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Devisen Rekorddefizit bringt den Dollar wieder in die Defensive

12.01.2005 ·  Hatte sich der Dollar seit Jahresbeginn leicht von seinen Rekordtiefs gegen den Euro erholen können, so steht er am Mittwoch wieder unter Druck. Denn Amerika hat für November ein neues Rekorddefizit im Außenhandel veröffentlicht.

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Kaum hatte sich der Dollar nach neuen Rekordtiefs gegen den Euro zwischen den Feiertagen von Weihnachten und Sylvester wieder etwas erholt, so gerät er wieder in die Defensive. Denn die Vereinigten Staaten gaben am Mittwoch mit einem Minus von 60,3 Milliarden Dollar im November des vergangenen Jahres das größte Defizit in der Handelsbilanz aller Zeiten bekannt.

Das heißt, der in den vergangenen Jahren etablierte Trend, immer mehr Waren zu importieren, ohne gleichzeitig die Exporte proportional steigern zu können, setzt sich entgegen vieler optimistischer Erwartungen fort. Das bedeutet jedoch im Umkehrschluß, daß immer mehr amerikanische Dollar auf dem Devisenmarkt angeboten werden. Nimmt das Angebot einer Ware oder einer Währung zu, dann sinkt an einem normal funktionierenden Markt der Preis. In diesem Fall ist es der Wert des Dollar.

Dollar gibt kurfristig gegen Euro und Yen deutlich nach

Der Markt hat auch prompt reagiert. Denn waren am Vormittag im Tagestief noch 1,3084 Dollar nötig, um einen Euro erwerben zu können, so sind dafür kurz nach der Bekanntgabe der Zahl 1,3222 Dollar nötig. Das sind etwas mehr als ein Prozent mehr. Auch gegen den Yen hat die amerikanische Währung deutlich nachgegeben. Nach 103,55 Yen am Vormittag sind am Nachmittag nur noch 102,22 Yen nötig, um einen Dollar kaufen zu können. Die Währung steht kurz davor, auf den tiefsten Stand seit mehr als neun Jahren zu fallen.

„Dieser Bericht erinnert den Markt an die fundamentalen Gründe, weshalb der Dollar in den vergangenen drei Jahren so deutlich gefallen ist,“ sagte denn auch Währungsstratege Michael Woolfolk von der Bank of New York gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er rechnet damit, daß auch die entsprechenden Zahlen für den Dezember schlechter ausfallen werden. Aus diesem Grund werde der Dollar weiter fallen.

Solche Prognosen kommen sicherlich nicht überraschend und sind nicht neu. Die entscheidende Frage ist allerdings, gegen welche Währungen der Dollar weiter abwerten muß. In diesem Zusammenhang weisen Experten unter anderem in mehreren Interviews mit FAZ.NET (siehe Links) darauf hin, daß der Dollar gegen den Euro schon weit genug gefallen sei. Nun sei eine stärkere Anpassungen gegen die asiatischen Währungen gefragt. Denn immerhin fielen im Handel zwischen Amerika und Asien die größten Ungleichgewichte an.

Anpassungsbedarf bei asiatischen Währungen

Bisher haben allerdings vor allem Japan und China mit massiven Interventionen oder der Bindung der Währung an den Dollar eigentlich durch die Handelsströme induzierten Aufwertungen weitgehend vermieden. Auf diese Weise gingen die Währungsanpassungen vor allem zu Lasten der Länder mit flexiblen Währungen, wie der Eurozone, Kanada, Australien et cetera. Ihre Wirtschaft verliert aus diesem Grund immer mehr an internationaler Wettbewerbsfähigkeit.

Mittlerweile scheint das Problem auch immer mehr bei den Zentralbanken zum Thema zu werden. Denn am Dienstag hat sich sogar die sonst konservativ und angenehm zurückhaltende Europäische Zentralbank entsprechend geäußert. Der Euro sei gegen den Dollar schon zu weit gestiegen, dagegen müßten die asiatischen Währungen, vor allem auch der chinesische Yuan, flexibler werden, hatte Chefvolkswirt Otmar Issing gesagt.

Da diese Konstellation immer offensichtlicher wird, könnte China zu einem überraschend schnellen Anpassungsschritt gezwungen sein. Denn sonst werden offensichtlich die Ungleichgewichte und die früher oder später unumgänglichen Anpassungsmaßnahmen immer größer. Außerdem drängt sich immer mehr die Gefahr von handelspolitischen Friktionen auf. Das letzte, was die Weltwirtschaft allerdings brauchen könnte, das wären protektionistische Tendenzen. Denn solche können für die Weltwirtschaftskrise im 19. Jahrhundert mitverantwortlich gemacht werden.

Trotz steigender Zinsen in Amerika dürfte der Dollar künftig nur wenig Phantasie entwickeln. Denn auch amerikanische Wertpapiere gelten nicht als sonderlich attraktiv und können kaum noch internationales Kapital anziehen. Auf der anderen Seite dürfte der Dollar gegen Währungen wie den Yen, den Won und auch den Yuan Aufwertungspotential haben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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