09.12.2005 · Am Devisenmarkt haben sich bisher die Währungen jener Staaten gut geschlagen, in denen die Zinsen stiegen oder die vom Rohstoffboom profitieren konnten. Davon profitierten der Dollar und vor allem die südamerikanischen Währungen.
Es mag noch etwas früh sein für einen abschließenden Blick auf die internationalen Währungsmärkte für das laufende Jahr. Eines steht jedoch jetzt schon zu gut wie fest: Die südamerikanischen Währungen haben sich bisher sowohl gegen den Dollar als auch gegen den Euro hervorragend geschlagen.
Allen voran der brasilianische Real. Die Währung des größten südamerikanischen Landes hat gegen den Euro seit Ende des vergangenen Jahres satte 35,73 Prozent aufgewertet und gegen den Dollar knapp 18 Prozent. Deutliche Kursgewinne konnten aber auch der Uruguay-Peso und der Chilenische Peso verbuchen. Gut im Rennen lagen auch die Währungen Mexikos und Kolumbiens.
„Zinsschwache“ Währungen in der Defensive
Auf der Verliererseite sind ganz unten die Währungen der Chaosstaaten Simbabwe und Botswana zu finden. Gefolgt von den Währungen Schwedens, Ungarns und Japans. Die schwedische Krone hat gegen den Euro immerhin 4,38 Prozent nachgegeben und der ungarische Forint knapp 3,9 Prozent. Gegen den amerikanischen Dollar fielen die Kurseinbußen natürlich noch ausgeprägter aus.
Die Hintergründe dieser Entwicklungen lassen sich zumindest nachträglich erklären. So scheint das bisherige „Devisenjahr“ einerseits von der Zinsentwicklung dominiert worden zu sein. Aufgrund deutlich steigender Leitzinsen in Amerika konnte sich der Dollar in den vergangenen Monaten von der Schwächephase der Jahre zuvor erholen und zum Beispiel etwa 13 Prozent gegen den Euro zulegen.
Die Währung des Landes konnte einerseits davon profitieren, daß die Zinsen in Europa und in Japan zumindest bisher tief blieben. Auf dieser Basis konnten sich spekulative Anleger in Japan und Europa günstig refinanzieren, um die aufgenommenen Gelder in den Vereinigten Staaten profitabel „arbeiten“ zu lassen. Diese Strategie macht sich doppelt bezahlt, solange die amerikanische Währung gleichzeitig noch aufwertet. Der Greenback dürfte allerdings auch von steuerlichen Anreizen profitiert haben, die international tätige Unternehmen dazu verleitet haben, Gelder zu repatriieren.
Die Frage ist allerdings, wie lange solche Effekte anhalten können und wie schnell und stark es zu einer Gegenbewegung kommt. Sie könnte dann eintreten und schnell an Dynamik gewinnen, wenn einerseits die Zinserwartungen in Amerika enttäuscht werden sollten. Auf der anderen Seite können auch Zinserhöhungen in Europa und eine Verringerung der Liquiditätsausstattung in Japan zu einem solchen Prozeß führen. Dann dürften manche Anleger nicht tun gezwungen sein, ihre spekulativen Dollarbestände abzubauen, sondern die Sorge über das große und gleichzeitig zunehmende Leistungsbilanzdefizit Amerikas kann wieder in den Blickpunkt geraten.
„Zinsgewinnler“ und „Rohstoffprofiteure“ sind obenauf
Auf der anderen Seite haben sich die Währungen der Schwellenländer und der so genannten Commodity-Staaten hervorragend geschlagen. Hier macht sich der weltweite Appetit nach Rohstoffen bemerkbar. Er führt nicht nur originär zu einer zunehmenden Nachfrage nach den Währungen dieser Staaten. Sondern indirekt verbessert sich auch die wirtschaftliche und finanzielle Lage dieser Regionen. Das macht sie immer attraktiver für internationale Anleger. Aus diesem Grund strömen sie an die Finanzmärkte dieser Staaten und kurbeln auch auf diese Weise die Nachfrage nach den Währungen dieser Staaten an.
Die typischsten Beispiele dürften in Mittel- und Südamerika zu finden sein. Denn in Staaten wie Mexiko und oder Brasilien boomen nicht nur die Währungen, sondern auch die Börsen. Diese Entwicklung dürfte anhalten, solange es weltwirtschaftlich zu keinen größeren Turbulenzen kommt. Sie könnten dann auftauchen, wenn der stark kreditfinanzierte amerikanische Konsum schwächeln sollte. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, die Trends weiter zu verfolgen, aber immer auf mögliche Störungsquellen zu achten.
Die Frage ist allerdings, wie lange ...
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 09.12.2005, 19:41 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |