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Devisen Osteuropäische Währungen anfällig für „Attacken“

24.05.2004 ·  Die Zinsen in osteuropäischen Ländern sind zum Teil hoch und wecken noch Konvergenzphantasie. Vor allem mit Blick auf die Währungen gibt es aber gute Gründe, die gegen eine überstürzte Angleichung sprechen.

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Osteuropäische Anleihen sollte man als Anleger haben, denn die Zinsen dort seien teilweise recht hoch und böten noch „Konvergenzpotential“, war erst kürzlich wieder zu lesen. Im Rahmen der weiteren faktischen EU-Integration mit dem Ziel, schlußendlich auch den Euro einführen zu können, würden sich die Zinssätze weiter reduzieren. Das führe an den Rentenmärkten zu Kurschancen, so die Logik.

Das hat in der Vergangenheit teilweise recht gut funktioniert und klingt deswegen auf den ersten Blick ziemlich schlüssig. Bei näherer Betrachtung dürfte der Reiz etwas nachlassen. Denn erstens scheint die Ära der weltweit tiefen Zinsen langsam aber sicher zu Ende zu gehen. Damit schwindet auch ein Teil der Konvergenzphantasie. Denn sie könnte unter Umständen über steigende Zinsen im Westen und nicht über weiter fallende Zinsen im Osten nachlassen.

Wechselkursturbulenzen möglich

Zweitens gehen ausländische Anleger mit dem Kauf osteuropäischer Anleihen Wechselkursrisiken ein. Und die sind nicht ganz unbeachtlich. Denn auch wenn der Optimismus weiter groß ist, steht noch lange nicht mit letzter Sicherheit fest, ob die neuen EU-Beitrittsländer die notwendige Disziplin aufbringen werden, die für die Einführung des Euro Voraussetzung ist. Einige Experten warnen vor der Möglichkeit deutlicher Wechselkursturbulenzen. Unter anderem der bekannte Hedge-Fonds-Manager George Soros. Auch der Blick auf den sprunghaften ungarischen Forint macht in Ansätzen deutlich, was das bedeuten könnte.

Dem Euroraum beitreten darf nur, wer die Kriterien von Maastricht erfüllt. Erstens ist dazu eine an den Durchschnitt der drei stabilsten Euroländer angeglichene Inflationsrate nötig, zweitens sind es niedrige langfristige Zinsen. Drittens zwei Jahre Wechselkursstabilität innerhalb der Bandbreite von plus-minus 2,25 Prozent. Viertens und fünftens ein Budgetdefizit unter drei Prozent und ein öffentlicher Schuldenstand nicht über 60 Prozent des Sozialproduktes.

In den westeuropäischen Länder in den neunziger-Jahren halfen Konvergenzspekulationen über rasch fallende Zinsen zusammen mit buchtechnischen Tricks auch finanzschwächeren Ländern - zum Beispiel Italien -, die Kriterien zu erfüllen. Und vor solchen Tendenzen fürchten sich nun manche Anleger mit Blick nach Osten und auf die Stabilität der europäischen Währung. Zieht man allerdings in Betracht, daß die Wirtschaftskraft der zehn Beitrittsländer gerade einmal fünf Prozent des bisherigen europäischen Sozialproduktes ausmacht, scheinen negative Effekte eher unwahrscheinlich zu sein.

Gute Argumente gegen eine rasche Einführung des Euro

Allerdings gibt es Erfahrungen, die zum Beispiel nach Ansicht der Währungsanalysten der Bank Sarasin gegen einen rasche Einführung des Euro in der neuen Beitrittsländern sprechen. So reiche eine eher mäßige wirtschaftliche Konvergenz binen zwei Jahreb nicht aus, um einen wirtschaftlichen Gleichlauf auch nachhaltig zu gewährleisten. Der überhastete, erwartungsgetriebene Rückgang der kurzfristigen Nominalzinsen in den peripheren Volkswirtschaften löste dort einen Boom aus, während in den großen Ländern vergleichsweise hohe Zinsen das Wachstums bremsen. Durch steigende Inflation in der Peripherie und sinkende Inflation im Zentrum Eurolands divergierten die Realzinsen und verschärften die Wachstumsunterschiede. Die Graphik zeigt es an den realen Zinsen Irlands und Deutschlands. Sie zeigt auch, daß die Realzinsen in Ungarn mit sechs Prozent und in Polen mit vier Prozent noch sehr hoch sind.

Ein überhasteter Beitritt zum Wechselkursmechanismus ERM2, der das Fluktuationsband des Wechselkurses zum Euro auf plus-minus 2,25 Prozent beschränkt, scheint auch aus der Sicht der Beitrittsländer nicht ratsam zu sein. Denn entstehen an den Finanzmärkten Zweifel an der Nachhaltigkeit der zugrunde liegenden Wirtschafts- und Finanzpolitik, drohen spekulative Attacken auf die Währung des entsprechenden Landes. Dabei dürfte sicherlich auch eine Rolle spielen, daß der Kapitalbedarf in den Beitrittsländern hoch ist und in den vergangenen Jahren viel ausländisches Geld an ihre Finanzmärkte geflossen ist.

Sollte auch diese Anleger nervös werden und verkaufen wollen, dann könnte es Aktien-, Renten- und am Devisenmarkt zu deutlichen Turbulenzen kommen. In diesen Sinne sollten Anleger beim Lesen schöner Prospekte und Analysen über die „anhaltende Konvergenzphantasie“ immer die damit verbundenen Risiken im Hinterkopf behalten.

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