Die norwegische Krone zählt zu jenen Währungen, die gegenüber dem Euro binnen Jahresfrist an Boden merklich gewonnen haben. Seit dem Fünfjahrestief von 8,866 Kronen hat die Devise aus dem Land der Walfänger und Ölbohrer um fünf Prozent aufgewertet; aktuell notiert sie mit 8,267 Kronen je Euro.
Allerdings verdecken diese Zahlen eine relative Schwäche der norwegischen Krone: Ende Januar ist sie gegenüber dem Euro aus dem Aufwertungstrend gelaufen. Und die jüngste Zinsentscheidung der Notenbank des Landes hilft ihr, sondern setzt sie weiter unter Druck.
Aus relativer Stärke ist eine relative Schwäche geworden
Im vergangenen Jahr hat die norwegische Krone zeitweise vom starken Ölpreisanstieg profitiert. Schließlich ist Öl die Haupteinnahmequelle. Zudem fragten Investoren verstärkt Aktien von Ölkonzernen wie Statoil nach, die letztlich in der Landeswährung zu bezahlen sind. Außerdem wertete die norwegische Krone von September bis Ende gegenüber dem Dollar stärker auf als der Euro: Fast 16 Prozent nahm sie der Weltleitwährung ab, während sie sich von 6,95 Kronen auf 6,045 verbesserte.
Die europäische Gemeinschaftswährung schaffte in der gleichen Zeit „nur“ ein Plus von gut elf Prozent. Diese relative Stärke kam der Krone im Verhältnis zum Euro zugute. Sie verbuchte im letzten Quartal 2004 ein Plus von fast zweieinhalb Prozent.
Doch seit dem Jahreswechsel hat sich das Blatt gewendet: Der Dollar hat dem Euro rund 4,9 Prozent abgenommen, der Krone indes 5,4 Prozent. Aus der relativen Stärke der nordischen Devise ist mithin eine relative Schwäche geworden. Mit der Folge fallender Kurse zum Euro. Gleichzeitig hat sich der Ölpreis wieder etwas befestigt, ohne daß die Krone davon profitiert hätte.
Wechselbeziehung von Krone und Ölpreis „nicht so ausgeprägt“
Für Devisenexperte Wolfgang Leitner von der Raiffeisen Zentralbank (RZB) in Wien ist das nicht verwunderlich. Die Wechselbeziehung von Ölpreis und Krone sei im Durchschnitt nicht so ausgeprägt: „Der Ölpreis spielt zumeist im Hintergrund eine Rolle und wird bisweilen nach vorne gezogen.“ Für entscheidender hält Leitner den Einfluß der Leitzinsen. Die entsprechende Rate liegt in Norwegen weiter bei 1,75 Prozent und damit 25 Basispunkte niedriger als in Euroland und Schweden sowie seit Mittwoch 75 Basispunkte niedriger als in Amerika. Seit Dezember 2002 hat die Notenbank in Oslo den Leitzins zehnmal gesenkt.
Die jüngste Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank Fed könnte den Dollar gegenüber der Krone weiter stärken. Derweil ist die Inflation trotz der Abwertung im Dezember auf dem Rückmarsch. Im letzten Monat des Jahres 2004 schwäche sich der Preisauftrieb von 1,2 Prozent im November auf 1,1 Prozent ab. Die Inflation liegt damit deutlich unter der von der Norges Bank gesetzten Obergrenze von 2,5 Prozent. Von Zinssenkungen redet die Notenbank gleichwohl in ihrem neuesten Bericht nicht mehr, wiewohl ein solcher Schritt nach Einschätzung des RZB-Analysten ohnehin kein Thema mehr war.
Denn: Die Arbeitslosigkeit ist zwar zuletzt von 3,7 Prozent auf 4,1 Prozent gestiegen, weil viele Hochschulabsolventen auf den Arbeitsmarkt drängen. Das Wirtschaftswachstum ist aber stramm: Nach einem Plus von rund 3,75 Prozent im vergangenen Jahr soll dieses Jahr ein Zuwachs von 3,5 Prozent entstehen und 2006 eine Zuwachsrate von 2,75 Prozent. Zudem könnte eine weitere Abwertung der Krone die Inflation befeuern, weil Importe teurer würden. Und dies im Verbund mit dem hohen Wachstum könnte neue Zinsphantasien erzeugen.
RZB: Aufwertung in der zweiten Jahreshälfte möglich
Die Deka-Bank erwartet eine Zinsanhebung frühestens im dritten Quartal. Auch der RZB-Analyst rechnet mit Zurückhaltung in Norwegen. Die Norges Bank habe stets mitgeteilt, bei Zinserhöhungen das Schlußlicht zu sein. Auf jeden Fall wolle sie den schwedischen Kollegen den Vortritt lassen. Angesichts dessen erwartet Leitner eine Seitwärtsbewegung der Krone gegenüber dem Euro um 8,26 Kronen. Im zweiten Halbjahr könnte die nordische Devise aber wieder an Fahrt gewinnen, falls die Norges Bank an der Zinsschraube drehen sollte, die Europäische Zentralbank aber nicht.
Ob Leitners Rechnung aufgeht, muß die Zukunft zeigen. Derzeit sieht es nicht nach einem raschen Erstarken der Krone aus. Um in den Aufwertungstrend zurückzukehren, müßte sie auf 8,19 Kronen und weiter steigen. Die jüngste Zinsentscheidung bietet dafür aber wie erwähnt keinen Rückenwind. Vielmehr könnte die Krone die charttechnische Unterstützung bei 8,29 Kronen testen, an der sie sich in den vergangenen sechs Monaten dreimal gefangen hat. Danach wäre die Marke von 8,32 der nächste mögliche Haltepunkt.