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Devisen Schwaches Wachstum bringt den Dollar in die Defensive

27.10.2006 ·  Der amerikanische Dollar konnte sich in den vergangenen Wochen sowohl gegen den Euro als auch den Yen aufgrund des Zinsvorteils gut schlagen. Geht ihm nun nach schwachen Wachstumszahlen die Zinsphantasie aus?

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Die Finanzmärkte sind schon seit Monaten wetterwendisch. Gingen im Mai Wachstums-, Inflations- und Zinssorgen um und führten zu entsprechenden Korrekturen, so drehte sich diese Erwartung in den vergangenen Wochen geradezu ins Gegenteil.

Plötzlich ging der Markt von einem überraschend stark bleibenden Wachstum in den Vereinigten Staaten aus und spekulierte zumindest im Devisenbereich sogar auf weitere Leitzinserhöhungen. Allerdings deutete die amerikanische Zentralbank am vergangenen Mittwoch nach der Sitzung des zinsbestimmenden Gremiums keineswegs darauf hin. Sie warnte zwar vor Inflationsgefahren, äußerte aber die Hoffnung, sie würden im Rahmen eines schwächer werdenden Wachstums abflauen.

Schwache Entwicklung des amerikanischen Wachstums ...

Gleichzeitig ging sie davon aus, daß das amerikanische Wirtschaftswachstum zwar abnehmen, aber keinesfalls in einer Rezession münden würde. Ob diese Annahme berechtigt ist, wird sich erst noch zeigen müssen. Denn mit einem Plus von 1,6 Prozent auf Jahresbasis oder 0,4 Prozent auf Quartalsbasis fiel das Bruttoinlandsprodukt des Landes im dritten Quartal des laufenden Jahres unerwartet schwach aus. Gleichzeitig lag der Personal Consumtion Price Index mit plus 2,3 Prozent auf Quartalsbasis relativ hoch und setzte auf diese Weise den Aufwärtstrend der vergangenen Monate fort.

Bedenklich ist vor allem der Wachstumstrend der vergangenen Quartale in den Vereinigten Staaten. Denn er zeigt eindeutig nach unten: Nach 5,6 Prozent im ersten und 2,6 Prozent im zweiten und 1,6 Prozent Wachstum auf Jahresbasis rechnen kritische Beobachter mit einer Stagnation im vierten Quartal und gar mit einer rezessiven Entwicklung im kommenden Jahr. Zumindest die Börsianer scheinen das nicht glauben zu können und wollen, während der Rentenmarkt trotz einer hartnäckigen Preisentwicklung haussiert.

Der Bund-Future verbuchte am Freitag Kursgewinne von bis zu 47 Stellen zu auf 117,23 Prozent, während der Buxl-Future, also der Terminkontrakt auf 30jährige Anleihen, bis zu 90 Stellen auf bis zu 100,44 Prozent in der Tagesspitze zulegte. Auch die amerikanischen Zinsterminkontrakte legen zu.

Hintergrund dieser Entwicklung ist die sich nun wieder verstärkende Vermutung, die amerikanische Zentralbank könnte trotz einer starken Liquiditätsversorgung dazu tendieren, bald wieder Zinsen zu senken, um der sich entwickelnden konjunkturellen Schwäche entgegenzuwirken. Diese Erwartung bringt allerdings den Dollar in die Defensive, hatte er in den vergangenen Wochen doch vom anhaltenden Wirtschaftsoptimismus und den dadurch induzierten Zinserwartungen profitieren können.

... nimmt dem Dollar die Zinsphantasie

Immerhin liegen die amerikanischen Zinsen im Bereich kurzfristiger Zinsen deutlich über den japanischen, den schweizerischen und den europäischen. Diese Konstellation hatte in den vergangenen Wochen zu den so genannten Carry Trades geführt, also zu Kreditaufnahmen in Japan und der Schweiz und der Anlage dieser Gelder am amerikanischen Zinsmarkt. Diese Strategie führt zu risikolosen Gewinnen, sofern die Wechselkurse nicht in die falsche Richtung laufen.

Und genau hier liegt das Risiko einer größeren Kursbewegung am Devisenmarkt. Denn sollten die „Carry-Trader“ zur Auffassung gelangen, sie müßten mit deutlicheren Wechselkursschwankungen rechnen, dürften sie geneigt sein, ihre Positionen rasch glattzustellen. Das heißt, sie würden Dollar verkaufen und Yen, Franken und Euro erwerben. Dieser Impuls könnte fundamentale Impulse verstärken, die von den riesigen Defiziten Amerikas ausgeht.

Auf dieser Basis dürfte der Dollar bei allem Optimismus mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden müssen, vor allem falls die amerikanische Konjunktur noch schwächer werden sollte. Die Entwicklung im Immobiliensektor und deutliche Gewinnwarnungen bei Unternehmen wie Caterpillar können zu denken geben. Fakt ist, daß der Euro am Freitag in wenigen Minuten von 1,2664 auf 1,2741 Dollar gestiegen und der Greenback von 118,72 auf 117,34 Yen gefallen ist und dabei den mittelfristigen Aufwertungstrend durchbrochen hat. Diese Entwicklung könnte sich bei weiter schwindender Zinsphantasie in Amerika verstärken, zumal der Yen gegen den Dollar nach Experteneinschätzung rund zehn Prozent unterbewertet ist.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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