Gleichwohl sind Fremdwährungsanleihen für wohlhabende Schuldner, die Einbußen verkraften können, eine Alternative zum Euro-Kredit. Üblicherweise werden die Darlehen variabel verzinst, der Kreditzins alle drei bis sechs Monate an das jeweilige Zinsniveau (Libor) der Fremdwährung angepasst. Hinzu kommt die Marge der Bank, die meist zwischen 1,25 und 1,5 Prozent liegt. Ein Franken-Kredit kostet bei einem Libor-Satz von derzeit 2,85 Prozent also 4,1 bis 4,35 Prozent. Yen-Kredite kosten den Libor-Satz von derzeit 0,8 Prozent zuzüglich der Marge. Das sind derzeit etwa 2,3 Prozent. Zum Vergleich: Günstige deutsche Baukredite sind mit Festzins bei einer Bindung über zehn Jahre für etwa 4,7 Prozent zu haben.

Quelle: F.A.Z., 30.08.2007, Nr. 201 / Seite 21
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