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Sonntag, 19. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Devisen Starker Franken an der Demarkationslinie

11.03.2010 ·  Auch nach der Entscheidung der Schweizer Zentralbank über die weitere geldpolitische Strategie liegt der Kurs der Währung mit 1,4608 Franken je Euro nahe an der „Demarkationslinie“ von 1,45 Franken je Euro. Sie scheint eine Schmerzgrenze zu sein.

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Nach der Entscheidung der Schweizer Zentralbank über die weitere geldpolitische Strategie liegt der Kurs der Währung mit 1,4618 Franken je Euro nahe an der „Demarkationslinie“ von 1,45 Franken je Euro, die in der Vergangenheit als Schmerzgrenze gegolten zu haben scheint.

Genau vor einem Jahr hatte die Währung im Nachklang zur Finanzkrise wieder dieses Niveau erreicht, nachdem der Kurse im Oktober des Jahres 2008 auf bis zu 1,4490 Franken je Euro gefallen war. Im vergangenen Jahr implementierte die Schweizer Nationalbank schließlich eine Interventionspolitik, die verhindern sollte, dass die eigene Währung zu stark aufwerten würde.

Delevergaging und Außenhandelsüberschuss machen den Franken stark

Auf diese Weise versuchte sie die eigene Exportindustrie zu schützen, die kompetitive Nachteile befürchten musste, je stärker der Franken wurde. Die Frankenstärke leitete sich damals weder aus wirtschaftlicher Stärke noch aus geldpolitischen Reizen ab, sondern sie war die Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise. Denn plötzlich versuchten Kreditnehmer, die sich in der Vergangenheit im Rahmen der so genannten Carry Trades in Franken refinanziert hatten, ihre Risiken zu reduzieren. Gleichzeitig waren die großen Schweizer Banken, die für das kleine Land viel zu groß geworden waren und noch sind und die zudem durch Garantien gestützt werden mussten, gezwungen, ihre Bilanzen zu schrumpfen. Auch das trägt zusammen mit dem persistenten Überschuss im Außenhandel zu einer Nachfrage nach Franken bei und führt zu einem gewissen Aufwertungsdruck.

Nachdem sich die Schweizer Export- und Binnenwirtschaft zu erholen scheint, erwarteten Experten zwar, dass die Schweizer Notenbank ihre interventionistische Haltung weiter abschwächen werde. Möglich sei eine geordnete Aufwertung des Franken zum Euro, hieß es im Vorfeld. Allerdings hatte sie schon im Dezember des vergangenen Jahres ihre Abneigung gegen eine Aufwertung etwas abgeschwächt. Das hatte zusammen mit den im Rahmen der „Griechenlandkrise“ aufkommenden Spekulationen gegen den Euro und aufkommenden Zinserhöhungserwartungen dazu geführt, dass der Kurs von damals 1,51 Franken auf den aktuellen Kurs gefallen ist. Die Schweizer Währung hat also seitdem etwas mehr als drei Prozent aufgewertet.

Zentralbank dürfte ihn kaum stärker machen wollen

Aus diesem Grund will nun die Zentralbank weiteren Aufwertungsdruck vermeiden. Die Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz bleibe fragil, der Inflationsdruck halte sich in Grenzen und eine weitere Aufwertung sei unverwünscht, teilte sich am Donnerstagmittag mit. Immerhin ist das Land mit der Euro-Zone wirtschaftlich stark verflochten. Zudem bleibt der Schweizer Leitzins unverändert auf dem extrem tiefen Stand von 0,25 Prozent, obwohl der SVME-Einkaufsmanager-Index auf expansive wirtschaftliche Aktivitäten hindeuten, obwohl sich der Konsum robust entwickelt und obwohl die Exporte im Januar im Vergleich mit dem Vorjahr um 3,2 Prozent zunahmen. Auf der anderen Seite hat die Zentralbank in den vergangenen Monaten begonnen, das Wachstum der Geldmenge zu bremsen. Das deutet auf eine langsam restriktiver werdende Geldpolitik hin.

Sie ist auch dringend notwendig, angesichts der Verwerfungen, die zu tiefe Zinsen und zu hohe Geldmengen an den Vermögensmärkten anzurichten drohen. Denn längst deuten sich in manchen Bereichen - Energie und Industriemetalle sind schon wieder sehr teuer geworden und sorgen für steigende Inflationsraten - die Entstehung von Vermögenspreisblasen an. Die gälte es zu vermeiden, sollten die Zentralbanken überhaupt etwas aus der vergangenen Krise gelernt haben. Immerhin war sie letztlich das Resultat einer geplatzten Vermögenspreisblase, die zu einem institutionellen Run auf die Banken führte.

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