03.06.2005 · Die „Dollarbären“ rudern nach den jüngsten Kursverlusten des Euro zurück und senken ihre Wechselkursprognosen. Eine Mischung aus enttäuschenden Daten und politischen Unruhen schwächten den Euro, heißt es nun.
Lehman Brothers Holdings, Goldman Sachs und ABN Amro haben ihre Prognosen für die Entwicklung des Euros zurückgenommen, nachdem die EU-Verfassung von der französischen und niederländischen Bevölkerung abgelehnt worden ist.
Die Investmentbanken folgen dem Beispiel von Merrill Lynch und UBS, die ihre Dollar-Prognosen bereits angehoben haben. Auf die fünf Investmentbanken entfallen 29,2 Prozent des weltweiten Devisenhandels mit einem täglichen Volumen von 1,9 Billionen. Dollar. Die neue Einschätzung spiegelt auch Befürchtungen wider, daß die europäische Wirtschaft schwächelt.
Politische Risiken sind kaum prognostizierbar
"Anfang des Jahres dachte niemand, daß das Referendum ein solches politisches Risiko werden würde", sagte James McCormick, Leiter der Devisenanalyse bei Lehman. "Die europäische Wirtschaft ist viel schwächer als gedacht." McCormick, demzufolge die dreijährige Dollar-Talfahrt vorbei ist, sieht den Euro Ende Juni bei 1,22 Dollar je Euro und Ende Dezember bei 1,30 Dollar je Euro. Ursprünglich lag seine Schätzung bei 1,28 Dollar und 1,40 Dollar.
Am Freitagnachmittag notierte der Euro bei 1,2292 Dollar und steuerte auf den größten Wochenverlust gegenüber dem Dollar seit über zwei Monaten zu. Spekulationen, wonach das "Non" und "Nee" zur EU-Verfassung die wirtschaftliche Integration der Europäischen Union beeinträchtigen könnten, sorgten für Abgabedruck.
Die jüngsten Konjunkturdaten zeigen, daß die Industrieproduktion in Europa und der Einzelhandelsumsatz in Deutschland rückläufig sind. Vor diesem Hintergrund dürfte die Europäische Zentralbank die Zinsen erstmals seit 2003 senken müssen, sagt McCormick voraus.
Schwache Daten - schwache Stimung in Europa
Goldman, die weltweit drittgrößte Investmentbank nach Marktwert, sieht den Dollar in drei Monaten bei 1,20 Dollar je Euro beziehungsweise 108 Yen. In sechs Monaten dürfte der Kurs bei 1,25 Dollar je Euro beziehungsweise 102 Yen stehen. Ursprünglich hatte Goldman eine Abschwächung auf 1,35 Dollar je Euro beziehungsweise 98 Yen erwartet. Das Kursziel für die nächsten zwölf Monate wurde auf 1,30 Dollar je Euro angehoben. Der Yen dürfte dann bei 95 Yen je Dollar notieren.
"Unsere neuen Schätzungen zeigen viel weniger Euro-Stärke als vorher, was vor allem an der anhaltenden Enttäuschung über die Binnennachfrage in der Euro-Zone und der politischen Unsicherheit bezüglich der europäischen Integration liegt", schreibt Goldman in einem Bericht.
UBS, die zweitgrößte Devisenhandelsbank weltweit laut Euromoney, hat ihre Euro-Prognose am Donnerstag von 1,28 Dollar je Euro auf 1,25 Dollar je Euro gesenkt. Die Schätzung für die nächsten drei Monate, ein Kurs von 1,36 Dollar je Euro, sei "im Moment ziemlich abgeschlagen", schreibt Devisenstratege Daniel Katzive. Die Langfristprognose werde nächste Woche überarbeitet.
ABN Amro verweist im jüngsten Wochenbericht auf "eine Mischung aus enttäuschenden Daten und politischen Unruhen, die den Euro schwächen." Tony Norfield sieht den Dollar in drei Monaten bei 1,22 Dollar je Euro, ursprünglich lautete seine Schätzung auf 1,30 Dollar je Euro. Für die nächsten sechs und zwölf Monate erwartet er einen Kurs von 1,27 Dollar je Euro beziehungsweise 1,37 Dollar je Euro.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |