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Devisen-Interventionen Schweizer Notenbank schwächt den Franken

25.06.2009 ·  Die Schweizer Nationalbank interveniert massiv am Devisenmarkt, um die eigene Währung zu schwächen. Ist das ein Kampf gegen die Deflation oder handelt es sich um eine kompetitive Abwertung unter einem statistischen Deckmäntelchen?

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Trotz der schwachen Schweizer Konjunktur tendiert die Währung des Landes zu einer gewissen Stärke.

Diesem Trend begegnet die Zentralbank des Landes nicht nur mit extrem tiefen Zinsen, einer lockeren Geldpolitik und verbalen Interventionen, sondern sie kommt auch immer wieder direkt in den Markt.

Am Mittwoch war es wieder einmal soweit. Intervenierende Verkäufe trieben den Kurs der Währung von 1,50 Franken je Euro auf bis zu 1,5381 Franken in der Tagesspitze. Am Donnerstag hält sich die Schweizer Währung zwar zunächst auf dem hohen Niveau, allerdings kommt es in der Tendenz schon wieder zu leichten Gegenbewegungen. Am späten Donnerstagvormittag sind im professionellen Handel noch 1,5263 Franken nötig um eine Einheit der europäischen Einheitswährung erwerben zu können.

Starke Kursbewegungen gegen den Euro und den Dollar nach starken Interventionen

Gegen den Dollar sieht die Entwicklung ähnlich aus. Nach 1,065 Dollar waren am Mittwoch im späten Handel bis zu 1,1023 Dollar nötig, um einen Schweizer Franken kaufen zu können. Am Donnerstagvormittag sind das noch 1,0933 Dollar. Tatsächlich hatte die Schweizer Zentralbank aktiv gegen beide Währungen interveniert.

Die Schweizer Nationalbank versuche eine Linie in den Sand zu ziehen, heißt es aus dem Handel. Vor wenigen Tagen hatte sie starke Sorgen über eine deflationäre Entwicklung im Binnenmarkt geäußert und erklärt „wenn wir gegen die Deflation kämpfen wollen, so müssen wir die weitere Aufwertung der Währung stoppen.“ Faktisch macht eine stärkere Währung Importe günstiger, dagegen Exporte teurer. So stellt sich die Frage, ob wirklich die Preisentwicklung im Vordergrund der Zielsetzung steht oder nicht vielmehr die kompetitive Subventionierung der Exportwirtschaft. Der Konsumentenpreisindex fiel im Mai um ein Prozent, dagegen gingen die Exporte viel drastischer zurück.

Tatsächlich deuten die starken Interventionen nach Ansicht von Marktteilnehmern darauf hin, dass die Schweizer Zentralbank einerseits eine Abschwächung der Währung auf breiter Basis anstrebt. Auf der anderen Seite möchte sie offensichtlich die Marke von 1,5 Franken je Euro als kritische Grenze im Markt etablieren, unter die der Kurs nicht fallen sollte.

Kampf gegen Deflation oder einfach nur merkantilistische Abwertung?

Die Schweizer Wirtschaft ist wirklich schwach. Die Industrieproduktion des Landes fiel im ersten Quartal im Vergleich mit dem Vorquartal um 13,1 Prozent und im Vergleich mit dem Vorjahr um 9,5 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt ging im Jahresvergleich um 2,4 Prozent zurück. Die weiteren Aussichten sind auch nicht ermutigend. Denn die Exporte des Landes gingen im Mai nach Informationen der Eidgenössischen Zollverwaltung nominal um 19,1 Prozent auf 14,261 Milliarden Franken zurück. Die Importe fielen sogar um nominal 21,8 Prozent auf 12,249 Milliarden Franken. Der Mai fiel sehr schwach aus, denn die Exporte gingen in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres um 14,6 Prozent zurück auf 73,96 Milliarden Franken.

Besonders drastisch fielen die Exportrückgänge in der Metall-, in der Maschinenbau- und Elektronik-, sowie in der Uhren- und Textilindustrie aus. Die Ausfuhren der Metallindustrie fielen im Mai im Vergleich mit der Vorjahresperiode um knapp 39 Prozent. Regional betrachtet gingen die Exporte in die EU im Mai um 20,5 Prozent zurück, nach Asien um 15,2 Prozent und nach Nordamerika sogar um 18,3 Prozent. Mit einem Exportwert von 9,3 Milliarden Franken ist Europa mit weitem Abstand der wichtigste Absatzmarkt für Schweizer Exportprodukte.
So dürfte es kaum verwundern, dass die Zentralbank eine Aufwertung des Frankens um jeden Preis verhindern will. Aber nicht nur deswegen. Wichtig ist auch die Finanzposition der angeschlagenen Staaten in Mittel- und Osteuropa. Dort haben sich in den vergangenen Jahren viele in Schweizer Franken finanziert. Würde der teurer werden, würde sich ihre Belastung finanzielle Situation verschlechtern - was sich negativ in den Bilanzen westlicher Banken bemerkbar machen würde.

Insgesamt hat die Schweizer Zentralbank starke Gründe, den Franken nicht aufwerten zu lassen. Da sie förmlich an der Quelle sitzt, hat sie quasi auch unbegrenzte Mittel zur Verfügung, um in Form von Frankenverkäufen an den Markt kommen zu können. In diesem Sinne können Wetten gegen den Franken immer dann interessant werden, wenn sich der Eurokurs der Marke von 1,50 Franken nähert.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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