12.01.2004 · Osteuropas EU-Beitrittskandidaten strebten ursprünglich auch die frühe Einführung des Euros an. Experten raten jedoch davon ab. Denn es würde ihre Flexibilität zu stark einschränken.
Die EU-Beitrittsländer Polen, Ungarn und die Slowakische Republik sollten die Einführung des Euro auf das Ende des Jahrzehnts verschieben. Das ist die Ansicht einer Reihe von Vermögensverwaltern, die osteuropäische Wertpapiere im Volumen von insgesamt 1,8 Milliarden Dollar oder umgerechnet 1,4 Milliarden Euro verwalten. Vorrangig sei, das Wirtschaftswachstum in den Ländern zu sichern.
Die Regierungen der drei Länder streben bereits für 2008 die Einführung der Gemeinschaftswährung an. Die Tschechische Republik, zweitgrößter der zehn EU-Neuzugänge, hat die Pläne bereits auf frühestens 2009 oder 2010 verschoben.
Länder haben die Wahl: Kosten senken oder Wachstum
Zu den Bedingungen für die Einführung des Euro zählt, daß die Regierungen die Ausgaben kürzen. Doch dies würde das Wirtschaftswachstum in den drei Ländern belasten, betonen Investoren, darunter Margarete Strasser von Capital Invest in Wien. Zusammen kommen Polen, Ungarn und die Slowakische Republik auf ein Bruttoinlandsprodukt von 375 Milliarden Dollar, das entspricht etwa drei Viertel der Wirtschaftsleistung der Niederlande. Die drei Länder erhoffen sich von der EU-Mitgliedschaft, zu ihren westlichen Partnern aufschließen zu können. Doch wenn sie den Euro "zu früh übernehmen, kann ihnen das schaden", erklärt Strasser. "Sie müssten ihre Finanzpolitik stark straffen, und das hätte zur Folge, daß sie nicht stark genug wachsen können."
Am Dienstag treffen sich Vertreter der Zentralbanken, Finanzminister und Osteuropa-Investoren in Wien. Auf der zweitägigen Konferenz, die von Euromoney veranstaltet wird, wollen sie darüber beraten, wie schnell die neuen EU-Mitglieder den Euro übernehmen sollten. Sechs der Kandidaten, Litauen, Lettland, Estland, die Slowakei, Malta und der griechische Teil von Zypern wollen die Gemeinschaftswährung so schnell wie möglich einführen, um die Kosten für die Unternehmen zu senken.
Vor der Einführung des Euro müssen die Beitrittsländer ihre Währungen in einem noch festzulegenden Verhältnis an den Euro koppeln. Wird der Umtauschkurs für den Tag der Euro-Einführung zu niedrig festgelegt, dürfte das die Inflaltion anheizen. Wird der Umtauschkurs dagegen zu hoch festgeschrieben, dürfte dies die Exporte erschweren und damit das Wachstum beeiträchtigen. Die derzeitigen Schwankungen am Devisenmarkt erschweren es, den angemessenen Umtauschkurs zu finden, sagen Investoren.
Mehr Zeit nötig, um Probleme zu lösen
"Auch wenn gemeinhin davon gesprochen wird, daß der Beitritt zur Eurozone sowohl für die Unternehmen als auch für die Privathaushalte von Vorteil wäre, könnte das Ergebnis ein zweischneidiges Schwert sein", schreiben die Organisatoren der Konferenz in ihrem Programm. "Ist es eine kluge Entscheidung, auf eine eigenständige Finanzpolitik zu verzichten, zu einer Zeit, da es für die Länder unerläßlich ist, das Wirtschaftswachstum durch die Aufnahme von Schulden zu sichern?"
Polens Bruttoinlandsprodukt wuchs im dritten Quartal 3,9 Prozent, Tschechien kam auf 3,4 Prozent, Ungarn auf 2,9 Prozent und die Slowakei auf 4,2 Prozent. Die Wirtschaft der 15 derzeitigen EU-Mitglieder wuchs im gleichen Zeitraum 0,4 Prozent. Um den Euro einführen zu können, müssen die neuen Mitglieder eine Reihe von Bedingungen erfüllen. So dürfen die Schulden 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes nicht übersteigen, während die Neuverschuldung höchstens drei Prozent vom BIP betragen darf.
Unter den vier größten EU-Beitrittsländern dürfte Polen das Schuldenlimit übertreffen. Alle vier überschreiten zur Zeit die Grenze für die Neuverschuldung. Während Ungarns Haushaltsdefizit 5,6 Prozent des BIP beträgt, kommt Polen auf 4,8 Prozent. Bei Tschechien wird das Defizit voraussichtlich bei über sieben Prozent liegen und in der Slowakei bei fünf Prozent.
"Polen, Ungarn, die Tschechische Republik und die Slowakei haben alle Budgetprobleme und benötigen mehrere Jahre, um sie zu lösen", erläuterte Frank Jansen, Vermögensverwalter bei KBC Conseil Service in Luxemburg. "Angesichts ihres Haushaltsdefizits ist das Jahr 2008 ein zu optimistisches Ziel." Auch EU-Währungskommissar Pedro Solbes und Vertreter der Europäischen Zentralbank haben die Beitrittsländer vor einer übereilten Einführung des Euro gewarnt. "Die Ost-Erweiterung der Währungsunion ist ein langfristiger Prozeß", betonte Otmar Issing, Chefvolkswirt der EZB, im Dezember in einem Fernseh- Interview mit Bloomberg News.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |