Home
http://www.faz.net/-gvz-pnga
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Devisen Kursphantasie schwächt sich beim „Kiwi“-Dollar ab

28.10.2004 ·  Neuseelands Wirtschaft brummt. Das Zinsniveau ist beispiellos in der Ersten Welt. Deshalb ist der „Kiwi“-Dollar stark. Doch die jüngste Zinserhöhung könnte bis auf weiteres die letzte sein. Die Kursphantasie läßt mithin nach.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Neuseelands Notenbank hat wieder an der Zinsschraube gedreht und den Leitzinssatz um 25 Basispunkte angehoben. Die sogenannte Cash Rate beträgt nun 6,5 Prozent. Das ist der höchste Satz, den ein von der Ratingagentur Standard&Poor´s mit der Spitzennote AAA bewerteter Schuldner zu bieten hat. Zum Vergleich: In Europa liegt der Leitzinssatz bei zwei Prozent und in Amerika bei 1,75 Prozent.

Insgesamt hat die neuseeländische Notenbank im laufenden Jahr die „Cash Rate“ um 1,5 Prozentpunkte erhöht. Denn die Wirtschaft des ozeanischen Landes brummt, die Arbeitslosenquote ist fast historisch niedrig und das Verbrauchervertrauen sehr hoch. Gleichwohl hat die Notenbank signalisiert, 2004 wohl das letzte Mal an der Zinsschraube gedreht zu haben. Denn die entsprechenden vorherigen Schritte müßten noch richtig wirken, und zudem gibt es etwa auf dem Markt für Wohnimmobilien erste Anzeichen einer leichten Abkühlung der Konjunktur.

Zinserhöhung nicht automatisch gut für jeweilige Währung

Anders gesagt: Die Zinsphantasie in Neuseeland schwächt sich ab und mithin auch die Kursphantasie um den „Kiwi“-Dollar. Die Kursentwicklung gegenüber dem amerikanischen Dollar zeigt, daß Leitzinserhöhungen nicht immer einem Vitaminstoß für die jeweilige Währung gleichkommen: Der Neuseeland-Dollar hat am Donnerstag gegenüber der Weltleitwährung den größten Einbruch seit zwei Monaten erlebt. Sein Wert ist von 69,3 amerikanischen Cents auf bis zu 68,76 Cents gesunken. Dies hat auch mit wiederbelebten Kursphantasien um Amerika zu tun. Anleger am Rentenmarkt rechnen nun nach dem jüngsten Anstieg der Renditen sogar mit einer Erhöhung des amerikanischen Leitzinses um 0,5 Prozentpunkte bis Dezember.

Gegenüber dem Euro schlägt sich der „Kiwi“ aber wacker: Er steigt um 0,13 Prozent auf 1,8433 Neuseeland-Dollar nach 1,8457. Seit Mai hat er der Gemeinschaftswährung mehr als 9,1 Prozent abgenommen. Auf Jahressicht sind es 3,8 Prozent. Dies zeigt, wie sehr die Leitzinserhöhungen bisher demn „Kiwi“ geholfen haben.

Beeindruckende Wirtschaftsdaten aus Ozeanien

Die Notenbank hat ihren Zinsschritt mit dem Hinweis begründet, die Wirtschaft des Landes entwickele sich immer noch sehr stark, wodurch Inflationsdruck gegeben sei. In der Tat sind die grundlegenden Zahlen beeindruckend: Neuseelands Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal um 5,7 Prozent gewachsen. Für das erste Quartal erwartet die Notenbank ein Plus von 2,5 Prozent. Neuseeland profitiert vom Anstieg der Preise für Rohstoffe, darunter Bauholz. Die Hauspreise sind um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert geklettert. Das Verbrauchervertrauen hat zuletzt einen Jahreshöchstwert erreicht, während die Arbeitslosigkeit auf ein 17-Jahrestief gesunken ist und bei vier Prozent liegt. Die Folge: Die Einzelhandelsumsätze kletterten im August um 7,6 Prozent.

Gleichwohl sieht die Notenbank keine Notwendigkeit, im laufenden Jahr nochmals den Leitzinssatz zu erhöhen. Denn die vorherigen Zinsschritte müßten ihre Wirkung erst noch voll entfalten. Zudem ist die Zahl der Baugenehmigungen zuletzt gesunken. „Wir erwarten hier einen beträchtlichen Rückgang im nächsten Jahr wegen der Kombination höherer Zinsen und nachlassender Zuwanderung“, meint Annette Beacher, Ökonomin in Diensten der Citigroup Global Markets in Sydney, laut Bloomberg News.

„Zins-Story nähert sich ihrem Höhepunkt“

In der Stellungnahme der Notenbank sieht David Mozina, Chef-Devisenstratege für ausländische Währungen bei der Bank ABN Amro in Sydney, laut Bloomberg ein Signal, Neuseeland-Dollar kurzfristig zu verkaufen. Und Nick Tuffley, Ökonom bei Westpac Banking in Wellington, geht noch weiter: „Weil die Zins-Story ihren Höhepunkt erreichen dürfte, lassen die Anreize, Geld in Neuseeland zu parken, etwas nach“, wird er von derselben Agentur zitiert. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember sieht er als „bescheiden“ an, die Volkswirte der Dekabank sehen „auf absehbare Zeit keine weiteren Zinserhöhungen mehr“.

Angesichts dessen ist zu vermuten, daß die Triebkraft des „Kiwi“ gegenüber dem Euro noch etwas anhalten dürfte, solange die Europäische Zentralbank nicht selbst an der Zinsschraube dreht. Die Dynamik dürfte allerdings wegen der abflauende Zinsphantasie mit der Zeit nachlassen. Ob das indes zu einem schwächelnden „Kiwi“ führen wird, darf wegen des weiter enormen Zinsabstands bezweifelt werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
  nach...
von... EUR USD JPY
EUR 1 1,2515 99,715 0,7988
USD 0,7990 1 79,665 0,6384
JPY 0,0100 0,0126 1 0,0080
1,2520 1,5664 124,81 1
25.05.2012 23:00 Uhr
  Vortag
1,2515 −0,14%
 OK
Tops & Flops Kurs Prozent
EUR/RUB 40,0510 +0,71 %
EUR/ZAR 10,5135 +0,32 %
EUR/PLN 4,3498 +0,32 %
EUR/SGD 1,6038 +0,20 %
EUR/CAD 1,2882 +0,09 %
EUR/SEK 8,9732 −0,20 %
EUR/NZD 1,6581 −0,20 %
EUR/CZK 25,2820 −0,28 %
EUR/HUF 299,2500 −0,33 %
EUR/NOK 7,5265 −0,41 %
25.05.2012
Name Kurs Prozent
Gold 1.569,50 $ +0,06 %
Silber 28,24 $ +0,57 %
Platin 1.430,00 $ +0,92 %
Palladium 592,00 $ +0,34 %
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14 %
Gas 0,53 £ −0,56 %
Kaffee 1,68 $ +1,27 %
Zucker 0,20 $ +0,36 %
Orangensaft 1,09 $ +0,32 %
AMEX GOLD BUGS 601,37 -- %
AMEX OIL 1.151,96 -- %
Rogers International 24,14 +0,50 %
von
nach