Der amerikanische Dollar und das britische Pfund werden zumindest gegen den Euro immer schwächer. Das Pfund nähert sich mit rasanten Kursschritten dem schwächsten Niveau aller Zeiten, das es Ende Dezember des vergangenen Jahres im Vergleich mit der europäischen Einheitswährung markiert hatte.
Die amerikanische Währung erreicht am Dienstag mit einem Minus von 0,6 Prozent auf 1,4873 Dollar den schwächsten Stand seit August des vergangenen Jahres.
Dollar- und Pfundschwäche - Öl- und Metallpreise laufen nach oben
Auf der anderen Seite laufen die Preise von Nickel, Blei, Zucker, Zink, Öl, Silber, Palladium und anderen schon seit Monaten im Trend parallel zur Abwertung der amerikanischen Währung gegen den Euro nach oben. Der Goldpreis entwickelt sich zwar unterproportional, aber er markiert schon seit Tagen ein Rekordniveau nach dem anderen. Am Dienstag liegt er mit einem Plus von etwas mehr als einen Prozent bei 1.068,6 Dollar je Feinunze.
Anleger setzen offensichtlich trotz allem - bisher folgenlosen - Gerede über eine Regulierung der Märkte aus Sorge über eine inflationäre Entwicklung auf Anlageformen dieser Art, obwohl diese keinerlei laufenden Einkommen in Form von Kuponzahlungen oder Dividenden generieren und obwohl das fundamentale Angebot die Nachfrage vielfach übersteigt. Gleichzeitig müssten sie die Risiken kennen, die sie wegen der vergleichsweise engen Märkte eingehen: Zunächst treiben sie die Preise nach oben, während sie später Schwierigkeiten haben mögen, zu vernünftigen Notierungen wieder aus den gewählten Segmenten aussteigen zu können.
Sie scheinen jedoch zu befürchten, extrem tiefe Zinsen in den Vereinigten Staaten und Großbritannien führten zusammen mit „quantitativen geldpolitischen Maßnahmen“ der Zentralbanken und einer extremen Verschuldung der Staaten zu einer Situation, die sich mittel- und langfristig nur durch eine inflationäre Spirale auflösen lasse. Aus diesen Gründen wetten Hedge-Fonds und immer mehr institutionelle Anleger in Form so genannter „Curve-Steepener“ auf steiler werdende Zinsstrukturkurven. Das heißt, sie gehen davon aus, dass die Renditen von Staatsanleihen mit mittleren und längeren Laufzeiten steigen werden.
Werden Wetten auf steigende Renditen „selbsterfüllend“?
Steigende Renditen konterkarierten nicht nur die Bemühungen der angelsächsischen Zentralbanken, das Zinsniveau bei rasant zunehmendem Angebot an Anleihematerial tief zu halten. Sondern sie führten auch zu fallenden Anleihepreisen und könnten zusammen mit dem fallenden Dollar letztlich zum Ausverkauf an den angelsächsischen Rentenmärkten führen. Gerade ausländische Anleiheanleger würden zumindest vorübergehend mit einem doppelten Risiko aus Preis- und Währungsverfall konfrontiert. Die Strategie so genannter Überschussstaaten, ihre Währungen künstlich tief zu halten und die im Rahmen der Interventionen erhaltenen Währungsreserven in ausländischen Staatsanleihen anzulegen, könnte auf diese Weise teuer werden.
Letztlich stellt sich die Frage, ob die Zentralbanken glaubwürdig vermitteln können, sich früh- und rechtzeitig von ihren extremen Politiken zu verabschieden zu wollen und zu können. Das würde bedeuten, die Stimuli wegen der nötigen Vorlaufzeit schon zu reduzieren, obwohl sich viel beachtete ökonomische Variable wie die Arbeitslosigkeit noch verschlechtern. Genau daran scheinen die Märkte im Moment zu zweifeln. Diese Zweifel können dazu führen, dass die Währungsturbulenzen zunehmen und dass die Energie- und Rohstoffpreise zumindest in Dollar und Pfund weiter nach oben getrieben werden.
Früher oder später würden sie sich in den Preisentwicklungen nach dem Ende der transitorischen Basiseffekte, die die Preisindizes derzeit noch nachgeben lassen, in Form von Preissteigerungen zeigen. Spätestens dann würden die Inflationserwartungen zunehmen und letztlich genau zu der Entwicklung führen, die gegenwärtig noch spekulativ unterstellt wird. Das würde sich wohl nur verhindern lassen, wenn die Zentralbanken bald gegensteuerten und die überschäumenden Wachstumshoffnungen dämpften.