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Devisen und Rohstoffe Rekordanstieg des Goldpreises

18.09.2008 ·  Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten flüchten immer mehr Anleger in die Sicherheit des gelben Edelmetalls. Gold ist in nur zwei Tagen um mehr als 100 Dollar teurer geworden. Aktien von Goldminen bergen langfristig Risiken.

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Nach seinem Rekordsprung vom Vortag hat der Goldpreis seinen Höhenflug am Donnerstag fortgesetzt. Als Reaktion auf die jüngste Zuspitzung der Finanzkrise war die Goldnotierung bis zum Mittag um mehr als 100 Dollar auf bis zu 893 Dollar je Feinunze angestiegen, fiel dann jedoch wieder leicht, als sich die Aktienmärkte wieder etwas beruhigten. Grund für den starken Anstieg des Goldpreises sind die immer neuen Hiobsbotschaften aus der angelsächsischen Finanzwelt.

Viele Anleger ziehen ihr Geld von den Börsen ab und fliehen in die Sicherheit des gelben Edelmetalls. Die Nachfrage nach den gängigen Goldmünzen American Eagle, Britannica und vor allem dem südafrikanischen Krügerrand ist überall auf der Welt in die Höhe geschnellt. „Besonders am Mittwoch standen bei uns die Telefone nicht mehr still", sagt Robert Hartmann, Mitinhaber von Pro Aurum, des größten privaten Handelshauses für Edelmetalle im deutschsprachigen Raum. Dabei befindet er sich nach eigener Aussage in einem Dilemma: „Wir könnten das Geschäft unseres Lebens machen, können aber nicht mehr liefern", sagt der Edelmetallhändler. Viele Prägeanstalten nähmen mittlerweile keine Aufträge mehr an, weil sie bereits über Wochen ausgebucht seien.

Viele Anleger sind in den vergangenen Wochen aus dem Markt ausgestiegen

In den vergangenen Wochen hatte der Goldpreis hingegen eine heftige Kurskorrektur erlebt. Noch vor einer Woche war er vorübergehend auf 736 Dollar je Unze und damit den tiefsten Stand seit elf Monaten gefallen. Das lag jedoch weniger an der mangelnden Kauffreude der Kleinanleger, sondern an der Geldnot einiger großer Investoren. „In den vergangenen Wochen sind viele große Marktteilnehmer wie Hedge-Fonds aus den Edelmetallen ausgestiegen", sagt Thorsten Proettel, Rohstoffanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. In acht Wochen seien 316.000 Terminkontrakte auf Gold verkauft worden - das entspricht etwa 360 Tonnen des gelben Edelmetalls.

Dieser Preisverfall scheint nach Ansicht von Analysten jedoch nun erst einmal gestoppt. „Die Investmentnachfrage dürfte jetzt wieder deutlich anziehen", schreiben die Rohstoffexperten der Commerzbank in einem Bericht. Das könne auch erklären, warum der starke Preisanstieg am Mittwoch weitgehend unabhängig von der Entwicklung des Dollar erfolgte. „Angesichts der Nachrichtenlage sollte der Goldpreis weiter steigen", prognostiziert die Commerzbank. Eine weitere Stütze sehen Analysten in der hohen Goldnachfrage in Indien und dem Nahen Osten. Im August erreichten die indischen Goldeinfuhren den höchsten Stand seit 20 Jahren, in Abu Dhabi vervierfachten sie sich sogar.

An der südafrikanischen Börse JSE gehörten die Goldminenaktien am Donnerstag zu den Tagesgewinnern. Nach einer monatelangen Schwächephase stiegen die Aktienkurse der größten Produzenten Anglogold Ashanti, Gold Fields und Harmony zeitweise um 4 bis 11 Prozent. Der Goldmining-Index der JSE verbesserte sich um etwa 7 Prozent. Händler sagten, die Papiere profitierten vom Sprung des Goldpreises und von Anlegern, die auf kurzfristige Gewinne spekulierten.

Goldminenaktien schwer von den Turbulenzen am Markt gebeutelt

In den vergangenen Monaten waren Goldminenaktien schwer von den Turbulenzen am Markt gebeutelt worden. Die Kurse gaben stärker nach als der Goldpreis. Ende August sanken sie auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. Trotz der Kursgewinne vom Donnerstag notieren die Aktien immer noch deutlich unter ihren Höchstständen in der ersten Jahreshälfte. David Shapiro, Marktbeobachter von Sasfin Securities, bezeichnete die jüngste Entwicklung als "kurzfristiges Aufflackern". "Die langfristigen Aussichten für Goldproduzenten bleiben getrübt. Aus dem Sektor ist die Luft raus."

Rohstoffwerte aus Schwellenländern sind in den vergangenen Wochen besonders hart von den Turbulenzen am Markt getroffen worden. Für Südafrikas Goldproduzenten kommt erschwerend hinzu, dass sie mit steigenden Kosten und Produktionsschwierigkeiten im Heimatland zu kämpfen haben. Südafrika, einst der wichtigste Goldproduzent der Welt, verliert zunehmend an Bedeutung. Vor kurzem musste das Land seine Führungsrolle an China abgeben. Da die Goldvorkommen zur Neige gehen, graben die Goldschürfer immer tiefer nach dem Edelmetall. Dies treibt die Kosten in die Höhe und verschärft die Sicherheitslage in den Bergwerken. Gleichzeitig führt die andauernde Stromknappheit zu Produktionseinbußen. Die Energiekosten sind in diesem Jahr um rund ein Fünftel gestiegen. „In China subventioniert die Regierung die Goldproduzenten, in Südafrika müssen sie Steuern bezahlen", sagt James Moore vom Edelmetall-Informationsdienst 'The Bullion Desk'. Außerdem lägen die Vorkommen in China weitaus näher an der Erdoberfläche.

„Südafrikas Goldminenunternehmen haben die besten Zeiten in ihrer Geschichte hinter sich", resümiert Shapiro. Am besten schnitten Unternehmen ab, die international diversifiziert seien und sich nicht nur auf die teure und gefährliche Goldgewinnung aus tiefen Minen konzentrieren. Dazu gehörten Anglogold Ashanti und Gold Fields. Zum Schutz gegen Inflation und Wirtschaftskrisen griffen Anleger aber heute ohnehin eher zu sogenannten Exchange Traded Funds als zu Minenaktien, wenn sie kein physisches Gold erwerben wollten. Mit diesen Exchange Traded Funds kann Gold genauso leicht wie ein Wertpapier gehandelt werden.

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