Nicht nur die japanische Wirtschaft schrumpft, sondern auch die japanische Währung steht unter Druck und schwächt sich weiter ab. Gegen den Dollar fiel sie am Freitag bis auf 129,70 Yen und damit auf den tiefsten Stand seit etwas mehr als drei Jahren. Der Euro hat gegen den Yen auf unter 115 nachgegeben, nachdem er in der Spitze bis auf knapp 116 Yen angestiegen war.
Sorgen über die schwache Wirtschaft und deren Konsequenzen führen zur Schwächung des Yen. So hat die japanische Notenbank am Donnerstag im siebten Monat in Folge ihre Wachstumserwartungen nach unten geschraubt. Wörtlich hieß es "Nicht nur die Exporte und die Investitionsausgaben, sondern auch der Konsum schwächt sich weiter ab und führt zu einer breiten Verschlechterung der Wirtschaftslage ... das weitere Abgleiten der Konjunktur erscheint unvermeidlich".
Firmen haben Finanzierungsprobleme
Zunehmende Unternehmensinsolvenzen verstärken die Skepsis bezüglich der Widerstandsfähigkeit des sowieso schon stark angeschlagenen japanischen Bankensystems. Vor allem kleinere Firmen haben Finanzierungsprobleme, da Anleger und private Banken bei der Kreditvergabe vorsichtiger werden.
„Die Situation scheint zu eskalieren in eine 'verkauft Japan'- Haltung", formulierte Devisenhändler Toshiyuki Takamatsu von ABN Amro jüngst seine Befürchtung. Vor allem aber die Äußerung des Finanzministers Masajuro Shiokawa am Dienstag, die japanische Notenbank solle für mehr Liquidität sorgen, wurde als Zeichen für politischen Druck angesehen und schwächte die Währung weiter.
Allerdings warnen technische Anlaysten mittlerweile vor einer Zwischenkorrektur. Das Verhältnis zwischen Euro und Yen sei in den vergangenen Monaten in der Spitze um 8,53 Prozent gestiegen, aber die Charttechnik weise nach dem rasanten Anstieg der vergangenen Tage auf einen möglichen Rückschlag hin, denken die Markttechniker von UBS Warburg. Der könne bis auf 112,47 oder sogar bis auf 110,31 Euro gegen Yen führen.
Schwache Währung könnte Wirtschaft stabilisieren
Aber was schlecht erscheint für die Währung, das könnte gut sein für die Wirtschaft. Denn schon lange kritisieren Experten die wirkungslosen, dafür schuldentreibenden Konjunkturprogramme der Regierung und fordern eine „inflationäre“ Geldpolitik. Ein schwächer werdender Yen dagegen hilft der Exportindustrie und die wiederum könnte den weiteren wirtschaftlichen Verfall des Landes aufhalten und unter Umständen sogar für eine Wiederbelebung sorgen.
"Die fundamentale wirtschaftliche Situation schreit förmlich nach einer Yen-Abwertung", sagt Larrey Cantor, Global Head der Währungs-Research-Gruppe bei J.P. Morgan Chase. "Wir erwarten, dass sich die Währung weiter abschwächen wird", ergänzt er. Der frühere Finanzminister und ehemalige "Mr. Yen" Eisuke Sakakibara hat sogar angedeutet, dass die japanische Währung im Jahr 2002 bis auf 150 Yen pro Dollar abgleiten könnte.
Das Dilemma: Erst wirksame Reformen des Arbeitsmarktes, der öffentlich rechtlichen Unternehmen und des Bankensektors dürften der Wirtschaft langfristig wieder Luft verschaffen und für Wachstum sorgen. Kursfristig dagegen könnten die unumgänglichen Sparmaßnahmen sogar die Depression verstärken.