Mit deutlichen Kursgewinnen reagiert der kanadische Dollar gegen sein amerikanisches Gegenstück auf die Aussicht, daß sich auf Grund von weiteren Zinssenkungen in Amerika und einem stabilen Zinsniveau in Kanada die Zinsdifferenz zwischen den beiden Wirtschaftsräumen erhöhen könnte. Aus diesem Grund legt die Währung am Mittwoch gegen den Greenback knapp ein Prozent zu.
Nun sind 1,3525 kanadische Dollar notwendig, um einen Amerikanischen erwerben zu können, am Dienstag waren dazu noch 1,3638 kanadische Dollar notwendig gewesen. Mit dieser Kursbewegung nähert sich das Währungspaar auch wieder dem mehrjährigen Rekordstand von 1,3388 Kanadadollar je US-Dollar vom fünften Juni.
Anleger setzen auf größer werdende Zinsdifferenz
Die Devisenhändler scheinen wieder verstärkt darauf zu setzen, daß die amerikanische Notenbank in laufenden Monat den Leitzins um mindest 25 Basispunkte senken wird, um damit gegen eine zu geringe Inflationsrate und den damit verbundenen schädlichen Wirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung vorzugehen. In Kanada liegt der Zinssatz für kurzfristige Kredite über Nacht bei 3,25 Prozent, das sind zwei Prozentpunkte mehr als in Amerika und 1,25 Prozentpunkte mehr als in Europa.
„Nach meiner Meinung gibt es keinen Zweifel daran, daß die Fed eine weitere Zinssenkung signalisiert, wir erwarten 50 Basispunkte und gleichzeitig unveränderte Zinsen in Kanada,“ sagt beispielsweise Währungsanalyst Divyang Shah von Ideaglobal in London. Experten gehen davon aus, daß in Zukunft nur noch 1,30 kanadische Dollar notwendig sein könnten, um einen Greenback zu kaufen. Das wäre der tiefste Stand oder der höchste Wert des kanadischen Dollars seit mehr als zehn Jahren.
Höhere Zinsen und aufwertende Währung locken ausländische Anleger
Sechs der Fed-Sprecher - Greenspan, Minehan, Gramlich, Kohn, Santomero und Ferguson - hatten am Dienstag nichts gegen die Erwartung des Marktes auf eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt unternommen. Vor allem zwei Äußerungem waren aufgefallen. Einmal Donald Kohn, der darauf hinwies, daß die Preise bei der aktuellen Arbeitslosigkeit schneller fielen, als es erwartet wurde. Zum anderen Anthony Santomera, der davon sprach, die Wirtschaft wachse nicht stark genug.
Die zunehmende Zinsdifferenz ist vor allem für Anleger interessant, die festverzinsliche Papiere kaufen wollen oder gar müssen. Denn die Renditen zehnjähriger Papiere sind in Kanada mit 4,13 Prozent deutlich interessanter als in Amerika mit 3,17 Prozent oder in Europa mit 3,51 Prozent. Das führt dazu, daß sich immer mehr Anleger Papiere in Staaten mit höheren Renditen kaufen, sei es in Australien, der Türkei oder eben auch Kanada. Im März haben ausländische Anleger netto kanadische Wertpapiere im Wert von 6,86 Milliarden kanadischen Dollars erworben.
Auf Grund des Mittelzuflusses legt auch die Währung zu. Im Vergleich zum Januar sind am Mittwoch 14 Prozent weniger kanadische Dollar notwendig, um einen Greenback zu kaufen. In den vergangenen Tagen kam es bei dieser Kursbewegung zwar zu einer Konsolidierung, aber der Trend zeigt eindeutig nach unten. Und was kann Anlegern besseres passieren, als einen Zinsvorteil einzustreichen und gleichzeitig von einer aufwertenden Währung zu profitieren.
Die nächsten Widerstände sind bei 1,4398, 1,3460 und 1,3385 kanadischen Dollar je Greenback zu finden. Deutlichere Unterstützung würde er bei 1,3682 und 1,3720 finden.