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Devisen Technische Korrektur der türkischen Lira

18.03.2005 ·  In den vergangenen Tagen kam es an den Finanzmärkten der Schwellenländer zu Korrekturbewegungen. Unter anderem bei der türkischen Lire gegen den Euro. Eine weitere Abschwächung scheint sich technisch ableiten zu lassen.

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Nach zum Teil eindrucksvollen Trends in den vergangenen Monaten in den Schwellenländern scheint in jüngster Zeit die Nervosität zuzunehmen. Vielfach kam es zu zum Teil schnellen, deutlichen Korrekturen. Sowohl an den Börsen, den Renten- und auch an den Devisenmärkten.

Das zeigte sich auch am Beispiel der Türkei. An der Börse hatte der ISE 100 Index im Jahr 2003 einen Aufwärtstrend etabliert, der in den vergangenen Monaten durch die verstärkte EU-Beitrittsphantasie noch verstärkt wurde. Ende Februar erreichte der Index mit 28.409,54 ein neues Allzeithoch.

Türkische Lire - Rückkehr in das Abwertungsband

Danach hat der Index allerdings innerhalb weniger Tage bis zu knapp 16 Prozent nachgegeben, bevor er am Freitag wieder leicht zulegt. Auch die Anleihen haben deutlich nachgegeben. Die Staatsanleihe mit einer Restlaufzeit von fünf Jahren und einem Kupon von 15 Prozent in lokaler Währung hat in den vergangenen Tagen etwa vier Prozent ihres Wertes verloren.

Auch die neue türkische Lire ist deutlich in die Defensive geraten, nachdem sie sei Dezember des vergangenen Jahres unter anderem auf Grund der EU-Euphorie gegen den Euro deutlich zugelegt hatte. Waren Mitte Dezember noch 1,9319 Lire nötig gewesen, um einen Euro erwerben zu können, so waren dafür am neunten März noch 1,66 Lire oder rund 14 Prozent weniger nötig. Nach den Kursverlusten der vergangenen Tage müssen inzwischen wieder 1,7492 Lire für einen Euro bezahlt werden.

Hintergrund ist die zunehmende Nervosität über die weitere Wirtschafts- und Zinsentwicklung in den Vereinigten Staaten. Sollten in Amerika die Zinsen unerwartet deutlich steigen, könnte das unterschiedliche Effekte haben. Erstens würden die Wertpapiere in den Schwellenländern im direkten Vergleich den Anleihen der Industriestaaten weniger interessant werden. Kurzfristig könnte sich damit die Korrektur ausweiten. Längerfristig würden steigende Zinsen jedoch die Wachstumserwartungen und damit die Zinsängste dämpfen. Das würde sie wiederum wieder interessant machen.

Weitere technische Korrekttur möglich

Im Moment läßt sich nicht abschätzen, welche Meinung sich wann durchsetzen wird. Genau das aber könnte in den kommenden Monaten zu einer gewissen Volatilität führen. Sollten die Anleger in diesem Zusammenhang ihren Risikoappetit etwas zurücknehmen, wäre das eine weitere Erklärung für Gewinnmitnahmen.

Mit Blick auf die türkische Lire scheint aus diesem Grund die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen zu sein, daß sie nach der Rückkehr ins das leicht geneigte Abwertungsband gegen den Euro dessen oberem Rand zustreben könnte. Die technischen Analysten von BNP Paribas jedenfalls halten in den kommenden Wochen Kurse von 1,94 bis 1,97 neuen türkischen Lire je Euro für möglich. Die längerfristige Zielzone liegt nach ihrer Einschätzung zwischen 1,94 und zwei Lire je Euro.

Trotz der Euphorie der vergangenen Wochen unterscheidet sich auch die fundamentale Situation der Türkei von der der rohstoffreichen Schwellenländer. Denn erzielen jene unter anderem auf Grund der Nachfrage nach Rohstoffen Leistungs- und zum Teil auch Budgetüberschüsse, so kommt die Türkei auf Grund des boomenden Konsums und der Importe auf ein Leistungsbilanzdefizit von etwa fünf Prozent. Das spricht nicht unbedingt für die Währung. Fakt ist auch, daß die Euphorie über die Entwicklung in der Türkei größer sein mag, als die politische Reformarbeit. Auf der anderen Seite ist es der Türkei ist immerhin gelungen, die Budgetposition auf Grund der gefallenen Zinsen zu verbessern.

Insgesamt scheint kurzfristig eine weitere Korrektur der türkischen Währung gegen den Euro möglich zu sein. Während mittelfristig die Aufwertungsphantasie gedämpft sein dürfte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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