Home
http://www.faz.net/-gvz-qasv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Devisen Japanische Zentralbank will Zinsen erhöhen - Yen legt zu

20.06.2006 ·  Die Volatilität an den internationalen Finanz- und Rohstoffmärkten hat in den vergangenen Wochen deutlich zu genommen. Sehr wahrscheinlich reagieren sie auf den Entzug der Liquidität, die lange Zeit vor allem auch aus Japan kam.

Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (0)

Der Devisenmarkt wird von Zinserwartungen und den damit verbundenen Spekulationen dominiert. Dabei kommt es immer wieder zu Irritationen. Hatte der amerikanische Zentralbankchef Ben Bernanke in den vergangenen Wochen zunächst vermuten lassen, die Fed werde bald eine Pause im laufenden Zinserhöhungszyklus einlegen, so mußte er relativ rasch zurückrudern, nachdem der Dollar rasch deutlich unter Druck geraten war.

Inzwischen spekuliert der Markt wieder darauf, daß der amerikanische Leitzins weiter angehoben werden wird als lange Zeit erwartet wurde. Das gibt dem Dollar zumindest kurzfristig einen gewissen Rückhalt, obwohl er mit starken strukturellen Problemen - geringe Sparquote, ausgeprägte Leistungsbilanz- und Budgetdefizite - konfrontiert ist.

Steigende Zinsen in Amerika dämpfen die Konjunktur ...

Steigende Zinsen sind gleichzeitig schlecht für den amerikanischen Immobilienmarkt und damit indirekt für den Konsum des Landes. Denn extrem tiefe Zinsen und eine hohe Geldmenge hatten nicht nur die Bauwirtschaft des Landes und alle damit verbundenen Wirtschaftszweige boomen lassen, sonder auch zu zum Teil deutlich steigenden Preisen geführt. Diese hatte Hausbesitzer in die Lage versetzt, sich aufgrund innovativer Finanzierungsformen immer günstiger refinanzieren zu können, die dadurch frei werdenden Mittel für den Konsum zu verwenden.

Beide Prozesse dürften aber mit steigenden Zinsen zu Ende kommen und die amerikanische Konjunktur dämpfen - ganz zu schweigen von den zunehmenden Risiken in den Bilanzen der immobilienlastigen Banken. Zusammen genommen dürften Verhältnisse nicht ausgeschlossen, wie sie Japan lange Jahre lähmten. Aus diesem Grund dürfte die relative Schwäche an den Börsen und Rohstoffmärkten im Moment kaum verwundern. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie lange sich der Dollar wird behaupten können.

Anleger sollten ihren Blick auch auf Japan richten. Denn das Land scheint langsam wieder aus dem langjährigen disinflationären Umfeld herauszukommen. Die Konjunktur zeigt eine gewisse Eigendynamik und ist offensichtlich nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit von Exporten abhängig. Gleichzeitig scheint das Land auch der Liquiditätsfalle entronnen zu sein, in der selbst eine ultralockere Geldpolitik lange Zeit nicht zu einer Kreditexpansion im Inland geführt, sondern die Welt mit billigem Geld überschwemmt hatte.

... Ende der Null-Zinspolitik in Japan setzt die Finanzmärkte auf Entzug

Auch das hat sich aber inzwischen geändert und hat die japanische Zentralbank dazu gezwungen, das so genannte „quantitative easing“ zu beenden und dürfte sie bald zur Beendigung der Null-Zinspolitik bringen, obwohl politische Strömungen im Lande der aufgehenden Sonne die Verwicklung des Zentralbankchefs Toshihiko Fukui in den Livedoor-Skandal offensichtlich dazu nutzen wollen, um das zu verhindern. Jun Ishii, Chief Fixed Income Strategist von Mitsubishi UFJ Securities rechnet mit entsprechendem politischem Druck.

Das hinderte Fukui jedoch nicht daran, am Dienstag in einer Rede von dem nationalen Presseclub darauf hinzuweisen, daß die Bank of Japan die Nullzinspolitik unverzüglich beenden müsse, um eine zu starke Stimulation der Wirtschaft mit zu niedrigen Zinsen zu vermeiden. Der Yen hat darauf sowohl gegen Dollar als auch den Euro deutlich angezogen und der japanische Rentenmarkt fiel. Das spricht für sich, denn die Beendigung der Null-Zinspolitik ist überfällig, um die erneute Entwicklung einer „Bubble“ wie in den achtziger Jahren mit entsprechend negativen Folgen zu vermeiden.

Angesichts solcher Äußerungen dürfte kaum verwundern, daß nicht nur die japanische Börse in den vergangenen Wochen in die Defensive geraten ist, sondern auch die Aktienmärkte weltweit. Sie profitierten lange Zeit von der extrem lockeren Geldpolitik in Japan - die Geldmenge ist phasenweise extrem stark ausgeweitet worden und liegt heute über der amerikanischen, obwohl das Sozialprodukt deutlich darunter liegt -, die in Verbindung mit einem durch Interventionen manipulierten Wechselkurs die Welt mit billigem Geld überschwemmte und die berühmt berüchtigten „Carry-Trades“ finanzierte. In diesem Sinne sollten die internationalen Finanzmärkte weiterhin skeptisch betrachtet werden, da sie auf Entzug geraten könnten, wie ein Junkie nach dem Absetzen der Spritze. Der Yen dagegen sollte davon profitieren können. Manche Strategen rechnen mit Kursen von weniger als 100 Yen je Dollar in den kommenden Monaten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
  nach...
von... EUR USD JPY
EUR 1 1,2515 99,715 0,7988
USD 0,7990 1 79,665 0,6384
JPY 0,0100 0,0126 1 0,0080
1,2520 1,5664 124,81 1
25.05.2012 23:00 Uhr
  Vortag
1,2515 −0,14%
 OK
Tops & Flops Kurs Prozent
EUR/RUB 40,0510 +0,71 %
EUR/ZAR 10,5135 +0,32 %
EUR/PLN 4,3498 +0,32 %
EUR/SGD 1,6038 +0,20 %
EUR/CAD 1,2882 +0,09 %
EUR/SEK 8,9732 −0,20 %
EUR/NZD 1,6581 −0,20 %
EUR/CZK 25,2820 −0,28 %
EUR/HUF 299,2500 −0,33 %
EUR/NOK 7,5265 −0,41 %
25.05.2012
Name Kurs Prozent
Gold 1.569,50 $ +0,06 %
Silber 28,24 $ +0,57 %
Platin 1.430,00 $ +0,92 %
Palladium 592,00 $ +0,34 %
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14 %
Gas 0,53 £ −0,56 %
Kaffee 1,68 $ +1,27 %
Zucker 0,20 $ +0,36 %
Orangensaft 1,09 $ +0,32 %
AMEX GOLD BUGS 601,37 -- %
AMEX OIL 1.151,96 -- %
Rogers International 24,14 +0,50 %
von
nach